Die neue urbane Lust

Für Rolf Geiger, Geschäftsleiter von «Region Appenzell AR – St. Gallen – Bodensee», sind «Hochsegment-Wohnungen» Indikator der Standortattraktivität. In denen auch Senioren wohnen.

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Das Angebot von und der Andrang auf Wohnungen überdurchschnittlichen Standards in der Stadt St. Gallen muss Musik sein in den Ohren von Rolf Geiger. «Es ist ein Indikator für die Attraktivität einer Region.»

öV-Erschliessung wichtig

Allerdings hat der Geschäftsleiter von «Region Appenzell AR – St. Gallen – Bodensee», die eine schlagkräftig vereinte Grossregion fördern will, nicht nur die Zentrumsstadt im Blick. Als regionaler Standortförderer spielt es ihm eigentlich keine Rolle, ob die finanzkräftigen Leute in Gaiserwald, der Stadt oder in Rehetobel wohnen. Ganz egal ist es ihm aber doch nicht: «Wichtig ist, dass die Siedlungsentwicklung an Orten geschieht, die bereits mit dem öffentlichen Verkehr erschlossen sind oder leicht erschlossen werden können.» Das aber spricht für städtische Gebiete.

Direkten Eingang in die Arbeit der Geschäftsstelle finden die Wohnungen nicht. Man stelle derzeit Portfolios von Wirtschaftsstandorten wie etwa bei den Bahnhöfen St. Fiden oder Herisau zusammen. Dabei spielten die Erreichbarkeit und die mögliche Entwicklung des Areals eine Rolle. Trotzdem ist für Rolf Geiger wichtig, dass sich der «Hochsegment-Wohnungsmarkt» entwickelt. «Wenn Unternehmen erwägen, sich in der Ostschweiz anzusiedeln, schauen sie auf das Angebot an Wohnungen für ihre Führungskräfte.» Es sei wichtig, dass in Gesprächen mit Firmen die Existenz solcher Siedlungen einfliessen könne.

Städte sind nicht mehr A-Städte

Warum wollen die Leute wieder in der Stadt wohnen? Geiger nimmt eine Imageveränderung bei den Städten wahr. Lange habe man von den A-Städten geredet – A beispielsweise für Alte und Ausgesteuerte –, nun aber gebe es ein neues Interesse am urbanen Lebensraum.

Darunter sind Familien von Akademikern und Fachhochschulabgängern sowie die Double-Income-No-Kids-Paare. Daneben gebe es aber auch vermögende «junge Senioren», die vom Land in die Stadt ziehen, weil sie nicht mehr ein ganzes Haus bewohnen und bewirtschaften wollen. Zudem ist das kulturelle Angebot vor der Haustüre, und man ist mobil ohne Auto. Und auch der Weg ins Spital ist gegebenenfalls nicht weit. (kl)