Die Region in CVP-Hand

Mit der Wahl von Boris Tschirky bietet sich in der Region ein spezielles Bild: Alle Gemeinden werden nun von einem CVP-Mann präsidiert. Ein Blick in die Wahlresultate zeigt aber noch mehr.

Corinne Allenspach
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Boris Tschirky an der Wahlfeier in Abtwil. Der CVP-Mann übernimmt im Januar das Gemeindepräsidium von Andreas Haltinner (parteilos). (Bild: Melissa Müller)

Boris Tschirky an der Wahlfeier in Abtwil. Der CVP-Mann übernimmt im Januar das Gemeindepräsidium von Andreas Haltinner (parteilos). (Bild: Melissa Müller)

Was haben die Gemeinden der Region St. Gallen gemeinsam? Zum Beispiel sollen sie sich auf Antrag der Regierung an den zentralörtlichen Lasten der Stadt St. Gallen beteiligen. Seit Sonntag gibt es aber eine weitere Gemeinsamkeit. Ob mit oder ohne Kampfwahl, überall schaffte der Kandidat der CVP die (Wieder-)Wahl als Gemeindepräsident. Die Partei gewann damit einen Sitz auf Ebene der Gemeindeexekutiven. Anders als im St. Galler und Gossauer Stadtparlament, wo sie je einen verlor.

Partei ist zweitrangig

Mit Boris Tschirky (Gaiserwald), Fredi Widmer (Wittenbach), Paul Bühler (Mörschwil), Markus Peter (Eggersriet), Paul Huber (Berg SG), Bernhard Keller (Muolen), Hans-Peter Eisenring (Häggenschwil), Franz Müller (Waldkirch) und Dominik Gemperli (Andwil) sind nun sämtliche Gemeindepräsidien der Region in der Hand der CVP. In Gaiserwald, Mörschwil, Muolen und Waldkirch besetzt die CVP gar Gemeinde- und Schulpräsidium.

Bei der CVP freut man sich zwar, von einem Trend will Toni Weber von der Kantonalpartei aber nicht sprechen. Gerade in kleineren Gemeinden spiele die Parteizugehörigkeit eine untergeordnete Rolle, sagt er. «Es sind Persönlichkeitswahlen.» Und die CVP habe das Glück, in vielen Gemeinden rund um die Stadt derzeit über geeignete Persönlichkeiten zu verfügen. Wie das in einigen Jahren aussehe, sei ungewiss.

Historisch bedingt

Klar ist hingegen, wie es in der Vergangenheit aussah. So stellte beispielsweise die CVP in Wittenbach seit 1900 während 96 Jahren den Gemeindepräsidenten, die FDP 16 Jahre. In Gaiserwald ist der amtierende Andreas Haltinner (parteilos) der erste Nicht-CVPler. Auch in Mörschwil, wo Paul Bühler nach über 20 Jahren im Amt bei einem absoluten Mehr von 546 Stimmen mit glanzvollen 1015 Stimmen wiedergewählt wurde, regierte stets die CVP. Bühlers Vorgänger Franz Würth hatte das Vergnügen gar 33 Jahre lang. In vielen Gemeinden hat es also Tradition, dass die katholische CVP das Präsidium besetzt. Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt auch, warum. 1950 lebten beispielsweise in Mörschwil 1500 Katholiken und nur gerade 188 Protestanten.

Parteilose holen auf

Zurück zum Wahlwochenende. Noch immer besetzt die CVP auch in den Gemeinde- und Schulbehörden die meisten Sitze. Von den total 166 Sitzen in Gaiserwald, Wittenbach, Mörschwil, Muolen, Eggersriet, Häggenschwil, Berg SG, Waldkirch und Andwil sind 57 Sitze oder gut ein Drittel in der Hand von CVP-Vertretern. Parteilose belegen 55 Sitze, die FDP 37, SVP 10, SP 4, GLP 1 und BDP 1. Ein Sitz ist noch vakant. Urs Schnelli, Oberstufenschulrat in Wittenbach, ist der erste BDP-Vertreter, der in der Region Einsitz in die Behörden nimmt. Die GLP belegt neu mit Joël Drittenbass einen Sitz in der GPK der Gemeinde Andwil.

SP und SVP haben's schwer

Im Vergleich zu 2008 ist die Parteienlandschaft zudem bunter geworden. Und es gilt: Je kleiner eine Gemeinde, desto mehr Parteilose. Ausserdem: Während die SP in der Stadt zulegt, ist sie auf dem Land praktisch inexistent. Einzig in Wittenbach besetzt sie vier Sitze. Mit Thomas Zünd (neu) konnte die SP auch ihren Sitz im Gemeinderat verteidigen. Schwerer hat es die SVP. In Mörschwil versuchte sie es zum zweitenmal in Folge vergeblich, in den Gemeinderat einzuziehen. SVP-Gemeinderäte gibt es bisher einzig in Wittenbach, Waldkirch und Andwil.