Die Ostschweiz als grosses Wandbild

An den Wänden des grössten Raums im neuen Naturmuseum bringen Malerinnen derzeit ein Landschaftsbild an. Es bildet gewissermassen die Kulisse für die Ausstellung über die Lebensräume in der Ostschweiz. Über 1000 Arbeitsstunden brauchen sie dafür. Und ein feines Händchen.

David Gadze
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Malerinnen bringen im neuen Naturmuseum ein Landschaftsbild der Ostschweiz an einer Wand an. Sorgfältig zeichnen sie die Vorlagen ab. (Bild: Urs Bucher)

Malerinnen bringen im neuen Naturmuseum ein Landschaftsbild der Ostschweiz an einer Wand an. Sorgfältig zeichnen sie die Vorlagen ab. (Bild: Urs Bucher)

Von aussen sieht der Neubau des Naturmuseums im Osten der Stadt schon fast fertig aus. Das Innere des Gebäudes ist rund acht Monate vor der Eröffnung aber immer noch eine Grossbaustelle. In allen Räumen sind Handwerker mit den unterschiedlichsten Arbeiten beschäftigt. Beim Rundgang durch das Gebäude erzählt Museumsdirektor Toni Bürgin lebhaft, was dereinst wo stehen wird. Für ihn ist es mehr als eine Baustelle: «Vor dem inneren Auge sehe ich bereits das eingerichtete Museum.»

Grosses Wandbild im Herzstück

Seit vergangenem Montag wird im «Herzstück» des neuen Naturmuseums, dem 400 Quadratmeter grossen Saal im mittleren Stockwerk, der den Lebensräumen der Ostschweiz gewidmet ist, ein grosses Wandbild der Zürcher Künstlerin Julia Marti aufgemalt. Sie sei durch die ganze Ostschweiz gereist, habe Fotos geschossen und bei der Gestaltung des Landschaftsbildes auch die Architektur des Raums einfliessen lassen, erzählt Bürgin. An der höchsten Stelle, entlang der grossen Wand, die bis zum Dach reicht, wird das Bild rund acht Meter hoch sein.

Noch ist es aber nicht so weit. Noch sechs Wochen lang werden ein Maler und mehrere Malerinnen am Bild arbeiten, am Ende dürften sie mehr als 1000 Arbeitsstunden dafür aufgewendet haben. Ausschnitte des fertigen Bildes, auf denen es in ein quadratisches Raster aufgeteilt ist, hängen an den Wänden. Sorgfältig übertragen die Dekorationsmaler der Rapperswiler Firma Fontana & Fontana die Vorlagen der Künstlerin. Mehr als vier bis fünf unterschiedliche Hände sollen es nicht sein, sagt Olivia Fontana, Mitinhaberin der Fontana & Fontana AG. «Die Handschrift des Bildes muss erkennbar bleiben.» Die einzelnen Elemente – Landschaft, Bäume, Gebäude – sollen möglichst immer von derselben Person aufgemalt werden, damit eine klare «Signatur entsteht», wie Fontana es bezeichnet. Je höher der Detaillierungsgrad, desto wichtiger die Signatur. Das Team muss auch auf Unvorhergesehenes reagieren können. So ist ein Fenster in einer Wand rund einen halben Meter weiter rechts als gedacht.

Durch Tierpräparate belebt

Ursprünglich war geplant, den Raum mit grossformatigen Fotografien zu bebildern. Bei der Detailplanung des Raums vor etwa eineinhalb Jahren sei dann die Idee mit dem Wandbild entstanden, sagt Bürgin. «Glücklicherweise liess es der Kostenvoranschlag zu, das Wandbild umzusetzen. Es ermöglicht ein ganz anderes Erlebnis des Raums.»

Gegen Ende April wird das Wandbild fertig sein. «Belebt» wird es durch Tierpräparate, die zu den jeweils abgebildeten Lebensräumen gehören: Fische beim Bodensee, der Steinbock im Gebirge, der Fuchs in der Stadt. Die Tiere werden an Podesten entlang der Wände angeordnet. In der Mitte des Raums wird aus rund 50 Einzelteilen ein 40 Quadratmeter grosses Relief des Kantons St. Gallen und der beiden Appenzell aufgebaut. «Das dauert bis in den Juli, denn die Teile müssen nahtlos zusammengefügt werden», sagt Bürgin.

Möglichst nahtloser Übergang

Möglichst nahtlos soll auch der Übergang vom alten ins neue Naturmuseum vonstatten gehen. Bei einer Zügelaktion, die rund ein halbes Jahr dauern wird, ist das kein einfaches Unterfangen. Ab Mai werden sukzessive Teile der Dauerausstellung geräumt und die Exponate an den neuen Standort gebracht. «Es wird ein Spagat», sagt Toni Bürgin. «Aber unser Anspruch war es von Anfang an, das Museum schliessen zu müssen.»