Die schwierige Suche nach der Ehefrau

Leise ist es in der Kunsthalle an diesem Mittwochabend. Nur die Schilderungen von Eva Eberwein in ihrem Vortrag über Maria «Mia» Hesse, die erste Frau des gleichnamigen Schriftstellers, durchbrechen die Stille.

Alessia Pagani
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Eva Eberwein schreibt unter anderem Bücher über Mia Hesse. (Bild: Alessia Pagani)

Eva Eberwein schreibt unter anderem Bücher über Mia Hesse. (Bild: Alessia Pagani)

Leise ist es in der Kunsthalle an diesem Mittwochabend. Nur die Schilderungen von Eva Eberwein in ihrem Vortrag über Maria «Mia» Hesse, die erste Frau des gleichnamigen Schriftstellers, durchbrechen die Stille. Mal leise mitfühlend, mal laut dem Ärger Luft machend, vermag die Deutsche ihre Zuhörer zu fesseln. Sie ist zweite Vorsitzende des Fördervereins des Hermann-Hesse-Hauses in Gaienhofen und zugleich Eigentümerin des Gebäudes. Sie hat das Haus saniert und 2012 einen regionalen Anerkennungspreis gewonnen.

Hesse-Haus – ein Spontankauf

Schon als Kind war sie häufig in Gaienhofen bei ihren Tanten zu Besuch. Als sie vom drohenden Abriss des ehemaligen Wohnhauses der Hesses erfuhr, wollte sie handeln. Nur zwei Wochen später, im Dezember 2003, erwarb sie das geschichtsträchtige Haus. Seither widmet sie sich mit Herzblut dem Familienleben der Hesses. Sie sucht alte Einrichtungsgegenstände, Briefe und Gebrauchsgüter, recherchiert und konzipiert, schreibt Bücher und führt Interessierte durchs Haus – ein Ganztags-Job. Wer denkt, dass ihr Augenmerk vor allem auf dem Schriftsteller Hermann liegt, der irrt. Vielmehr hat sie sich zur Aufgabe gemacht, Mia Hesse, die von 1868–1963 lebte, ins Licht zu rücken. «Ich war es satt, immer nur zu hören: Hermann hier, Hesse dort.»

«Jetzt erst recht»

Nach dem Erwerb der Liegenschaft wurde Eberwein auf dem alten Hausplan auf das «Zimmer der Frau» aufmerksam. Ihre Neugierde war geweckt. Egal wo sie sich über das Leben Mia Hesses erkundigte, ihre Anfragen wurden immer lapidar abgetan. Je schwieriger sich die Suche nach Informationen gestaltete, desto interessanter wurde die Frau für Eberwein; je mehr Widerstand ihr entgegengebracht wurde, umso mehr reizte sie das Thema. «Ich dachte mir: Jetzt erst recht.» Am Leben von aussergewöhnlichen Frauen war sie schon immer interessiert, und während ihres Studiums arbeitete sie in einem Frauenhaus. «Das hat mich zusätzlich motiviert, Mia in den Vordergrund zu stellen.» Der Vortrag in St. Gallen, der erste in der Schweiz über Mia Hesse, war für sie denn auch sehr wichtig.

Die Hesses als Lebensthema

Nach dem Biologiestudium und der Tätigkeit in der pharmazeutischen Industrie hat sie mit dem Hesse-Haus ihr «Lebensthema» gefunden. «Es ist schön, weil ich jetzt etwas machen kann, was ich schon immer machen wollte.»

Ausstellung mit Mia Hesses Fotografien bis 25.3.: Mi–Fr, 13.00–18.00, Sa, 13.00–16.00, Frauenbibliothek Wyborada