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Die Stimme des FC St. Gallen

ST.GALLEN. Seit 20 Jahren ist Richard Fischbacher Speaker des FC St.Gallen. In dieser Zeit hat er viele Höhepunkte der Vereinsgeschichte, aber auch unschöne Momente miterlebt. Ans Aufhören denkt der 60-Jährige noch lange nicht.
David Gadze
Richard Fischbacher in seiner Speaker-Kabine im obersten Stockwerk der AFG Arena. (Bild: Ralph Ribi)

Richard Fischbacher in seiner Speaker-Kabine im obersten Stockwerk der AFG Arena. (Bild: Ralph Ribi)

Einen Meistertitel, zwei Abstiege, zwei Aufstiege, Spiele auf europäischem Parkett und in den Niederungen der zweithöchsten Spielklasse: Richard Fischbacher hat beim FC St.Gallen alles erlebt. Seit 20 Jahren ist er die Stadionstimme des Clubs. Über 400 Partien hat er als Speaker begleitet, vielleicht 20 verpasst. Sechs Präsidenten, zehn Trainer und unzählige Spieler hat er kommen und gehen sehen. Er hingegen ist längst eine Institution – und denkt auch vor dem Start in die 21. Saison noch lange nicht ans Aufhören.

Kein gewöhnlicher Job

Als «wunderschönes Hobby», ja als «Passion» bezeichnet der 60-Jährige seine Tätigkeit. Seit seiner Jugend, als er mit 14 Jahren zum ersten Mal im Espenmoos war, ist er Fan des FCSG. Bei jedem Spiel fiebert er mit, bejubelt jedes Tor und leidet mit, wenn es mal nicht so rund läuft. «Als Speaker musst du dich nach aussen neutral geben. Innerlich musst du aber mitgehen. Dieser Job verlangt Emotionen.»

1994 fragte ihn der damalige FCSG-Präsident Hans Hurni, ob er neuer Stadionsprecher werden wolle. Fischbacher, damals noch Moderator bei Radio aktuell (heute FM1), zögerte. «Ich wusste nicht, ob ich das kann. Wir vereinbarten, dass wir nach drei bis vier Spielen entscheiden, ob ich bleibe oder nicht.» Er blieb. Fischbacher war es denn auch, der vielen FCSG-Anhängern den Umzug vom Espenmoos in die topmoderne und grosse AFG Arena 2008 erleichterte. Die vertraute Stimme trug wesentlich dazu bei, im neuen Ambiente ein Gefühl von Heimat zu vermitteln.

Früher war vieles anders

Seine Speaker-Kabine in der AFG Arena ist nach aussen abgeschottet und blitzblank. «Früher musste ich vor jeder neuen Saison zuerst Spinnweben und tote Insekten entfernen.» Vieles hat sich auch für ihn mit dem Bezug der neuen Spielstätte geändert. An die neue Technik habe er sich schnell gewöhnt, sagt Fischbacher. Die Stimmung, die er im Espenmoos hautnah miterlebte, prallt hier aber an den zentimeterdicken Fensterscheiben seines Kabäuschens ab. Dank Mikrophonen, die im Stadion installiert sind, holt er sie sich über Lautsprecher in die Kabine. Auch seine Arbeit ist anders als früher: «Im Espenmoos konnte ich das Programm noch selber gestalten. Die Aufstellung gab ich bekannt, wenn ich das Gefühl hatte, es sei der richtige Zeitpunkt dafür.» In der AFG Arena ist er ein Rädchen in einem grossen System, in dem dank Arena-TV alles minutiös geplant ist.

Auch der Kontakt zur Mannschaft und den Trainern sei im Espenmoos schöner gewesen. «Man ist sich vor oder nach dem Spiel über den Weg gelaufen und hatte noch Zeit, ein paar Worte zu wechseln.» Mit Marcel Koller und Jairo sei er auf Facebook befreundet. Und bei einem Treffen mit der Meistermannschaft vor knapp zwei Jahren hätten ihn viele Spieler noch gekannt.

Höhen und Tiefen miterlebt

Neben vielen Anekdoten spricht Fischbacher immer wieder von den schönen Momenten, die er in all den Jahren erleben durfte. Von der Meistersaison 1999/00, von der Champions-League-Qualifikation und den Uefa-Cup-Spielen im Zürcher Exil. Aber auch von den Europacup-Auftritten im vergangenen Herbst oder der ersten Saison in der neuen Heimat, als das Stadion regelmässig voll war.

Der langjährige FCSG-Anhänger hat aber auch oft gelitten. So etwa im Mai 2008, als der FC St. Gallen im allerletzten Spiel im Espenmoos der AC Bellinzona 0:2 unterlag und in die Challenge League abstieg. «Das war sehr bitter. Aber was danach passierte, ist unentschuldbar.» Gemeint sind die Ausschreitungen im Stadion nach dem Abpfiff. «Diese Chaoten wissen nicht, was sie unserer heiligen Stätte angetan haben. Sie haben sie kaputtgemacht. Das hat mir sehr weh getan.» Zumal er die Zerstörung noch zwei Stunden lang mitansehen musste, da er im Auftrag der Polizei im Stadion Durchsagen machte.

Rücktritt noch nicht in Sicht

In fünf Jahren erreicht Richard Fischbacher das Pensionsalter. Wie lange er die Stimme des FC St. Gallen bleibt, lässt er offen. Eine Aussage von früher, wonach er nach dem nächsten Meistertitel zurücktritt, relativiert er: «Vielleicht bin ich dann so alt, dass man mich in die Speaker-Kabine tragen muss.» So weit will er es nicht kommen lassen. Beim Entscheid will er auf sein Bauchgefühl hören – wie 1994.

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