Die spirituelle Reise eines Teddybären

Er ist durch die halbe Welt gereist, hat hohe spirituelle Führer, buddhistische Mönche, Schulen, Dörfer, Klöster, Gemeinschaften und Familien besucht und dabei viel Freude bereitet. Buddha Bear lautet der Name dieses flauschigen Kosmopoliten.

Kathrin Reimann
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Bhudda Bear bei einer Audienz beim Dalai Lama. (Bilder: pd/Veit Rausch)

Bhudda Bear bei einer Audienz beim Dalai Lama. (Bilder: pd/Veit Rausch)

Er ist durch die halbe Welt gereist, hat hohe spirituelle Führer, buddhistische Mönche, Schulen, Dörfer, Klöster, Gemeinschaften und Familien besucht und dabei viel Freude bereitet. Buddha Bear lautet der Name dieses flauschigen Kosmopoliten.

Veit Rausch Bildhauer, Architekt und Designer aus St. Gallen (Bild: Hanspeter Schiess)

Veit Rausch Bildhauer, Architekt und Designer aus St. Gallen (Bild: Hanspeter Schiess)

Ein Bär mit Werten und Haltung

Der Teddybär aus der traditionsreichen Spielzeugmanufaktur Steiff hat seinen Ursprung in St.Gallen. Bildhauer und Architekt Veit Rausch hat den Bären mit den sanften Mandelaugen und dem vorbildlichen Lebensstil entworfen. «Ich wollte einen Bären erschaffen, der einen weiterbringt im Leben. Nicht einen, bei dem man sich im Bett nur ausheult», sagt Rausch. So verkörpert der Bär Tugenden wie Bescheidenheit, Offenheit und Freundlichkeit. Er steht für Mitgefühl, Weisheit, Humor, positives Denken und einen gesunden Menschenverstand.

Doch nicht nur den Menschen wollte Rausch mit seinem Buddha Bear etwas Gutes tun, auch die Firma Steiff wollte er mit dem Bären unterstützen. «Die Arbeit dieser Firma ist wundervoll, ich habe Steiff lieb gewonnen und wollte das Unternehmen mit einem Longseller unterstützen.» Der St.Galler hatte nach einigen Analysen nämlich festgestellt, dass es Zeit wäre, eine neue Bärengeneration zu erschaffen.

Der Buddha Bear zu Gast in einem Kloster in Dehradum. (Bild: pd)

Der Buddha Bear zu Gast in einem Kloster in Dehradum. (Bild: pd)

Da in den 1990er-Jahren Buddhismus und Wellness als Gegentrend zum «leeren Menschen in der Industrie» und der Umgang mit dem eigenen Leben immer wichtiger wurden, ist für Rausch schnell klar, dass seine Teddykreation auf dem Buddhismus aufbaut. «Nur war ich auf diesem Gebiet absolut kein Fachmann.» Über Architekturaufträge und Projekte in Paris gelangt er an den «bestvernetzten Buddhisten der Welt», an Alain Delaporte-Digard. Dieser ist angetan, vom sanften Bärenprototypen. «Er sagte, dieser Bär habe sein Leben verändert», sagt Rausch.

Delaporte-Digard dokumentiert die ganze Reise auf seinem Onlinesender «Buddhachannel.tv» und schickt ihn vor sieben Jahren mit seiner Tochter auf Reisen. Im Rucksack der jungen Frau reist Buddha Bear in Richtung Indien. Er gelangt mit Flugzeug, Auto, Rikscha, Roller, Esel, Zug, per Autostop und immer anderen Reisenden über Deutschland nach Frankreich, durch den Himalaja, nach China, Japan und Taiwan. Dank internationalen Buddha-Liebhabern gelangt das Plüschtier ausserdem in verschiedene Länder Afrikas und Südamerikas und macht eine Tour durch die grossen buddhistischen Zentren Zentralamerikas.

