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Die Magie des Exotischen

Finger werden gegipst, Gesichter frisch bemalt und ganze Körperteile ersetzt: Während der Restaurationsarbeiten begegnet das Historische und Völkerkundemuseum altbekannten Gesichtern aus unterschiedlichen Regionen der Welt.
Michele Kalberer
Annik Elser-Grubel stellt die Haut eines Indianerkörpers wieder her. Im Hintergrund der bereits restaurierte Häuptling Kubai. (Bild: Coralie Wenger)

Annik Elser-Grubel stellt die Haut eines Indianerkörpers wieder her. Im Hintergrund der bereits restaurierte Häuptling Kubai. (Bild: Coralie Wenger)

Auf der schwarzbraunen Haut trägt er einen gelblichen Lendenschurz, der ein Messer aus Elfenbein nahe an seinen Körper drückt. Er steht aufrecht, in der linken Hand hält er einen Speer. Sein Name ist Kubai, Häuptling aus Papua-Neuguinea. Kubai ist eine individualisierte Schaufigur aus der Umlauff-Sammlung (siehe Kasten) des Historischen und Völkerkundemuseums, die zurzeit öffentlich im ersten Stock restauriert wird.

Exotische Umlauff-Figuren

«Bisher haben wir mit unseren Ausstellungen Fenster zu fremden Kulturen geöffnet. Nun ist es an der Zeit, aus derselben Perspektive die eigene Kultur zu erforschen», sagt Sammlungsleiter Achim Schäfer. Er spricht von Museumsgeschichte, die es nun aufzuarbeiten gilt: «Ein Museum zeigt nicht nur historische Gegenstände, sondern es entwickelt dabei auch eine eigene Geschichte.» Die Ausstellungsobjekte wurden schliesslich aus einem Grund angeschafft. «Sie geben Aufschluss über den damaligen Zeitgeist und das Bildungswissen der St. Gallerinnen und St. Galler», sagt Schäfer. Deshalb sind auch die Umlauff-Figuren von besonderem Interesse: Bis in die Siebzigerjahre waren sie ein übliches Mittel zur Darstellung fremder Kulturen. «Heute sind sie kaum noch in Museen anzutreffen. Wir wollen das wieder ändern.»

Aus Gips und Pappmaché

Umlauff-Figuren gingen zwei Vorgänger voraus: Auf Jahrmärkten gab es Wachsfiguren und Volksschauen, in denen fremde Völker ihre vermeintliche Kultur vorleben mussten. Achim Schäfer sagt: «Heute gehört das Exotische zum Alltag: Beim Essen, an Konzerten oder auf dem Bahnhofplatz. Früher hatte es etwas Magisches.»

Während Jahrmärkte mit ihren Völkerschauen florierten, hatte es das Museum schwerer, das Fremde darzustellen: Es gab weder Fotografie noch Film und das blosse Ausstellen von Sammelgegenständen konnte den Museumsbesuchern nur annähernd eine Idee der fremden Kulturen vermitteln.

Die durch Gips und Pappmaché hergestellten Figuren lösten schliesslich das Problem. Die lebensechte Illustration durch die Schaufiguren begeisterte Jung und Alt für die Gegenstände aus der geheimnisvollen Fremde.

Viele Museen entfernten die Umlauff-Figuren wieder, da sie als rassistisch bezeichnet wurden. Nicht das Historische und Völkerkundemuseum: Es behielt seine Sammlung, die heute zu den grössten der Schweiz zählt. «Die Schaufiguren sind Teil der Stadtgeschichte und besitzen deshalb einen unglaublichen historischen Wert», sagt Achim Schäfer.

«Den Afrikaner gibt es nicht»

Eine Ausstellung der Figuren wie früher sei jedoch undenkbar. «Früher hat man in Museen Rassenmerkmale aufgelistet, um beispielsweise den Afrikaner zu beschreiben. So hat man Menschen auf Stereotype reduziert», erklärt Schäfer. In der kommenden Dauerausstellung soll das ehemalige Mittel zur Darstellung von Kunstobjekten selbst zum historischen Objekt werden. Schäfer spricht von einem Wechsel im Betrachten der Ausstellungsobjekte: «Wir sind heute von einer evolutionistischen zu einer kunstorientierten Sichtweise gelangt. Denn: Den Afrikaner gibt es nicht.»

Sammlertrend in St. Gallen

Wie kam das Exotische nach St. Gallen und welche Wirkung erzielte es bei der Bürgerschaft? Diese Fragen bilden zwei zentrale Aspekte der Ausstellung, die im Herbst 2014 geplant ist. Einerseits widmet sie sich dem Bildungswissen der Städter und andererseits dem Sammlertrend. «Anhand ausführlicher Biographien bedeutsamer Sammler aus St. Gallen werden die Menschen thematisiert, die sich hinter den Gegenständen und ihrer Geschichte verbergen», sagt Achim Schäfer.

Zurzeit können Besucherinnen und Besucher des Historischen und Völkerkundemuseums die Restauration der Umlauff-Figuren hautnah miterleben. Finger werden neu gegipst, Gesichter mit Farbe aufgefrischt und ganze Garderoben neu zusammengestellt. Restauratorin Annik Elser-Grubel widmet sich jeden Monat einer anderen fragilen Umlauff-Figur. Zwei der fünfzehn Puppen erstrahlen bereits in neuem Glanz. Eine davon ist Häuptling Kubai.

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