Die Mehrheit will die Minderheit nicht

Nein zu Platz für Fahrende Ausgabe vom 25. August 2015 Vorurteile nur schwer abbaubar Ausgabe vom 26. August 2015

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Die Gossauer Parlamentskommission sagt Nein zu einem Standplatz für Fahrende. Sie bringt teils weit hergeholte Argumente vor. Ich sehe: Wo kein Wille, da kein Weg. Doch die Fahrenden brauchen dringend neue Plätze. Gossau wäre dafür geeignet, sagt der Kanton St. Gallen, sagen auch die Fahrenden. Wir reden hier übrigens über unsere Mitbürger, über Schweizerinnen und Schweizer, die lediglich eine andere Lebensweise haben.

Die Fahrenden sind eine Minderheit. Minderheiten brauchen besondere Unterstützung. Die europäische Geschichte – ich bin zurzeit in Tschechien in den Ferien, wo es dafür genügend Anschauungsmaterial gibt – ist voll von traurigen Beispielen von diskriminierendem Umgang mit Minderheiten. Mal ist es die Religion, mal die Sprache, mal die Lebensweise. Gerade die Fahrenden wurden oft durch Bürokratie, Gesetze und Ausgrenzung schikaniert. Es stimmt mich nachdenklich, dass nun auch meine Heimatstadt Gossau den Fahrenden Steine in den Weg legt mit teils weit hergeholten Argumenten.

Der Entscheid der vorberatenden Kommission ist einem friedlichen Zusammenleben zwischen uns sesshaften Schweizern und den fahrenden Schweizern nicht förderlich. Die Mehrheit will die Minderheit nicht. Schade.

Roman Weibel Gossauer Bürger Falkensteinstrasse 56 9000 St. Gallen