Die Liebe bei der Arbeit gefunden

MÖRSCHWIL. Kürzlich feierten Martha und Franz Osterwalder ihre nun schon 60 Jahre dauernde Ehe. Martha Osterwalder kocht noch immer jeden Tag für ihren Mann und will das noch viele Jahre tun. Ihre Ehe baue auf gegenseitiger Toleranz auf.

Oliver Schneider
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Martha und Franz Osterwalder, in ihrem Haus in Mörschwil, haben kürzlich ihre diamantene Hochzeit gefeiert. 60 Jahre sind sie schon verheiratet. (Bild: Urs Bucher)

Martha und Franz Osterwalder, in ihrem Haus in Mörschwil, haben kürzlich ihre diamantene Hochzeit gefeiert. 60 Jahre sind sie schon verheiratet. (Bild: Urs Bucher)

Am 14. Mai 1955 schworen sich Martha und Franz Osterwalder in der Pfarrkirche Rorschach ewige Treue. Nun sitzen die beiden an einem wunderschönen Frühlingstag auf dem Platz vor ihrem Haus in Näppenschwil, Mörschwil. Den ganzen Nachmittag tanken sie zusammen die wärmende Sonne. Für den Fototermin wechseln die beiden ins Wohnzimmer, wo viele Bilder an eine gemeinsame Vergangenheit erinnern. Ihr Ehegelöbnis hat bis zum heutigen Tag gehalten. Bei ihrer Hochzeit vor 60 Jahren war das Wetter ebenfalls perfekt, erinnert sich Martha Osterwalder. Zusammen mit der Schwester von Franz Osterwalder und deren Mann feierten sie damals eine Doppelhochzeit. «Wir dachten uns einfach, dass eine Hochzeitsreise zu viert viel interessanter ist», sagt Franz Osterwalder.

Bei der Arbeit kennengelernt

Martha Osterwalder, heute 84, ist im Rorschacherberg und Franz Osterwalder, 88, in Bernhardzell aufgewachsen. 1930 ist seine Familie nach Mörschwil gezogen. Beide haben sie in der Amcor AG in Rorschach gearbeitet, wo auch ihre Väter angestellt waren. Auf der Tagesordnung stand, Bleche und Folien aus Aluminium zu walzen. Bei der Arbeit haben sie sich denn auch kennengelernt. «Von diesem Zeitpunkt an konnte ich sie nicht mehr loswerden», sagt Franz Osterwalder mit einem Schmunzeln im Gesicht. Die beiden wurden ein Paar. Franz Osterwalder fuhr, so häufig er konnte, mit seinem Töff nach Rorschacherberg, um seine Geliebte zu besuchen. Während der Wintermonate habe er den Weg mit dem Velo auf sich genommen. So ging das vier Jahre, bis er um die Hand seiner heutigen Frau anhielt.

Nach zwei Kindern eine Pause

Nach der Hochzeit zog Martha Osterwalder sofort zu ihrem Mann nach Mörschwil. 1956 kam ihr erster Sohn zur Welt und zwei Jahre später eine Tochter. Martha Osterwalder sagt lachend: «Danach brauchte ich zuerst einmal eine Pause.» Gut zehn Jahre später erblickten der zweite Sohn und die zweite Tochter das Licht der Welt. Die Grösseren hätten ihre Geschwister immer sehr verwöhnt. Auch heute habe die Familie noch einen engen Zusammenhalt. Die Grosseltern Martha und Franz Osterwalder können sich an drei Enkelkindern erfreuen, von denen zwei gleich nebenan wohnen.

Schöne Erinnerungen an Capri

Das Paar kann auf 60 glücklich verheiratete Jahre zurückblicken. Eine der allerschönsten Erinnerungen sei die Hochzeitsreise gewesen, sind sich Martha und Franz Osterwalder einig. «Unsere Vierergruppe hat sehr gut harmoniert. Wir hatten eine <glatte> Zeit zusammen». Sie sind Richtung Genua gefahren, haben die Stadt Rom besichtigt, und später ging die Reise nach Neapel. Schliesslich verbrachten die frisch verheirateten Pärchen mehrere Tage in Capri.

Mit Toleranz zum Eheglück

Das goldene Rezept zum langanhaltenden Eheglück der beiden sei Toleranz. Man müsse vor- und nachgeben können, nur damit komme man in einer Beziehung weiter. Zur Feier der diamantenen Hochzeit sei die ganze Verwandtschaft im Gemeindezentrum Mörschwil zusammengekommen. Der Höhepunkt war das Essen, sagen sie. «Es gab Stroganoff mit Spätzli und Bohnen als Beilage, ein wahrer Festschmaus», sagt Franz Osterwalder. Ein solches Essen würde den Gästen noch lange in Erinnerung bleiben.

Seine Frau koche noch immer jeden Tag für ihn. Reis und Mais würden zwar nicht zu seinen Lieblingsgerichten gehören. «Ab und an bereite ich es trotzdem zu, und er muss natürlich den ganzen Teller aufessen», wirft Martha Osterwalder schmunzelnd ein. Sie werde noch, so lange es geht, für ihren Mann kochen.