Die Ritter vom Stadtpark

«Wenn chömer go kämpfe?», fragt ein kleiner Dreikäsehoch mit einem Holzschwert in der Hand. Sekunden später sprintet er auf sein Gspänli zu, geschützt durch einen Schild, mit dem Schwert fuchtelnd.

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Ritter und Burgfräulein versuchen, den Ritter zu versenken. (Bild: Helena Gunsch)

Ritter und Burgfräulein versuchen, den Ritter zu versenken. (Bild: Helena Gunsch)

«Wenn chömer go kämpfe?», fragt ein kleiner Dreikäsehoch mit einem Holzschwert in der Hand. Sekunden später sprintet er auf sein Gspänli zu, geschützt durch einen Schild, mit dem Schwert fuchtelnd.

Was leicht martialisch anmutet, ist Teil eines Spiels im Rahmen eines mittelalterlichen Nachmittags, organisiert vom Historischen und Völkerkundemuseum.

Bei blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein haben sich sieben Buben und drei Mädchen versammelt, um ihr ritterliches Geschick bei diversen Spielen unter Beweis zu stellen.

Noch nicht gleichberechtigt

Zurück im Museum sollen sie zu Rittern und Burgherrinnen samt offizieller Urkunde – Berufsabschlüsse waren wohl im Mittelalter schon wichtig – geschlagen werden.

Das Schwert dafür lassen Museumspädagogin Golnaz Djalili Stehle und Museumsmitarbeiterin Jeanne Egloff aber im Etui. «Die Ohren sollen ja dranbleiben», sagt Djalili Stehle und lacht. Ihre Arbeitskollegin hilft den Kindern, die Gelübde möglichst glaubwürdig nachzusagen. Beim Satz «Ich gelobe, die Burg immer sauber zu halten» muss sie aber selbst lachen. À propos Putzen: Gleichberechtigung schien der Ritter Sache sowieso noch nicht zu sein.

Aber kann man wirklich erwarten, dass angehende Burgherrinnen im Mittelalter mehr zu tun hatten, als die Burg zu reinigen, während ihre Männer Schwertkämpfe übten? Wohl kaum. Bezeichnenderweise haben alle Mädchen zu pinkem und violettem Papier gegriffen, um sich stilechte Hauben zu basteln. Die Buben entschieden sich für ihre Helme natürlich für silbergraues Papier.

Hat denn niemand Minnesänger sein wollen? «Das haben wir nicht im Repertoire, wir machen ja keine Singkurse», sagt die Museumspädagogin und lächelt.

Den Ritter versenken

Mit ihren Schützlingen ist Golnaz Djalili Stehle zufrieden. «Die Kinder haben sehr selbständig und ruhig gebastelt, sie brauchten kaum Hilfe», sagt sie.

Die Gelobten, bewaffnet mit einer Mini-Armbrust, spielen derweil draussen friedlich «Versenk-den-Ritter». Sie versuchen, eine auf einem Brunnenrand plazierte Ritterfigur zu treffen. Das ist schwieriger, als es auf den ersten Blick scheint. Ella, 9jähriges Burgfräulein, ist die einzige, die den Ritter zweimal ins kühle Nass befördert.

Fragen stellen lernen

«Mit Angeboten wie diesem möchten wir vom Museum auch dazu beitragen, dass die Kinder genau hinschauen. Sie sollen mitdenken und sich die Frage stellen, warum etwas genau so und nicht anders ist», sagt Djalili Stehle. Diese Mission kann als geglückt bezeichnet werden: Die Kinder würden sich sehr für die Geschichte der Ritter interessieren, sagt die Pädagogin. Einige hätten über die Thematik schon wirklich gut Bescheid gewusst. Das bestätigt der 8jährige Janis prompt: «Es war zwar nicht alles neu, was ich gehört habe.

Aber interessant war es.»

Helena Gunsch

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