Die Spendenbetrüger gehen um

ST.GALLEN. In der Stadt St.Gallen sind Betrüger aktiv, die Geld sammeln - angeblich für taubstumme Kinder. Die Polizei warnt davor, den Unbekannten Geld zu geben.

Daniel Walt
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Die Spendensammler lauern auf der Strasse, in Läden - oder klingeln sogar an der Haustür. (Bild: Reto Martin)

Die Spendensammler lauern auf der Strasse, in Läden - oder klingeln sogar an der Haustür. (Bild: Reto Martin)

Das Formular trägt ein Schweizer Wappen. Es erweckt den Eindruck, hier sei eine Unterschriftensammlung im Gang, und zwar zugunsten eines "Zentrums für taubstumme und arme Kinder", wie auf dem Zettel steht. Hat jemand unterschrieben, zieht der Mann, der das Formular hingestreckt hat, den Finger weg – "40 Franken" steht darunter zu lesen. Wer danach wegläuft, ohne den Betrag zu zahlen, muss damit rechnen, dass der Unbekannte verächtlich auf den Boden spuckt.

Szenen wie diese haben sich dieser Tage bei der Otto's-Liegenschaft an der Fürstenlandstrasse in St.Gallen abgespielt. Sogar im Laden warben zwei 30- bis 35-jährige Männer um Spenden für die angeblich taubstummen Kinder.

Die Mitleidsmasche
Dionys Widmer, Sprecher der St.Galler Stadtpolizei, bestätigt, dass in letzter Zeit vermehrt Hinweise zu Personen eingegangen sind, die angeblich Geld sammeln. "Sie sind in der ganzen Stadt unterwegs. Meistens geben sie vor, für taubstumme Kinder beziehungsweise ein Heim zu sammeln", sagt Widmer. Die Unbekannten tun zudem meistens so, als ob sie selbst nicht sprechen beziehungsweise hören können. Auch dies ist kein neues Phänomen für die St.Galler Stadtpolizei: Dionys Widmer erklärt, es sei vor einiger Zeit vorgekommen, dass sich jemand in einen Rollstuhl gesetzt habe, um Mitleid zu erheischen. Bei einer Kontrolle habe die Polizei dann aber festgestellt, dass der Mann sehr wohl laufen könne.

Ohne Erlaubnis
In letzter Zeit sei es immer wieder vorgekommen, dass die Unbekannten auch an Haustüren geklingelt hätten, sagt Dionys Widmer weiter. Das habe einige Menschen verängstigt. "Üblicherweise passieren die angeblichen Spendensammlungen aber eher auf der Strasse. In Geschäften kommt das weniger vor, weil die Inhaber ein Auge darauf haben", erklärt er. Gertrud Felber, Assistentin Marketing bei Otto's AG, hält ihrerseits fest, das Unternehmen goutiere es nicht, wenn in seinen Filialen um Spenden geworden werde. "Hätten die Unbekannten das Personal um eine Genehmigung gefragt, wäre sie ihnen nicht erteilt worden", sagt sie.

Busse von 40 Franken
Dionys Widmer rät Menschen, die mit den angeblichen Spendensammlern in Kontakt kommen, ihnen kein Geld zu geben und möglichst rasch die Stadtpolizei zu kontaktieren. "Für uns ist es nicht immer einfach, sie zu erwischen. Die Unbekannten verschieben sich rasch an einen anderen Standort, wenn sie einige Male Erfolg hatten", so Widmer. Die Betrüger stammen gemäss Widmer oftmals aus Rumänien. Erwischt die Stadtpolizei jemanden, büsst sie ihn mit 40 Franken beziehungsweise ordnet eine Wegweisung an. "Wird die entsprechende Person wieder erwischt, gibt es eine Anzeige."