Die Stiftsbibliothek und ihr animierter Doppelgänger

Märchenhafte Parallelen

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Verblüffende Ähnlichkeit: Die Stiftsbibliothek gleicht in vielerlei Hinsicht der Schlossbibliothek aus dem Disney-Film. (Bild: Michel Canonica)

Verblüffende Ähnlichkeit: Die Stiftsbibliothek gleicht in vielerlei Hinsicht der Schlossbibliothek aus dem Disney-Film. (Bild: Michel Canonica)

Nach dem Weihnachtsmarkt nun auch noch die Stiftsbibliothek: Innerhalb weniger Monate hat es St. Gallen zweimal in ein internationales (und inoffizielles) Ranking geschafft. Das Portal «10best» der amerikanischen Tageszeitung «USA Today» hat die Stiftsbibliothek zu einem von zehn Orten gekürt, an denen man sich fühlt wie im Disney-Film «Die Schöne und das Biest» aus dem Jahr 1991.

Die Bibliothek ist in illustrer Gesellschaft: Der Veitsdom in Prag, der Queluz-Palast in Lissabon und die Sainte-Chappelle in Paris werden als Beispiele genannt. Bei allen ist die Ähnlichkeit zu Schauplätzen aus dem Disney-Filmhit nicht abzustreiten. Und doch: So nah wie die Stiftsbibliothek kommt keiner der anderen Orte der Szenerie aus «Die Schöne und das Biest». Die Schlossbibliothek, die das Biest der schö-nen Belle schenkt, weist tatsächlich verblüffende Parallelen zum St. Galler Unesco-Weltkulturerbe auf. Das geschwungene Geländer, der Treppenaufgang, die Ornamente: Fast scheint es so, als hätten sich die Macher des Disney-Films der Szenerie in der Stiftsbibliothek bedient. Auch St. Gallen-Bodensee Tourismus hat bemerkt, dass eines ihrer Flaggschiffe prominent erwähnt wurde. Die Tourismusorgani­sation postete den Artikel dazu stolz auf Facebook. Kein Wunder, kommt die Verfasserin der Top-10-Liste doch zum Schluss: «Daraus sind Träume gemacht.»

Eine Parallele zwischen der Zeichentrick-Bibliothek und der echten ist besonders eindrucksvoll: Der Globus am rechten Bildrand. Im Kulturgüterstreit mit Zürich rund um den St. Galler Globus hätte das Biest aber kaum nachgegeben und sich mit einer Kopie begnügt.

Luca Ghiselli

luca.ghiselli@tagblatt.ch