«Die Leistungen und die Abgeltungen in Einklang bringen»

Nachgefragt

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Der Stadtrat beantragt dem Stadtparlament, den jährlichen Beitrag an den Verein St. Gallen-Bodensee Tourismus beinahe zu verdoppeln. Markus Isenrich, Präsident des Vereins, nimmt Stellung.

Markus Isenrich, weshalb braucht St. Gallen-Bodensee Tourismus viel mehr Geld von der Stadt St. Gallen?

Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem die Leistungen von St. Gallen-Bodensee Tourismus für die Stadt nicht mehr im Einklang sind mit der Abgeltung. Das wollen wir in Einklang bringen mit einer neuen Leistungsvereinbarung.

Dann zahlt die Stadt heute zu wenig?

Der heutige Beitrag der Stadt basiert auf einer Leistungsvereinbarung aus dem Jahr 1993. Seinerzeit lag der jährliche Beitrag bei 395000 Franken. In den vergangenen 24 Jahren wurde er seit 2012 moderat angehoben auf 450000 Franken pro Jahr. Das Aufgabenfeld von St. Gallen-Bodensee Tourismus hat sich in der gleichen Zeit aber massiv verändert; es ist sehr viel grösser geworden.

Der Beitrag der Stadt soll fast verdoppelt werden. Das wird im Stadtparlament rote Köpfe geben und die eine oder andere kritische Frage aufwerfen. Wie begründen Sie den massiven Anstieg der Abgeltung?

Das ist ganz einfach: Wer eine Leistung von St. Gallen-Bodensee Tourismus in Anspruch nimmt, muss dafür einen gerechten Preis bezahlen. Wir haben dem Stadtrat in einem Leistungskatalog unterbreitet, welche Leistungen wir für die Stadt im Tourismus erbringen und was das kostet, damit wir wir nicht wie im vorletzten Jahr ein Defizit von rund 120000 Franken einfahren. Der Verein St. Gallen-Bodensee Tourismus ist finanziell nicht auf Rosen gebettet. Wir haben ein Eigenkapital von circa 90000 Franken. Sie können selber rechnen, wie viele Defizite à la 2015 es da leiden mag, bis unsere Reserven aufgebraucht sind. Der vereinbarte neue Beitrag der Stadt St. Gallen macht den Verein nicht reich; er hilft, ausgeglichen zu wirtschaften.

Das heisst, trotz der beinahen Verdoppelung des Beitrages wird die Tourismusorganisation ihre Leistungen für die Stadt nicht ausbauen?

Ein kleiner Ausbau wird möglich sein. Aber grundsätzlich dient die Erhöhung des städtischen Beitrages der Aufrechterhaltung und der Pflege des Bestehenden. Die Löhne unserer Mitarbeitenden befinden sich auf einem verhältnismässig tiefen Niveau. Seit ich vor zwei Jahren das Amt des Präsidenten übernommen habe, und schon einige Jahre vorher, sind die Gehälter nie angepasst worden.

Welchen Anteil macht der Beitrag der Stadt an die Aufwendung von St. Gallen-Bodensee Tourismus aus?

Der Verein hat ein jährliches Budget von rund 3,6 Millionen Franken. Der heutige Beitrag der Stadt deckt rund ein Achtel davon. Mit der Erhöhung des Beitrages auf 880000 Franken wird der Anteil der Stadt ab 2018 rund ein Fünftel betragen.

Diese 20 Prozent sind angemessen?

Ja. Es ist auch dann nicht so, dass die Stadt St. Gallen zu viel bezahlt für das, was St. Gallen-Bodensee Tourismus für sie leistet. Immerhin fallen über 55 Prozent der Logiernächte der gesamten Destination in der Stadt St. Gallen an. Und es wie in der Autobranche: Der Kunde kann keinen Mittelklassewagen bestellen und stattdessen eine Luxuslimousine erwarten. Oder beim ÖV: Wenn Gemeinden der Postauto AG zwei Kurse bezahlen, können sie nicht erwarten, dass das Postauto viermal Halt macht im Dorf. So ist’s halt auch beim Tourismus.

Hat der Stadtrat die von St. Gallen-Bodensee Tourismus vorgeschlagene Leistungsvereinbarung mir nichts, dir nichts akzeptiert oder hat er stark daran herumgeschraubt?

Der Stadtrat hat die neue Leistungsvereinbarung in zwei Lesungen beraten. Er hat von uns vorgeschlagene Dienste aus dem Leistungskatalog herausgestrichen, andere hat er von sich aus neu hineingenommen wie beispielsweise die Unterstützung durch unsere Organisation bei Sportveranstaltungen, dies im Einklang mit der Strategie der Stadt St. Gallen. (dwi)