Die schöpferische Spiellust am Klang

Hans Tschiritsch schwingt sich in den Sattel des Rades, das in der alten Saurerhalle im Zik steht. Es ist kein Fitnesscenter – ein hoher Raum, den Künstler in Beschlag genommen haben. Am Samstag wird die zweite Arbonale, das Klangkunstfestival, eröffnet.

Max Eichenberger
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Das Innere des Mammutbaums dient als Resonanzkörper. (Bild: Max Eichenberger)

Das Innere des Mammutbaums dient als Resonanzkörper. (Bild: Max Eichenberger)

Hans Tschiritsch schwingt sich in den Sattel des Rades, das in der alten Saurerhalle im Zik steht. Es ist kein Fitnesscenter – ein hoher Raum, den Künstler in Beschlag genommen haben. Am Samstag wird die zweite Arbonale, das Klangkunstfestival, eröffnet.

Treten auf dem Dröhnrad

Tschiritsch ist Wiener, einer der sechs Protagonisten, die Besucher in die ebenso vielfältige wie faszinierende Welt des Klangs eintauchen lassen. Der 61-Jährige macht kein Konditionstraining. Er fährt sein aufgebocktes Dröhnrad Probe, tritt in die Pedalen, verbrennt trotzdem wenige Kalorien. Sein Tritt bezweckt indes nicht, das Rad vorwärts, sondern die oben wie bei einem Heli an einer Stange montierten Rotoren in Schwung zu bringen. Tschiritsch trägt keinen Helm. Das Velo hebt nicht durch die Betondecke ab. Es dröhnt. Unten an den drei rotierenden Metallblättern gespannt sind Gummis. Sie machen Klang, die Trittfrequenz die Musik. Selbstversuche sind an der Arbonale erwünscht.

Der liegende Mammutbaum

Im ehemaligen Zik-Eventraum liegt die grösste Skulptur: ein in Segmente unterteilter und bei den jeweiligen Schnittflächen mit Fellen bespannter Mammutbaum. Oliver Lüttin aus Degersheim hat ihn zum Trommel-ähnlichen Klanginstrument geformt. An der Westfassade steht ein umfunktioniertes Klavier. Unterschiedlich grosse und stark gewölbte Metallblasen bilden beim Anschlag der Tasten den Resonanzkörper. Daneben steht eine Kugel, die aussieht wie ein sowjetischer Sputnik. Klangbilder erzeugen hier die aufgeschweissten Metallfelder unterschiedlicher Grösse.

Über Ohren und Körper

«Alle Dinge sind von Natur aus still, es sei denn, man berührt sie, fängt an, sie zu bewegen, schwingt sie durch die Luft, schlägt auf sie, reibt daran oder pustet sie an und so fort.» Diese Erkenntnis und die Freude daran, Dinge auf diese Art zum Klingen zu bringen, treibt Stefan Philippi an. Der 58-jährige gelernte Schreiner ist der Begründer der Arbonale – und in der alten Dreherei des Saurerwerks im Städtli, an der Schlossgasse 10, betreibt er seine Werkstatt am See. Erstmals öffnet er sie für die Besucher der Arbonale «Intermezzo», die vom 12. bis 27. September dauert.

Die Arbonale zeigt Werke von sechs Künstlern, die mit ganz unterschiedlichen Materialien arbeiten. Den Installationen ist gemein, dass sie, wenn sie angeschlagen oder bewegt werden, Klänge erzeugen. Einige sind nicht nur über die Ohren wahrnehmbar, sondern, entspannt auf den Klangstühlen sitzend, auch über die Haut als Klangrezeptor. Als verbindendes Element von der Werkstatt am See zum ZiK-Querbau gestalten Schüler der Stiftung Roth Haus Schönebüel Klangobjekte im Aussenbereich. Verteilt über Dauer der Ausstellung finden Konzerte statt. Dabei werden die ausgestellten Objekte bespielt. Unter der Woche werden Führungen angeboten; auch gibt es Workshops.

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