Die Spitex braucht Nähe, nicht mehr Bürokratie

«Leserbrief: Die städtische Spitex aufräumen: Wozu?», Ausgabe vom 7. November

Franz Breitenmoser
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Der Leserbrief von Dompfarrer Beat Grögli hat uns angesprochen und ermuntert uns, uns zum Vorhaben des Stadtrates, eine einheitliche städtische Spitex-Organisation zu schaffen, ebenfalls zu äussern. Wir durften die hochprofessionelle Tätigkeit sowie den homogenen, empathischen und unbürokratischen Umgang einer heute bestehenden Spitex-Organisation in unserer Stadt während mehr als drei Jahren eindrücklich und nachhaltig erfahren. Wir haben anderseits Kenntnis, auch aus eigener Erfahrung, vom Betrieb einer Grossorganisation in einer ziemlich grossen Schweizer Stadt, bei der die von Pfarrer Grögli beschriebenen Nachteile (lange Wege, unpersönlich, bürokratisch) leider offenkundig sind. Die Grösse wird heute in vielen Bereichen als Allheilmittel erachtet. Sie kann aufgrund spezieller Faktoren unter Umständen unumgänglich sein, ist aber meistens mit der Zerstörung von kleinen Zellen verbunden. Diese kleinen Zellen sind umso wichtiger, je mehr der Mensch im Mittelpunkt steht, da mit Grösse in der Regel mehr Bürokratie und Entmenschlichung verbunden ist. Die spitalexterne Krankenpflege ist ein Paradebeispiel, bei welchem kurze Wege, persönlicher Kontakt und unbürokratische Handlungsweise unabdingbar sind. Die jetzt in der Stadt bestehenden Spitex-Organisationen erfüllen die an sie gestellten Anforderungen in hohem Masse – mit viel Fachwissen, Empathie und grossem Engagement. Es gibt unseres Erachtens keinen Grund, eine Einheitsorganisation zu schaffen, bei welcher zudem ein grosses Mass an Freiwilligenarbeit vernichtet wird.

Franz Breitenmoser

Gerhaldenstrasse 34, 9008 St. Gallen