«Die Sozialdemokraten müssen lauter werden»

Claudia Friedl gibt nach acht Jahren das Präsidium der SP-Kantonalpartei ab. Die Geschäftsleitung der Sozialdemokraten schlägt als Nachfolgerin Monika Simmler vor. Bis Frühling präsidierte die 22-Jährige die Juso des Kantons St. Gallen.

Jeanette Herzog
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Monika Simmler (Bild: Coralie Wenger)

Monika Simmler (Bild: Coralie Wenger)

ST. GALLEN. Post-its auf Wahlplakaten anderer Parteien. Post-its in Bussen und am Bahnhof St. Gallen als Werbung für die Gratis-öV-Initiative. Nein-Parolen gegen die neue Parkgarage Schibenertor, geschrieben mit Kreide auf den Boden des St. Galler Marktplatzes. Die Jungsozialisten des Kantons St. Gallen haben unter der Leitung von Monika Simmler mit ihren Aktionen immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Und für Ärger. Nach der Post-it-Aktion auf Wahlplakaten drohte die FDP gar, Simmler zu verklagen. «Das war nur eine politische Drohung», sagt sie. Strafrechtlich sei das nicht relevant gewesen. Die Jus-Studentin muss es wissen.

Auf die Strasse und in die Beizen

«Die Juso ticken anders – dynamischer, schneller, radikaler», sagt Simmler. «Die SP ist eine staatstragende Partei und geniesst keine Narrenfreiheit.» Der Rollenwechsel von der aufmüpfigen zur gesetzten Politikerin ergebe sich mit dem Umfeld. Vier Jahre war die Stadtsanktgallerin Co-Präsidentin der Juso des Kantons St. Gallen, im Mai gab sie den Rücktritt. Seit fünf Jahren sitzt sie zudem in der Geschäftsleitung der SP-Kantonalpartei. Die Dynamik der Juso möchte sie nun in die SP einbringen. «Die Partei muss lauter werden.» Nicht nur einen Vorstoss einreichen, sondern eine Initiative lancieren. Die Parteimitglieder müssten auf die Strasse, in die Beizen, zu den Leuten. «Wir werden aber nie aus Selbstzweck Aktionen machen. Es kommt auf den Inhalt an.»

Die SP habe jüngst bewiesen, dass sie mobilisieren könne. Simmler wünscht sich für die Partei, dass sie ihren Bewegungscharakter zurückerhält. Sie selber möchte dieser Bewegung als Präsidentin vorangehen. Möchte Freude und Optimismus ausstrahlen. Möchte Grundsatzdiskussionen anregen. «Die Politik muss bei der Wirtschaft mitreden. Sie soll den Leuten dienen, denn der Mensch ist wichtiger als der Markt», sagt sie bestimmt und erregt die Aufmerksamkeit der anderen Gäste in der «Walhalla». Das stört sie nicht weiter. «Ich sage, was ich denke.» Sie zuckt mit den Schultern. «Die Leute können das gut oder schlecht finden, aber sie wissen, woran sie sind.» Hin und wieder ecke sie damit an, die meis- ten Leute schätzten dies aber.

Friedl: «Traue ihr viel zu»

Wählen die SP-Delegierten sie am kommenden Mittwoch zu ihrer neuen Präsidentin, wäre dies Simmlers bisher grösster politischer Erfolg. Bei den Nationalrats- und den Kantonsratswahlen hatte es nicht für einen Sitz gereicht. Ihre Kandidatur für das Stadtparlament – in dem ihre Mutter Doris Königer die SP vertritt – hingegen ist aussichtsreich.

Es brauche frischen Wind, sagt die abtretende Präsidentin Claudia Friedl. Mit ihrer designierten Nachfolgerin sei sie zufrieden. «Monika ist eine junge, engagierte Person, der ich viel zutraue.»

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