Bei einem Yogi am Ganges. (Bild: pd)

Bei einem Yogi am Ganges. (Bild: pd)

Während dieser bis heute dauernden Reise – auch wenn Veit Rausch den momentanen Aufenthaltsort seines Bären nicht genau kennt – trifft dieser wieder und wieder auf bedeutende spirituelle Führer. «Er hat die 18 wichtigsten Lamas der Welt getroffen, wurde von ihnen empfangen, gesegnet, mit in ihre Tempel genommen oder auf ihren Thron gesetzt.» Rausch ist zwar bei der Reise nie dabei, er erhält aber immer wieder Bilder und Berichte darüber, was sein Bär so alles erlebt.

Die Reise des Buddha-Bärs

«Ich werde immer wieder darauf angesprochen, denn es gibt Menschen, die würden dafür sterben, diese Lamas zu treffen.» Unter diesen Lamas sind auch ausserhalb der Religionsgemeinschaften sehr bekannte Persönlichkeiten, wie der Dalai Lama oder Thich Nhat Hanh. «Für mich sind die Erlebnisse des Bären auch so sehr berührend», sagt Rausch. Während er Bilder zeigt, wie der Bär mit jungen Mönchen meditiert, in Schulklassen sitzt, auf Tiere oder Neugeborene trifft oder mit in Shaolin-Klöster genommen wird, die noch kein Normalsterblicher je von innen gesehen hat. «Für mich ist es unwichtig, auf der Reise dabei zu sein. Es ist die Reise des Buddha Bear. Er ist wie ein <Vehikel>, das manchmal mehr bewegen kann als ein Mensch.» Das langjährige Abenteuer seines Schützlings erinnert den Designer an die Geschichte des kleinen Prinzen von Antoine de Saint-Exupéry.

Bärenserie mit Stickereibezug

Doch der Buddha Bear ist nicht die erste Bärenkreation, die Veit Rausch – der auch schon für David Lynch Möbel designte – erschaffen hat. Im Jahr 2003 lanciert der Kanton die Wanderausstellung «Textiles St.Gallen», die rund um die Welt die Textilregion St. Gallen bekanntmachen sollte. «In diesem Rahmen entwickelte ich eine Reihe von passenden Steiff-Bären als Merchandise-Artikel», sagt Rausch. Zum Beispiel der erste Bär, mit von Urs Hochuli entworfenen Stickereiblümchen und von Bernhard Hollenstein bestickten Bär-«Flowers». Ein edles, regionales Produkt, mit Wattwiler Holzwolle gefüllt und einem Büchlein, das in Englisch und Deutsch die Herstellung und deren Tradition aufzeigt.

In Dharamsala. (Bild: pd)

In Dharamsala. (Bild: pd)

Doch die Verantwortlichen zeigen kein Interesse am hochwertigen Give-away, welches beispielsweise nun bei Hillary Clinton auf dem Sofa sitzen könnte. Veit Rausch entwirft für Steiff weitere Bären – auch ohne das Interesse des Kantons. Es folgt in Zusammenarbeit mit Jakob Schläpfer ein «Couture»-Bär, der «nicht nur kulturell eine sehr schöne Arbeit wird». Weitere Bären, die die regionalen Stoffe und Handwerke repräsentieren, folgen. So wird mit Schöller Textil oder der Bischoff Textil AG kooperiert. Die streng limitierten Bären sind allesamt vergriffen.

Auch von Buddha Bear gibt es erst eine limitierte Stückzahl. «Die erste Produktion wurde auf 2002 beschränkt», sagt Rausch. Und auch wenn der Bär noch nicht vermarktet wurde, ist er dennoch auf einer wichtigen Reise und taucht täglich von neuem in eine Kultur ein, in der Teddybären eigentlich gar nicht existieren.

In Südindien.

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In der Mongolei.

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Bei Sakya Trizin.

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Als Schutzengel.

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