Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Die Schulsaniererin

Vor zwei Jahren stand die St. Galler Rudolf-Steiner-Schule vor dem Aus. Die Privatschule zählte noch 68 Schüler. Troubleshooterin Elisabeth Anderegg hat das Steuer herumgerissen und die Schülerzahl kurzerhand mehr als verdoppelt.
Odilia Hiller
Kreativität und kognitives Wissen der Schüler möchte die Steiner-Schule gleichermassen fördern. (Bilder: Coralie Wenger)

Kreativität und kognitives Wissen der Schüler möchte die Steiner-Schule gleichermassen fördern. (Bilder: Coralie Wenger)

Eigentlich wollte sie nicht noch eine Schule sanieren. Doch dann sagte jemand zu Elisabeth Anderegg: «Du kannst doch nicht im ganzen Land für serbelnde Schulen den Karren aus dem Dreck ziehen, aber nicht in deiner eigenen Stadt.» Das war vor zwei Jahren. Die Schulleiterin und ehemalige Präsidentin der Frauenzentrale des Kantons St. Gallen hatte gerade während fünf Jahren die Rudolf-Steiner-Schule an der Zürcher Plattenstrasse auf Vordermann gebracht.

Prüfungsfrei in die Kanti

Nun macht sie das Gleiche in St. Gallen: Im neuen Schuljahr werden 150 Kinder und Jugendliche die hiesige Rudolf-Steiner-Schule besuchen, die gemäss Waldorfpädagogik und Anthroposophie kognitives Wissen und kreativ-künstlerische Fähigkeiten gleichermassen fördern möchte. Vor zwei Jahren waren es noch 68 Schülerinnen und Schüler gewesen. Nun eröffnet die Privatschule gar einen zweiten Kindergarten. Elisabeth Anderegg führt gemäss eigenen Angaben zurzeit zwei bis vier Aufnahmegespräche pro Tag mit interessierten Eltern.

Neu können Schüler der Steiner-Schule, die Stufen vom Kindergarten bis zur 12. Klasse führt, prüfungsfrei an die Kantonsschule am Burggraben übertreten. «Absolventen unserer Schule sind sozial, sehr selbständig und kreativ – und deshalb gern gesehen an den staatlichen Mittelschulen», sagt die 65-Jährige, die sich als «Wirbelwind» bezeichnet.

Schule ohne rechte Winkel

«Wir haben die schönste Schule der ganzen Schweiz.» Sie zeigt nach draussen, auf den malerischen Park des Riederenhofs am östlichsten Rand der Stadt. Dorthin war die im Jahr 1971 gegründete Rudolf-Steiner-Schule im Jahr 1993 gezogen – in einen nach allen Regeln der anthroposophischen Kunst erbauten fünfeckigen Neubau, der keinen rechten Winkel aufweist, welcher gemäss anthroposophischer Überzeugung die Kreativität der Steiner-Schüler behindern könnte. Die Erstellung des Baus aus eigener finanzieller – und teilweise auch physischer – Kraft habe der damaligen Eltern- und Lehrergeneration alles abgefordert. «Danach ging es der Steiner-Schule noch einige Jahre gut, aber die Kräfte waren aufgebraucht», sagt Elisabeth Anderegg. So habe sie nach ihrem Eintreffen vor allem bei Organisation und Führungsstruktur den Hebel angesetzt und Aufgaben wie Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungskultur neu definiert. Das Team wurde «auf natürliche Weise erneuert». Heute verfügen alle Steinerschullehrer über ein staatliches Lehrdiplom, was nicht immer so war.

Frei nach Remo Largo

Der Zeitgeist tut das seinige: Entwicklungs- und Gehirnforscher wie Remo Largo oder Manfred Spitzer fordern seit Jahren, dass sich jedes Kind in seinem eigenen Tempo entwickeln sollte. «Genau, was die Waldorfpädagogik seit jeher umsetzt», gibt sich die Troubleshooterin selbstbewusst. Heute seien nur wenige der Eltern, die ihre Kinder aus der ganzen Ostschweiz in die St. Galler Steiner-Schule schicken, noch Anthroposophen. Dafür gebe es unter ihnen viele Ehemalige.

Elisabeth Anderegg (Bild: Coralie Wenger (Coralie Wenger))

Elisabeth Anderegg (Bild: Coralie Wenger (Coralie Wenger))

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.