«Die Stadt braucht die Region»

Vor Gemeindefusionen soll die Zusammenarbeit, etwa bei Feuerwehr, Spitex oder Autobahnanschluss, gesucht werden. Die IG Stadt am See will den Prozess beschleunigen. St. Gallens Stapi Thomas Scheitlin fordert einen gemeinsamen Auftritt.

Rudolf Käser
Merken
Drucken
Teilen

REGION RORSCHACH. Die IG Stadt am See lud Thomas Scheitlin, Stadtpräsident von St. Gallen und Präsident der Vereinigung der Gemeinden der Region Appenzell AR–St. Gallen–Bodensee, ein. Scheitlin wählte bewusst den provokanten Titel «Grossstadt am See». Er sagte, die Stadt St. Gallen könne ohne die Region nicht sein, was sie sein müsste. Dabei mass er der Region Rorschach, Rorschacherberg, Goldach eine wichtige Stellung bei.

Grenzen verändern sich

In der Region, die Scheitlin in der Vereinigung präsidiert, leben rund 250 000 Menschen. Er plädierte für eine Einheit. «Vereint sind wir als funktionierende Region, in der Arbeit, Wohnen und Freizeit eine Rolle spielen, viel grösser.» Scheitlin forderte, dass die Region einen gemeinsamen Auftritt haben müsse, um auch ausserhalb wahrgenommen zu werden. Wichtig sei die Vernetzung der Region.

Dass die Finanzströme aber nicht stimmen, betonte Scheitlin ebenso wie Redner nach der Podiumsdiskussion. Scheitlin fügte an, dass sich Grenzen national wie auch regional verändern werden, verändern müssen. «Gewisse Gemeinden können Funktionärsleute kaum mehr rekrutieren.»

Vision Kanton Ostschweiz

Er unterstrich, dass die Region Portfolios haben müsse, um Unternehmen perfekte Standorte anbieten zu können. «Zum Beispiel im Raum Rorschach oder Raum St. Gallen müsse man das weiter entwickeln.

Der St. Galler Stadtpräsident äusserte die Vision, dass vielleicht die Region, welche er präsidiert, dereinst die Hauptstadt eines Kantons Ostschweiz sein könnte.

Dies sieht Stefan Schneider, Präsident IG Stadt am See, ähnlich. «Aber die Phase der engeren Zusammenarbeit, die Scheitlin erwähnte, möchten wir in absehbarer Zeit und nicht erst in etwa 20 Jahren realisieren.»

Beim Podium unter der Leitung von Christian Hacker unterstrich Scheitlin, dass die lokale Verwurzelung auch bei Zusammenschlüssen wichtig sei. Die Identität sei sehr lokal ausgerichtet. «Es wird immer den Bergler, Rorschacher oder Goldacher geben», sagte Goldachs Gemeindepräsident Thomas Würth. Der See verbinde uns, unabhängig, ob man vom Berg, von Goldach oder Rorschach komme, ergänzte der Rorschacher Stadtrat Ronnie Ambauen.

Herz und Geld vor Fusion

Die Podiumsteilnehmer unterstrichen die ungebrochene Bedeutung der Quartiere. «Es braucht weiterhin einen Saal in Mörschwil», führte Thomas Scheitlin als Beispiel an. «Aber wir müssen den Wirtschaftsstandort fördern und dafür auch Flächen in der Region zur Verfügung stellen können.» Nach den gescheiterten Fusionen habe man in Goldach zur Kenntnis nehmen müssen: «Wenn man von Fusion spricht, dann stehen zwei Themen im Vordergrund: Das Herz und das Geld.» Man habe festgestellt, dass der Steuerfuss offensichtlich eine heilige Kuh sei.

Ambauen erwähnte, dass in Rorschach die Steuerschere abgebaut werden müsse. Dabei stelle sich die Frage, wie weit man in der Folge Leistungen abbauen möchte.

Feuerwehr zusammenführen

«Wir müssen jetzt Schritt für Schritt angehen, Projekte so aufgleisen, dass wir die Zusammenarbeiten bei einem späteren Zusammenschluss nicht mehr ändern müssen», sagte Würth.

Er nannte als Beispiel eine Arbeitsgruppe, welche die Feuerwehren von Goldach, Rorschach und Rorschacherberg zusammenführen soll. Ambauen meinte, dass man sich bei solchen Vorstellungen auf Zeithorizonte einigen müsste, um den Leuten zu sagen, wo geht was bis wann weiter.