Die Saison: Sitzstreik, Messerwurf, Choreoverbot

Die Fans des FC St. Gallen waren auch in der vergangenen Saison regelmässig im Mittelpunkt von Medien und Öffentlichkeit. Um die Geschehnisse in der vergangenen Saison besser einordnen zu können, ist zunächst ein Blick weiter zurück nötig.

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Die Fans des FC St. Gallen waren auch in der vergangenen Saison regelmässig im Mittelpunkt von Medien und Öffentlichkeit. Um die Geschehnisse in der vergangenen Saison besser einordnen zu können, ist zunächst ein Blick weiter zurück nötig. Vor zwei Jahren hatte das Verhältnis zwischen Fans, Club und öffentlicher Hand einen Tiefpunkt erreicht, dies wegen der Ausschreitungen nach dem Bellinzona-Spiel im Espenmoos, als der FCSG in die Challenge League abstieg.

Danach schien sich die Situation zu entspannen, als Michael Hüppi im Sommer 2008 beim FCSG das Amt des Präsidenten übernahm und Gesprächsbereitschaft mit den Fans zeigte. Ein Runder Tisch wurde einberufen, an dem Mitglieder des Fan-Dachverbands 1879, Polizei-, Stadion- und Clubvertreter teilnahmen.

Demo gegen Polizeikontrolle

Vergangene Saison nun haben sich die Fronten wieder etwas verhärtet.

Begonnen hat dies mit den verschärften Massnahmen gegen Hooligans, zum Beispiel der Einführung der Schnellgerichte im Sommer 2009. Im Oktober vor dem Spiel FCSG – FC Zürich machte die Polizei eine Kontrolle in einem Fanrestaurant im Westen der Stadt. Gemäss Polizei war es eine routinemässige Personenkontrolle, gemäss Fans ein unverhältnismässiger Grosseinsatz.

Die Folge der Aktion: Fans machten auf der Zürcher Strasse nach dem Spiel einen Sitzstreik, sorgten so für Verkehrschaos. Der DV 1879 schrieb am Folgetag ein Communiqué: «Generell werden momentan von Medien, Politik, Polizei und den Vereinen Fussballfans wie Verbrecher behandelt.»

Im November hinderten St. Galler Fans nach dem Auswärtsspiel in Aarau den Extrazug in Wil an der Weiterfahrt.

Rund 100 FCSG-Fans verliessen laut Polizei die Waggons und trafen sich zu Streitereien mit Wiler Fans. Auch im April dieses Jahres gab es beim Auswärtsspiel in Aarau Probleme: Es gab Ausschreitungen in der Innenstadt Aaraus, zudem brach im Extrazug, mit dem 700 FCSG-Anhänger nach Aarau gereist waren, nach der Ankunft im Bahnhof ein Feuer aus.

Dachverband stellt Regeln auf

Den schlechten Ruf, den die Fans bei einem grossen Teil der Öffentlichkeit haben, will der DV verbessern. Im Februar verteilte er im Espenblock einen Flyer mit Fanregeln. Damit wendet er sich gegen «aktives Suchen von Gewalt», gegen Rassismus und gegen das Werfen von Gegenständen. Auf geordnet abgebrannte Pyros will der Espenblock und der DV aber weiterhin nicht verzichten – obschon dem Club darob Geldstrafen drohen. «Pyros gehören zur Fankultur», ist der Grundtenor.

Im Halbfinal gegen Lausanne sorgten in der AFG Arena ein Sackmesserwurf und Pyro-Aktionen für Aufsehen. Hüppi verhängte darauf ein Choreoverbot im Stadion. Fackeln seien mit dem Choreographie-Material ins Stadion gebracht worden. Auf dieses Verbot wiederum reagierte ein Teil des Espenblocks mit einem Stimmungsboykott in der AFG Arena. Dieser Boykott hielt – wenn auch in etwas abgeschwächter Form – bis Ende Saison an. (rst)