Die Natur walten lassen

Die Bäume sind gefällt, das Nutzholz aufgeschichtet. Im Goldachtobel liegen aber noch Strünke kreuz und quer am Boden. Revierförster Renaldo Vanzo informiert darüber, wie die Wälder nachhaltig bewirtschaftet werden können.

Notker Angehrn
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Lektion im Wald: Angehende Lehrpersonen erfahren Wissenswertes von Förster Renaldo Vanzo (rechts). (Bild: Notker Angehrn)

Lektion im Wald: Angehende Lehrpersonen erfahren Wissenswertes von Förster Renaldo Vanzo (rechts). (Bild: Notker Angehrn)

MÖRSCHWIL/GOLDACH. Im Rantelwald der Gemeinde Goldach sowie gegenüber des Technologiezentrums Blumenegg auf Mörschwiler Gemeindegebiet wurden im Winter über 500 Kubikmeter Holz geschlagen. Warum wurde so viel ausgeräumt? Was geschieht mit dem Restholz und dem Geäst, das herumliegt?

Lektion vom Förster

Schüler der Pädagogischen Hochschule St. Gallen haben sich mit dem Thema «Wald und Schule» auseinandergesetzt, mitten im durchforsteten Waldstück. Ein idealer Platz auch für den zuständigen Förster Renaldo Vanzo, um die angehenden Lehrpersonen über nachhaltige Waldnutzung zu informieren. Er hatte zuvor jene Bäume bezeichnet, die gefällt wurden. «Den geschwächten Nadelbäumen drohte ein weiterer Befall durch den Borkenkäfer, bei zahlreichen Laubbäumen bestand die Gefahr, dass sie den Hang ins Rutschen bringen», erklärt der Förster. Die Wurzelstöcke von umgekippten Buchen und Eschen zeigen, dass dieser Prozess schon eingesetzt hat. «Unser Ziel ist, die Schutzwirkung des Waldes zu erhalten. Eine Verjüngung des Baumbestandes ist deshalb wichtig. Die Holznutzung bewirkt, dass wieder mehr Licht auf den Waldboden fällt», erklärt der Förster. «Damit können sich keimende Samen wieder zu Jungbäumen entwickeln.» Beabsichtigt sei, einen gut bestockten, altersmässig gemischten Wald zu erreichen. «Wenn genügend Licht einfällt, wird sich hier von selbst ein standortgerechter Waldbestand entwickeln», sagt Vanzo. «Mehrheitlich wird hier Laubholz wachsen: Ahorn, Buchen, Eschen. Die Rottanne wird zurückgedrängt.» Das herumliegende Holz gebe den jungen Bäumen Nahrung – ebenso vielen Insekten und damit auch den Vögeln.

Nicht mehr schlagen, als wächst

Das Problem der Abschwemmung durch die Goldach bestehe in diesem Bereich nicht, sagt Renaldo Vanzo. Geäst und Restholz haben bereits Wasser gestaut und Tümpel entstehen lassen – beliebte Aufenthaltsorte für Amphibien. Nachhaltige Nutzung heisst, dass nur so viel Holz geschlagen wird, wie nachwächst. Der Förster zeigt einen Holzwürfel mit rund 30 Zentimetern Kantenlänge. «So viel Holz wächst pro Hektare in einer Sekunde. Im Jahr sind es neun bis zwölf Kubikmeter.» Zahlreiche Fragen der Studenten wurden beantwortet, unter anderem zu Schutz vor Zecken, Lebensweise des Borkenkäfers und Interessenkonflikten zwischen Förstern, Naturschützern und Waldbesitzern.

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