«Die Post hat kein Gesicht»

Die angekündigte Schliessung der Poststelle in Engelburg erhitzt die Gemüter. Gewerbler stossen sich am Vorgehen des Gelben Riesen, der sie aussen vor gelassen und nicht informiert habe. Jetzt wehren sie sich gegen den Entscheid.

Sebastian Schneider
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Die Post entfernt sich vom Dorfplatz und eröffnet Anfang 2016 eine Postagentur im Spar. (Bild: Ralph Ribi)

Die Post entfernt sich vom Dorfplatz und eröffnet Anfang 2016 eine Postagentur im Spar. (Bild: Ralph Ribi)

ENGELBURG. Joe Mock, der in Engelburg eine Bäckerei führt, kann die «Theoretiker» von der Post nicht verstehen. Deren Vorgehen sei inakzeptabel, findet er und ist im Dorf nicht der einzige, der sich über den Gelben Riesen aufregt. Die Post hat im Dezember vergangenen Jahres entschieden, die Poststelle am Dorfplatz per Ende 2015 zu schliessen und als Ersatz eine Postagentur im Spar zu eröffnen. Die Engelburger Bevölkerung wurde per Flugblatt darüber informiert. «Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt», haben Gewerbler in einem Leserbrief im Tagblatt beklagt (Ausgabe vom 11. April). «Wir können das nicht stillschweigend hinnehmen», schreiben Christina Sager-Alther von der Dorfmetzgerei, Aurelia Wick von der Käserei und Dorfbeck Joe Mock.

Keine Infos, kein Interesse

Dass der Post die Wirtschaftlichkeit ihrer Läden wichtig ist, können die Gewerbler verstehen. Und sie räumen ein, dass die Schliessung wirtschaftlich gesehen womöglich Sinn mache. Doch sie stossen sich am Vorgehen der Post. «Wir wurden weder in den Entscheid einbezogen noch wurden wir über die Gründe der Schliessung informiert», sagt Aurelia Wick von der Käserei. Sie habe nach dem Erhalt des Flugblatts bei der Post nachgefragt, welche Kriterien ein Laden erfüllen muss, um eine Postagentur unterzubringen. Ihr Laden hätte sämtliche Kriterien erfüllt, doch der Postmitarbeiter habe schlicht kein Interesse gezeigt, eine Agentur in der Käserei zu prüfen. Bei der Kontaktaufnahme mit der Post habe sich Aurelia Wick zudem daran gestört, dass die Zuständigkeiten bei der Post kompliziert geregelt seien. «Die Post hat kein Gesicht», beschreibt sie den Umstand.

Unzufrieden mit Standort

Der zweite Kritikpunkt der Gewerbler ist der Standort der Postagentur. Dieser sei im Spar an der Breitschachenstrasse überhaupt nicht im Zentrum von Engelburg. «Geographisch gesehen mag der Supermarkt zwar in der Dorfmitte liegen, doch das Leben spielt sich mit den Läden, der Kirche und der Postautohaltestelle auf dem Dorfplatz ab», sagen die Gewerbler. Die Post werde vor allem von älteren Dorfbewohnern benutzt. Angesichts des geplanten Wohn- und Pflegezentrums unweit des Dorfplatzes sei eine Postagentur im Spar umso ungeschickter gewählt.

Die Post stellt auf Anfrage klar, dass aus ihrer Sicht der Spar besser gelegen sei und die Platzverhältnisse sowie die Öffnungszeiten des Supermarkts optimal seien. Inwieweit die Bevölkerung in den Entscheid einbezogen wird, entscheide man in Absprache mit dem Gemeinderat von Fall zu Fall. «Wir sind zum Schluss gekommen, dass in Engelburg etwa der Quartierverein nicht einbezogen werden muss», heisst es bei der Pressestelle in Bern.

Die Gewerbler setzen sich darum erst nach dem Entscheid zur Wehr. Der Leserbrief im Tagblatt ist laut Aurelia Wick der Anstoss zum Widerstand. In nächster Zeit wolle sie Ortsparteien und Interessengemeinschaften «zusammentrommeln», um Möglichkeiten zu besprechen, wie man sich gegen den Entscheid der Post wehren kann.

Die Gewerbler seien sich zwar bewusst, dass es schwierig ist, jetzt noch etwas zu bewirken. Der Entscheid der Post stehe ja fest. Und Beispiele aus der Stadt St. Gallen zeigen, dass selbst gut organisierter Widerstand kaum etwas bewirken kann. So wurden die Poststellen in den Quartieren St. Georgen und Riethüsli wie geplant geschlossen. Der Laden in St. Fiden steht noch auf der Kippe, weil die Post mutmasslich noch keinen Partner für die Agentur gefunden hat.

«Der Widerstand war und ist nicht vergebens», sagt Dominik Dietrich. Der Gewerkschaftssekretär der Syndicom rief vor zwei Jahren ein Komitee ins Leben, das im Mai 2013 eine Petition mit 5164 Unterschriften einreichte. «Der Widerstand war vor allem ein Zeichen für die Zukunft», sagt Dietrich. Das Komitee habe der Post zeigen können, dass die Poststellen in der Stadt nicht ohne weiteres geschlossen werden können. Ein Zeichen können laut Dietrich auch die Engelburger geben, indem sie kundtun, dass ihnen die Poststelle am Herzen liegt.

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