Die Rückkehr des Trash-Königs

Am Freitag tauft Knöppel, die Band des St. Galler Kultmusikers Jack Stoiker, ihr lang erwartetes Album am Kulturfestival. Es erscheint im Spätsommer. Einige wenige Konzertbesucher können jedoch ein Exemplar ergattern.

David Gadze
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Jack Stoiker während des Auftritts am OpenAir St. Gallen vor zwei Jahren. (Bild: Luca Linder)

Jack Stoiker während des Auftritts am OpenAir St. Gallen vor zwei Jahren. (Bild: Luca Linder)

Lange Zeit war es angekündigt und von vielen sehnsüchtig erwartet worden, jetzt ist es endlich fertig: «Hey Wichsers», das neue Album von Knöppel, der Band um die St. Galler Kultfigur Jack Stoiker. Am Freitag findet am Kulturfestival die Plattentaufe statt. Allerdings: Zu kaufen geben wird es «Hey Wichsers» noch nicht. Das Album erscheint erst im Spätsommer oder im Herbst auf CD und Vinyl. Konzertbesucher können am Freitag jedoch eine von 30 Kassetten ergattern. Die Käufer werden per Verlosung ermittelt.

Ein Bob Dylan für Arme

«Hey Wichsers» ist Jack Stoiker pur: roh, handgebastelt, witzig und vulgär. Und dennoch: Der «Bob Dylan für Arme», wie sich der 44-Jährige einst selbst genannt hat, definiert sich darauf gewissermassen neu. Um beim Vergleich zu bleiben: Wie Dylan, der 1965 seinem bis dahin akustischen Folk elektrische Gitarren verpasste, dröhnt es auch bei Knöppel verzerrt und scheppernd aus den Boxen. Im Vergleich zu «Hällwach», Stoikers erster und bis heute einziger (und längst vergriffener) Platte, ist «Hey Wichsers» nicht nur lauter, sondern auch griffiger. Die 18 Lieder machen Spass, vor allem wenn man Stoikers überzeichnete Geschichten über «Gewalt und Fussball» mit einem Mindestmass an Humor hört.

Es sei «das Album, das ich schon immer machen wollte», sagt Stoiker, «ein richtiges Rock-Album». Man müsste eigentlich sagen: Ein Garage-Punk-Album. Zusammen mit seinen Mitmusikern, dem St. Galler Marc Jenny, der Stoiker schon seit Jahren begleitet, und dem Fribourger René Zosso, scheuert er einem mit schroffen Drei-Akkorde-Songs die Ohren wund.

Ikone der lokalen Musikszene

Mit windschiefem Gesang, schräger Musik und holprigen Reimen über Liebe, onanierende Teenager, Geschlechtskrankheiten und «Hoffnig, Fründschaft, Ehrlichkeit» avancierte Jack Stoiker Mitte der 1990er-Jahre zur Ikone der St. Galler Musikszene. Und mit «Hällwach», unter Mithilfe von Komiker Beat Schlatter und Regisseur Michael Steiner entstanden, krönte sich der selbsternannte «einzig wahre Meister der Mundartmusik und Gitarrenkunst» 1999 zum König der Trash-Poesie.

Nach der Veröffentlichung von «Hällwach» zog sich Stoiker jedoch aus der Musikszene zurück. Er liess sich in Fribourg nieder, wo er einst studierte und seit Mitte der 1990er-Jahre mit seiner Familie lebt. Erst 2009 begann er wieder aufzutreten, zuerst vereinzelt, dann immer öfter. Trotz – oder gerade wegen – seiner langen Abwesenheit blieb sein Status jedoch unangetastet. Seine ersten beiden Comeback-Konzerte in der Casa Bar in der Zürcher Innenstadt waren restlos ausverkauft, der Grossteil des Publikums bestand aus St. Gallern, die eigenes angereist waren. «Ich hatte selbst nicht damit gerechnet, dass sich so viele Leute für meine Musik interessieren. Das war der Moment, in dem ich gemerkt habe, dass ich vielleicht doch weitermachen sollte.»

Doppelter Jack am Freitag

In den vergangenen Jahren fand Stoiker auch immer wieder zurück in seine Heimatstadt: Unter anderem spielte er 2015 am St. Galler Fest in der Torpedo-Bar, gab ein Mini-Konzert auf dem Roten Platz und trat vor zwei Jahren am OpenAir St. Gallen auf. Mit Knöppel stellte er 2013 Songs aus «Hey Wichsers» in der Grabenhalle vor – damals im Vorprogramm von Tüchel.

Nun kommt es zum Wiedersehen. Diesmal spielen die St. Galler Ur-Punks als Vorgruppe von Knöppel. Fans von Jack Stoiker dürfen sich sogar doppelt freuen: Am Freitag gibt es ihn vor Tüchel mit seinem Solomaterial zu sehen. Und obwohl er sagt, er sei vor jedem Auftritt nervös, danach verlegen und habe auf der Bühne «huere viel z'tue», freut er sich auf das Konzert: «Für mich ist es das optimale Szenario. Ich kann auch mein altes Zeug spielen und damit das Publikum auf mein eigenes zweites Konzert einstimmen.»

Freitag, 20.30 Uhr, Historisches und Völkerkundemuseum (Innenhof)

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