Die Stadt ist wild

Am Ökomarkt wird morgen die Aktion «Wildtiere in der Stadt» präsentiert. Mit dem Programm soll das Vorkommen von Wildtierarten ermittelt werden. Mit Hilfe von Handys.

Elisabeth Reisp
Drucken
Teilen
In St. Gallen kommen Gemsen auch in der freien Natur vor und nicht nur im Wildpark. (Bild: Ralph Ribi)

In St. Gallen kommen Gemsen auch in der freien Natur vor und nicht nur im Wildpark. (Bild: Ralph Ribi)

Die Aktion setzt auf Beobachter und deren selbstverständlichen Umgang mit digitalen Technologien – also auf Smartphones. Wer ein wildes Tier sieht, soll dieses fotografieren und das Bild auf der Webseite www.stadtwild tiere.ch veröffentlichen. So erhalten die Trägerschaften und teilnehmenden Umweltvereine eine Datensammlung, wo welches Wildtier in welcher Häufigkeit vorkommt. Die Idee ist interessant, aber noch nicht ganz ausgereift: Theoretisch könnten auch die ausgebüxten Lamas aus dem Circus Knie auf der Webseite aufgeschaltet werden.

Mit Unterstützung der Stadt

Das Projekt stammt aus Zürich. Der Verein Stadttiere hat es entwickelt und in Zürich erfolgreich gestartet. St. Gallen ist nun die zweite Stadt, in der das Projekt lanciert wird. Unterstützung erfährt es hier unter anderem von der Stadt. Weitere Trägerschaften sind Pro Natura und der WWF. Die grosse Abwesende in dieser Aufzählung ist der Naturschutzverein Stadt St. Gallen und Umgebung. Martin Zimmermann, Geschäftsführer WWF Ostschweiz, bedauert dies: «Im Moment hat der Naturschutzverein keine Kapazitäten, um dieses Projekt zu unterstützen. Es ist aber durchaus möglich, dass der Verein später doch noch einsteigen wird.»

Fast wie Facebook

Ziel des Projekts ist es, eine Art Tieratlas für die Stadt zu erstellen und so mehr über die urbanen Wildtiere zu erfahren. «Für Mauer- und Alpensegler gibt es das bereits», sagt Zimmermann. Ebenso seien die Stadtfüchse gezählt worden. Nun soll das ganze Tierreich berücksichtigt werden. Dies wird nur erfolgreich, wenn die Bevölkerung mitmacht. «Bereits jetzt fotografieren die Leute wilde Tiere und stellen die Bilder auf Facebook.» Der Schritt, diese Bilder auch auf www.stadtwild tiere.ch zu veröffentlichen, sei ein kleiner, der Nutzen aber wäre gross.

Im ersten Jahr sollen alle Tiere «gesammelt» werden. Für nächstes Jahr planen die Trägerschaften, sich aber auf fünf Tiere zu konzentrieren: auf Reh, Dachs, Fuchs, Eichhörnchen und Igel. Mit Werbung und Veranstaltungen wollen sie die Nutzer für diese Tiere sensibilisieren. Im übernächsten Jahr sollen wieder andere Tiere in den Fokus rücken.

Gemsen nicht nur im Wildpark

In St. Gallen herrscht eine überraschende Vielfalt an Wildtieren. «Auf Stadtboden leben sogar wilde Gemsen», weiss Zimmermann. Sie leben in den Felswänden im Sittertobel und im Schaugentobel.

Da viele wilde Tiere nachts oder in der Dämmerung aktiv sind, wird es einige Zeit dauern, bis die Sammlung eine gewisse Grösse haben wird. Um den Nutzern die Zuordnung eines Tieres zu erleichtern, sind auf der Webseite die häufigsten Wildtierarten aufgeführt.

Denkbar ist, dass auch Hauskatzen oder Elefanten auf der Webseite gemeldet werden. Denn das Projekt ist sehr niederschwellig. «Der ausführende Verein Stadtwildtiere kontrolliert aber regelmässig», sagt Zimmermann.

Mehr Kür als Pflicht

Zimmermann kann seine Begeisterung für das Projekt nur schwer verbergen. «Es macht uns grosse Freude: Es ist wieder einmal Kür nach viel Pflicht.»

Morgen Donnerstag wird das Projekt am Ökomarkt beim Vadiandenkmal (siehe Text unten) der Öffentlichkeit vorgestellt. Gemeinsam betreiben die Trägerschaften einen Stand. Stadtrat Peter Jans wird ebenfalls anwesend sein.

Martin Zimmermann Geschäftsführer WWF Ostschweiz (Bild: Ralph Ribi)

Martin Zimmermann Geschäftsführer WWF Ostschweiz (Bild: Ralph Ribi)

Aktuelle Nachrichten