Die Rollen klären im Schulalltag

Marlis Angehrn, neue Leiterin des Schulamts, strebt einen entwicklungspolitischen, pädagogischen und schulpolitischen Dialog an. Im Schulamt selber, mit den Schulleitungen, den Lehrpersonen und den Eltern.

Daniel Wirth
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Die Debatte im Stadtparlament zum Budget 2015 und in diesem Zusammenhang die Diskussion um die umstrittene Regelung der Stellvertretungen an den städtischen Schulen wirken nach. Der Stadtrat beantwortet eine Einfache Anfrage von SP-Stadtparlamentarierin und Lehrerin Alexandra Akeret (Kasten). Und die neue Leiterin des Schulamts, Marlis Angehrn, äussert sich im «Doppelpunkt» pointiert zur Rollenklärung im Schulalltag. Mit dem «Doppelpunkt» informiert das Schulamt sechsmal im Jahr seine Mitarbeitenden. Im jüngsten Blatt blickt Marlis Angehrn auf ihre ersten 100 Tage zurück; Anfang September hatte sie Christian Crottogini abgelöst.

Überrascht und irritiert

Als sie am Herbstforum des Schulamts im September gesagt hatte, ihrer Meinung nach sei das Schulamt weit weg von der Basis, wurde diese Aussage mit Applaus quittiert. Das habe sie überrascht und irritiert, sagte Angehrn dem «Doppelpunkt»: «Intuitiv spürte ich, dass da mehr dahinter steckte. Die Reaktion der Anwesenden hat mich zum Nachdenken angeregt.» So habe sie sich in den folgenden Wochen bewusst auf die wahrnehmbaren Formen der Beziehungspflege zwischen den Beteiligten verlegt. Im Raum stand für Angehrn dann bald einmal die Frage: Warum tun Lehrpersonen ihren Unmut über Schulreformen in Leserbriefen kund? Weshalb werden geplante Veränderungen zuvor nicht intern und unter Einhaltung der Dienstwege diskutiert? Im Schulwesen der Stadt gibt es wie in anderen Organisationen Hierarchien und Menschen, die verschiedene Rollen einnehmen. An den städtischen Schulen werden diese Rollen aus Sicht von Marlis Angehrn relativ frei und situativ interpretiert. Dadurch entstünden Irritationen. Angehrn gewann zunehmend den Eindruck, es werde über die Köpfe der Lehrer hinweg entschieden, umgekehrt zeigte sie sich befremdet darüber, dass es Lehrer gibt, die die Entscheide ihrer Vorgesetzten öffentlich kommentierten.

Niemanden übergehen

Laut «Doppelpunkt» steht die Klärung der Rollen an den Schulen auf der Agenda der neuen Schulamtsleiterin: «Es soll nicht nur klar sein, wer wofür zuständig ist, sondern auch selbstverständlich, dass man sich danach richtet.» Für Angehrn ist wichtig, dass klar kommuniziert wird: Was ist verhandelbar, was nicht?

Wenn man gemeinsam unterwegs sei, hätten auch kritische Fragen Platz, sagt Angehrn. Voraussetzung seien eine grundsätzliche Loyalität zum Arbeitgeber und das Einhalten von Spielregeln. Es dürfe niemand übergangen werden.