Die Naivität der Digital Natives

GOLDACH. Experten der Polizei und der Fachstelle Kinderschutz haben Schülern die Grundlagen des Verhaltens in der digitalen Welt gezeigt. Ein Abend lehrte auch Eltern, worauf zu achten ist.

Dominik Bärlocher
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Battlefield 3: Expertin Claudia Hengstler zeigt den Eltern, was ihre Kinder am Computer spielen könnten. (Bild: Fotos/Bildmontage: Dominik Bärlocher)

Battlefield 3: Expertin Claudia Hengstler zeigt den Eltern, was ihre Kinder am Computer spielen könnten. (Bild: Fotos/Bildmontage: Dominik Bärlocher)

Die Kinder, die nach 1980 geboren worden sind, werden «Digital Natives» genannt. Sie sind mit Computer, Internet und Handy gross geworden, verstehen sie intuitiv. Die Eltern können ihren Töchtern und Söhnen oft nur zuhören, verstehen aber nicht, was ein Highscore ist und Facebook ist ein Buch mit sieben Siegeln. Um dem Abhilfe zu schaffen hat die Oberstufe Goldach eine Sonderwoche organisiert. Die Schüler haben während einer Woche Grundlagen der Netiquette und die Strafen für illegale Daten erklärt bekommen. Der Donnerstagabend stand im Zeichen der Elternbildung.

Gewieft, aber naiv

«Die Digital Natives sind gewieft im Umgang mit Computern und Smartphones, aber sie sind auch sehr naiv – Digital Naïves, sozusagen», sagt Claudia Hengstler, Abteilungsleiterin Weiterbildung und Prävention der Fachstelle Kinderschutz in St. Gallen zu den Eltern in der Aula des Oberstufenzentrums. Vor allem jüngere Mädchen und Buben hätten oft kein Verständnis dafür, weshalb sie ihre Handynummer nicht ins Internet stellen sollten. Oder sie unterschätzen das Image, das ein Bild, das sie in «Halbstarken-Pose» oder in sexy Kleidung zeigt, vermittelt. Es bleibe zu beachten, dass es sich bei den Digital Natives um Kinder handle. Emotional seien sie genau so weit wie ihre Eltern es in dem Alter waren, auch wenn die digitalen Medien ihre Fähigkeit zum Multitasking erweitert und schnellere Entscheidungsfähigkeit gegeben haben.

Claudia Hengstler fragt, wie gut – auf einer Skala von 1 bis 10 – sich die Eltern selbst im Umgang mit neuen Medien einschätzen. «Ich habe gehört, dass Videos auf diesem YouTube da gratis sind», sagt ein Vater. Er gibt sich eine sechs.

Erste Eindrücke von GTA

«Lassen Sie sich von Ihren Kindern die Videospiele, die sie spielen, zeigen», sagt Hengstler weiter und ermahnt die Eltern, nicht mit dem Mahnfinger auf ihre Töchter und Söhne zuzugehen. Sie zeigt Ausschnitte aus dem Videospiel GTA IV, in dem es gilt, Autos zu stehlen und zu einem Top-Gangster zu werden. Das Spiel bietet die Möglichkeit, Zivilisten zu überfahren oder zu erschiessen.

Die Eltern sind schockiert. Ein Raunen geht durch die Aula als sie sehen, wie der Spieler in Ego-Perspektive einer Frau in den Kopf schiesst, die nichts mit dem Spielgeschehen zu tun hat. «Lassen Sie Kinder mit solchen Bildern nicht allein», sagt Hengstler. Es sei nicht so, dass solche Spiele zwangsläufig Amokläufer hervorbringen würden, aber die Bilder hätten einen verwirrenden Effekt auf Teenager.

Eines ist Claudia Hengstler aber wichtig: «Verbote bringen in den seltensten Fällen etwas.» Ein geregelter Zugang zu Games, mit der Beachtung von Alterslimiten, sei die bessere Alternative. Denn wenn Games verboten sind, dann werde dies umgangen und heimlich gespielt oder gechattet: «Sogar die neuen iPods haben die Fähigkeit, sich mit dem Internet zu verbinden.»

Ratschläge für Eltern: www.klicksafe.de