Die Pumpe am Laufen halten

Die Wasserversorgung in Kamerun krankt vielerorts an mangelhaftem Unterhalt. Eine Studienreise soll Abhilfe schaffen. Die Besucher lernen dabei ganz nebenbei den Föderalismus kennen.

Johannes Wey
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Die kamerunischen Gäste der Gruppenwasserversorgung BHW besichtigen die ARA Hofen. Bild: Urs Bucher (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Die kamerunischen Gäste der Gruppenwasserversorgung BHW besichtigen die ARA Hofen. Bild: Urs Bucher (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Der Besuch in der Abwasserreinigungsanlage (ARA) Hofen in Wittenbach ist nur ein Nebenschauplatz. Die Gäste aus Kamerun sollen sehen, wie die Trinkwasserversorgung hierzulande organisiert wird. Dazu gehört auch die enge Verknüpfung der Ver- mit der Entsorgung: Die Abwassergebühren sind in der Schweiz bereits im Wasserpreis enthalten.

Ebenfalls im Wasserpreis enthalten ist im Einzugsgebiet der Gruppenwasserversorgung BHW (benannt nach den ursprünglichen Vertragsgemeinden Berg, Häggenschwil und Wittenbach) der «Wasserrappen»: Für jeden Kubikmeter Wasser fliesst ein Rappen, jährlich knapp 15 000 Franken, vor allem an Entwicklungsprojekte in Zusammenarbeit mit der Skat Foundation (siehe Kasten). Diese Projekte sind der Grund für den Besuch von Denis Awoh Ndang und Jaff Romanus Verkijika.

Nicht nur neu bauen, auch unterhalten

Ndang und Verkijika sind die Präsidenten der Gemeinden Fundong und Jakiri in Kamerun. Die beiden Gemeinden umfassen je über 40 Dörfer mit 300 bis 10 000 Einwohnern. Sie wurden unter elf Gemeinden für das Projekt ausgewählt, um mit Hilfe aus der Schweiz ein Unterhaltskonzept für ihre Wasserversorgungen zu entwickeln. Der Wittenbacher Karl Wehrle, Geschäftsführer der Skat Foundation, erklärt die Idee dahinter: In der Vergangenheit sei über Entwicklungsprojekte viel Geld in die Erstellung von Trinkwasserinfrastruktur geflossen. Doch in den Ländern, in denen diese Infrastrukturen erstellt werden, fehle die Erfahrung und das Bewusstsein, dass man sich nicht erst um die Anlagen kümmern muss, wenn diese kaputt sind. «Mit diesem Projekt wollen wir die Nachhaltigkeit früherer Investitionen gewährleisten», sagt Wehrle. Die Gemeinden Fundong und Jakiri gehörten zu den fortschrittlichsten in der Region. «Bei diesem Pilotprojekt sollen sich die Gemeinden möglichst stark beteiligen», begründet Wehrle. Ziel sei, dass das Unterhaltskonzept danach auch anderen Gemeinden und Regionen zugute komme oder allenfalls auf andere Infrastrukturen angewendet werden könne.

Auf ihrer Studienreise, die bis heute Donnerstag dauert, wollen Ndang und Verkijika sehen, wie die Trinkwasserversorgung in der Schweiz organisiert wird. Nebst der Gruppenwasserversorgung BHW statteten sie auch der Stadt Frauenfeld einen Besuch ab. Denis Awoh Ndang zeigt sich beeindruckt: In Frauenfeld trage die Gemeinde die Wasserversorgung, die Gruppenwasserversorgung hingegen sei sehr eigenständig. «Hier kommt alles von der Basis.» Aus Wehrles Sicht ist das Projekt damit auch eine ideale Möglichkeit, auf Gemeindeebene dezentrale Regierungsstrukturen nach dem Subsidiaritätsprinzip zu etablieren. «Dieser Prozess ist in Kamerun erst seit kurzem in Gang, bislang waren es sich die Menschen gewohnt, dass das Land von oben nach unten organisiert wird.» Ndang will diesen Prozess vorantreiben: «Die Regierung gibt uns mehr Verantwortung. Wir müssen nun zeigen, dass wir unsere Aufgaben erfüllen können.» Im Hotelzimmer hätten Verkijika und er bereits intensiv über die unterschiedlichen Organisationsformen diskutiert.

Für die eigene Gemeinde anpassen

«Wir wollen mit unserem Projekt den Engagierten ein Werkzeug geben, ihre Infrastruktur selber nachhaltig betreiben zu können», sagt Wehrle. Die beiden Gemeindepräsidenten seien unter anderem ausgewählt worden, weil sie zu den engagiertesten in der Region zählten. Verkijika und Ndang, welche die Reise übrigens zum grossen Teil selber bezahlen, sind zufrieden. «Es ist lehrreich, zu sehen, wie die Wasserversorgung andernorts organisiert wird. Das ist gut investierte Zeit», sagt Verkijika. Er hoffe, das, was er hier gesehen habe, auch auf seine Gemeinde anwenden zu können.