Die Schöpfer einer Kultfigur

Vreny und Hermann Unger haben Flitz den Frosch vor 27 Jahren für den Mannenweier entworfen. Nun ist die Skulptur bereits zum zweitenmal morsch. Die Künstler und Schöpfer zahlreicher Werke sind aber nicht mehr fähig, sie zu flicken.

Kathrin Reimann
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Vreny und Hermann Unger mit Flitz Nummer 1 im heimischen Garten in Trogen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Vreny und Hermann Unger mit Flitz Nummer 1 im heimischen Garten in Trogen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Er ist stadtbekannter Kletterturm, gut sichtbare Identifikationsfigur, Wahrzeichen auf dem Wasser und ein leider morsches, aber noch immer wunderschönes Kunstwerk: der Frosch auf der Schwimminsel im Mannenweier. Ein Einzelstück ist die Holzskulptur aber nicht. Tritt man durch das schmucke, geschichtsträchtige Appenzellerhaus von Vreny und Hermann Unger in Trogen, ist er das erste, was man sieht. Selbstbewusst und keck sitzt er da, auf seinen muskulösen Schenkeln. Flitz Nummer 1, wie ihn Hermann Unger liebevoll nennt, sass von 1988 bis 2002 hoch zu Floss auf Drei Weieren. «Über die Jahre war er innerlich verfault, und weil Kinder von seinem Kopf sprangen, brach dieser ein.»

Auf Flitz Nummer 1 folgt 2

Gemeinsam mit seiner Frau Vreny hat er den Frosch vor über 27 Jahren entworfen und ihn bei einem Wettbewerb des Hochbauamts eingereicht. Dieses hatte dazu aufgerufen, Wassermänner und Frösche einzuschicken. Ihr Vorschlag gewinnt, Unger schnitzt Flitz aus einem Stück Holz, und seine Frau bemalt ihn im Anschluss. «Wir lange wir daran gearbeitet haben, wissen wir nicht. Er ist einfach entstanden.» Der ganze Prozess bis zur Installation haben die Ungers in einem Album festgehalten. Und im Jahr 2002 wiederholt. Damals wurde der morsche Flitz 1 nach Trogen geholt und geflickt. Auf das Floss wurde Flitz Nummer 2 gesetzt, der heute noch dort ist – und den nun dasselbe Schicksal wie sein Vorgänger ereilt hat.

Freude am hiesigen Brauchtum

Im Haus der Ungers gibt es noch ganz andere Schätze zu entdecken. In klarer Arbeitsteilung – er schnitzend, sie malend – haben die beiden faszinierende Kunstwerke aus Holz gestaltet. Nebst allerlei Bildern, Tieren und Alphörnern – auf welchen sie beide spielen können – haben sie Modelle des appenzellischen Bauernalltags in Kleinstformat geschaffen. Etwa Alpaufzüge mit Bauern, Kühen und Geissen im Legoformat oder Silversterchläuse mit filigranen Tieren in Ameisengrösse auf ihren Hüten. Die Freude am figürlichen Gestalten entdeckte das Ehepaar, als es für die zwei Söhne eine Modelleisenbahn gestaltete. «Wir wollten auf keinen Fall etwas aus Plastik.» Dabei entdeckte Unger, ein gebürtiger Bayer, auch seine Freude am Appenzeller Brauchtum.

Für seine Präzisionsarbeiten verwendete der gelernte Elektromonteur fast ausschliesslich Linden, inspirieren liess sich das Ehepaar bei Spaziergängen durch die Natur. «Wir arbeiteten täglich bis spät an unseren Werken», sagt er. Früher habe man ohne das Internet und den Fernseher auch ganz andere Möglichkeiten gehabt. «Unter der Woche schnitzten und malten wir, und am Wochenende machten wir Musik, das war zwar sehr streng, aber auch sehr schön», ergänzt Vreny Unger.

Keine Haube für den Frosch

Das Paar, das sich vor 55 Jahren auf einer Eisbahn kennengelernt hat, stellte seine Arbeit in Heimatwerken in der ganzen Schweiz aus. «Pro Ausstellung haben wir auch immer ein Paar Bilder verkauft. Das hat mich aber jedesmal genervt», sagt Hermann Unger. Geld habe ihn nämlich nicht so interessiert. «Aber die ganze Arbeit, die wir da rein gesteckt haben…» Als vor kurzem der Tagblatt-Artikel über den morschen Frosch erschien, haben die heute 74- und 73-Jährigen viele Rückmeldungen bekommen. «Viele haben uns angesprochen.» Auch bei der Redaktion gingen Reaktionen ein. So schickte etwa die langjährige Ostschweiz-Redaktorin Rosmarie Früh das obenstehende Gedicht ihres ehemaligen Kollegen, dem verstorbenen Hermann Bauer, ein. Das Ehepaar Unger bat indes alle, die sie ansprachen, nicht zu verraten, dass sie die Frosch-Eltern sind. Aus Angst, man könnte nochmals einen von ihnen verlangen. «Das geht leider aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr.» Ausserdem hat Hermann Unger die Nachricht über den Schaden geschmerzt. «Ich habe das Hochbauamt informiert, dass der Frosch über Winter eine Haube braucht, um ihn zu schützen.»

Nun ist auch Flitz Nummer 2 kaputt, und möglicherweise geht somit die Frosch-Ära auf Drei Weieren nach 27 Jahren zu Ende. «Schade, wir hätten ihn gerne geflickt. Aber wir hätten auch gerne noch so viele andere Dinge gemacht. Der Kopf ist voller Ideen, aber das Leben ist zu kurz», sagt Vreny Unger.