Die Stadt weniger verändern

Historische Bausubstanz, Grünräume und Gewerbegebiete stärker bewahren, Rorschach familienfreundlicher gestalten: Diese Anliegen von Bürgern zum Entwicklungskonzept berücksichtigt der Stadtrat beim Ausarbeiten des Richtplans.

Fritz Bichsel
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Der Südwesten mit Betrieben beidseits der Bahnlinie westlich der Industriestrasse wird ein Entwicklungsgebiet für produzierendes Gewerbe. (Bild: Rudolf Hirtl)

Der Südwesten mit Betrieben beidseits der Bahnlinie westlich der Industriestrasse wird ein Entwicklungsgebiet für produzierendes Gewerbe. (Bild: Rudolf Hirtl)

RORSCHACH. Von den 9000 Einwohnern oder 4000 Stimmberechtigten füllten nur 172 den Fragebogen aus. Von den Parteien nahm nur die SP zusätzlich Stellung. Das lässt darauf schliessen, dass die im Entwurf für das Stadtentwicklungskonzept formulierten Hauptziele nicht umstritten sind. Die Antworten zu den Leitlinien «Stadt stärker auf den See ausrichten», «urbanen Kern als regionales Dienstleistungszentrum erweitern» und «Einwohnerzahl wieder auf 10 000 erhöhen und zusätzliche Arbeitsplätze ermöglichen» bestätigen das: Gut oder gegen 90% der Teilnehmenden kreuzten da «trifft zu» oder «trifft mehrheitlich zu» an.

Vorsicht bei Vorhandenem

Für den Weg zu diesen Zielen werden aber Vorbehalte sichtbar. Auf «trifft weniger zu» oder «trifft nicht zu» entfällt gegen ein Fünftel bis gegen ein Viertel der Antworten bei folgenden Aussagen: «Seebezug herstellen mit Ausrichtung der Grünzonen unter Berücksichtigung der Blickfelder zum See», «Das Ortsbild darf sich verändern – es darf diskutiert werden, was schützenswert ist» oder «Es darf auch Altes weichen». Daraus schliessen Planer und Behördenmitglieder: «Ein adäquater Umgang mit der bestehenden Bausubstanz und den Schutzobjekten ist entscheidend für die Wiedererkennbarkeit und die Eigenheit der Stadt. Dem Schutz der Objekte ist bei der Entwicklung der Stadt der nötige respektvolle Umgang zu zollen.»

Für Familien und Gewerbe

Auch die zusätzlichen Stellungnahmen enthalten keine Opposition zu den Hauptzielen, aber Anliegen für die Umsetzung des Konzepts. Der Stadtrat folgt der Empfehlung, unter anderen diese in die Endfassung aufzunehmen: «Neuen Wohnraum auch für Familien und zu erschwinglichen Mietpreisen schaffen» (SP). «Mit der Entwicklung des Zentrums genügend und gut zu erreichende Gewerberäume für Detailhandel und Dienstleister schaffen oder erhalten» und «Die Gewerbeflächen am südwestlichen Stadtrand zwingend stärken, das dortige Entwicklungsgebiet dem Gewerbe zuordnen» (Gewerbeverein). «Mit Aufwertung der Quartiere die Stadt familienfreundlicher machen» und «Möglichkeiten für Sport, Freizeit, Kultur und Jugend einbeziehen» (Verein Rorschach plus). Nur ein langfristiges Ziel wird «barrierefreier Zugang auch zum See» (Rorschach plus) – wie zum Stadtzentrum mit Strassenunterführungen an der oberen Bahnlinie. Am Bau eines Autobahnanschlusses hält der Stadtrat fest (entgegen der SP).

Weitere Entwicklungsgebiete

Zu Entwicklungsgebieten, in denen die Stadt angestrebte Veränderungen nach Bedarf auch durch Kauf und Wiederverkauf von Liegenschaften fördert, werden aufgrund der Vernehmlassung zwei weitere Bereiche: südlich der Wachsbleichestrasse und Dreieck St. Galler-/Industrie-/Thurgauerstrasse. Nicht aufgenommen werden die Freiflächen bei Spital und Hochschulgebäude Stella Maris. Sie bleiben Reserve für einen allfälligen Ausbau dieser Institutionen.

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