Die Messe der Argumente

ST.GALLEN. An der Immo-Messe sucht man vergebens nach Wettbewerben oder schrillen Werbeaktionen. Seriosität ist in – und wird den Verkäufern auch von der Messeleitung ans Herz gelegt.

Ralf Streule
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Viele Bilder, Seriosität und Kompetenz: Dies sind die Grundpfeiler der Immo-Messe in der Halle 9. «Wer sich über Wohneigentum informieren will, braucht kein Jubel-Trubel», heisst es bei der Messeleitung. Im Bild der Stand des Kantons Appenzell Ausserrhoden. (Bild: Ralph Ribi)

Viele Bilder, Seriosität und Kompetenz: Dies sind die Grundpfeiler der Immo-Messe in der Halle 9. «Wer sich über Wohneigentum informieren will, braucht kein Jubel-Trubel», heisst es bei der Messeleitung. Im Bild der Stand des Kantons Appenzell Ausserrhoden. (Bild: Ralph Ribi)

Wer an der Olma oder der Offa auf seinen Käse aufmerksam machen will, hat leichtes Spiel. Er stellt ein Buffet mit Käsemüsterli auf, und prompt füllt sich der Stand von allein. Geht es hingegen um Begriffe wie «Standortmarketing» und «Wohneigentum», wie dieses Wochenende an der Immo-Messe in der Olma-Halle 9, wird es schwieriger, die grosse Masse zu mobilisieren. Die Frage liegt darum nahe: Welche Tricks haben die Standbetreiber, um die Leute dennoch an ihren Stand zu locken?

Die Messe der Bildschirme

«Mit Argumenten» oder «mit Kompetenz» heissen die Antworten an den Ständen. Hingucker sind nebst Fenster- und Isolationsmodellen vor allem Bildschirme. Ob es um Passivhäuser, Solarenergie, Immobilienberatung oder Finanzen geht: Fast überall leuchten Häuser von Flachbildschirmen.

Das Höchste der Gefühle für Spasssuchende: Ein Glücksrad. Oder die «Umleitung», mit der eine Immobilienfirma in ihren Tunnel einlädt. Dort gibt es wiederum nur eines zu sehen: Fotos von Immobilien.

Originell ist die Idee einer Solarfirma. Eine Wärmekamera, die normalerweise Wärmeverluste bei Häusern illustriert, filmt die Besucher. Wer vorbeigeht, sieht sein Wärmebild auf Grossleinwand.

Angebot allein soll überzeugen

Auch die Anbieterin der «Häuser auf Kreta» setzt auf schweizerische Zurückhaltung. «Wir wollten zunächst Brötchen mit griechischem Olivenöl anbieten.» Dann habe man gefunden: Die Leute sollen nicht mit Kulinarischem, sondern mit guten Angeboten angelockt werden.

Einladend und seriös sind auch die Präsentationen der Standortmarketingfraktion. Beim grossen Stand des Kantons Appenzell Ausserrhoden lassen meterhohe Bilder Alpstein-Stimmung aufkommen. Der Toggenburger Stand wirbt ebenfalls mit Bergen. Und mit Simon Ammann, der mit zwei Goldmedaillen von der Wand lacht. Die Stadt St. Gallen informiert mit Schautafeln und einem Modell über freien Wohnraum in der Stadt. «Die Leute kommen von selber zu uns. Wohnen in der Stadt wird immer beliebter», sagt die Dame am Stand.

Spielfreude kommt bei einer Immobilienfirma auf. In einer Ecke liegen Legosteine. «Für Kinder, während die Eltern beraten werden», sagt der Standbetreiber. Auch er wolle Leute aber mit Argumenten überzeugen. Interessenten würden den Markt über Jahre beobachten. Da sei mit kurzfristigen Aktionen nichts zu gewinnen. Auch der Mann, der an seinem Stand Blockhäuser präsentiert, steht nicht auf Guerilla-Marketing. Wichtig sei, dass «die Chemie stimmt». Das lasse sich nicht mit aggressiver Werbung erreichen.

«Nicht für breites Publikum»

Die Haltung der Aussteller wird von der Messeleitung unterstützt. Irene Lanz, die Veranstalterin der Messe, empfiehlt den Standbetreibern sogar, nicht auf Wettbewerbe und Sonderaktionen zu setzen, sondern auf Seriosität. Die Messe richte sich nach wie vor nicht an das breite Publikum, sondern an diejenigen, die wirklich an einem Eigenheim interessiert seien. «Die Leute wollen sich an der Messe informieren, sie suchen nicht Jubel-Trubel.»

Immo-Messe, Olma-Halle 9; Sa 10–18 Uhr; So, 10–17 Uhr

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