Die Last von Alfons Bolts Vermächtnis

MÖRSCHWIL. Mit dem Ja zum Verkauf der «Stiftung Bienenheim» vermeiden die Mörschwiler Katholiken hohe Investitionskosten. Sie verstossen damit aber gegen den letzten Willen von Alfons Bolt, der seinen Hof einst der Kirchgemeinde vermacht hatte.

Johannes Wey
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Für das «Bienenheim» wird nun ein Käufer gesucht. (Bild: Johannes Wey)

Für das «Bienenheim» wird nun ein Käufer gesucht. (Bild: Johannes Wey)

Alfons Bolt, Landwirt, verwitwet und kinderlos, hatte einen Plan. Nach seinem Tod sollte sein Besitz, ein stattliches Stück Land mit zwei Wohnhäusern, Scheune, Remise und Bienenhäuschen, an die katholische Kirchgemeinde Mörschwil übergehen. Der Betrieb im Weiler Beggetwil sollte ungeteilt erhalten bleiben und durch einen strebsamen katholischen Landwirt geführt werden. Auch wie der Erlös aus der Pacht zu verwenden ist, hatte Alfons Bolt bis ins letzte Detail festgelegt: Von der Finanzierung kirchlicher Aktivitäten bis hin zur Pflege seines Grabes hat er insgesamt elf Verwendungszwecke bestimmt.

Kein Geld für Begünstigte

Doch Alfons Bolts Rechnung ging nicht auf: An den Gebäuden hatte sich mit den Jahren beträchtlicher Renovationsbedarf aufgestaut und der Ertrag, den die «Stiftung Bienenheim» abwarf, reichte nicht einmal für den Unterhalt aus. Das wurde dem Kirchenverwaltungsrat schon kurz nach Bolts Tod im Jahr 1971 klar. Die Kirchgemeinde bewegte deshalb die im Testament Begünstigten dazu, eine Verzichtserklärung zu unterzeichnen – nur die Pflege von Bolts Grab blieb garantiert.

Kirchgemeinde muss bezahlen

Um die Liegenschaften vermieten zu können, wurde Alfons Bolts Wohnhaus, das wie das gesamte Areal unter Ortsbildschutz steht, im Jahr 1984 für rund eine Million Franken in ein Mehrfamilienhaus umgebaut. Vier Jahre später sanierte man das zweite Wohnhaus auf der Liegenschaft für 650 000 Franken. Dort wohnt heute Niklaus Leisebach, der Präsident des Kirchenverwaltungsrats, mit seiner Familie. «Die Renovationen und der Unterhalt konnten nie mit den Pacht- und Mietzinsen gedeckt werden», sagt Leisebach heute. Deshalb musste die Katholische Kirchgemeinde Mörschwil für den Erhalt der «Stiftung Bienenheim» jährlich Amortisations- und Unterhaltsbeiträge zwischen 30 000 und 60 000 Franken leisten. Über die Jahre summierten sich die Beiträge auf fast 500 000 Franken.

Verkauf scheitert vorerst

Nachdem ein Gutachten gezeigt hatte, dass es sich beim «Bienenheim» nicht um eine Stiftung im rechtlichen Sinn handle und die von Bolt erlassenen strengen Auflagen – etwa das zeitlich unbeschränkte Veräusserungs- und Zerstückelungsverbot – teils unzulässig seien, wollte der Kirchenverwaltungsrat die Liegenschaft im Jahr 2003 verkaufen. Die Vorlage scheiterte an der Kirchbürgerversammlung aber am Widerstand der Stimmberechtigten. Sie waren der Meinung, der Verkauf verstosse gegen Treu und Glauben. Doch damit blieb das finanzielle Problem der Kirchgemeinde ungelöst.

Interessenten schon vorhanden

Als vor kurzem festgestellt wurde, dass das «Bienenheim» in den nächsten Jahren einen Investitions- und Unterhaltsbedarf von gegen 800 000 Franken aufweist, beschloss der Kirchenverwaltungsrat, erneut über den Verkauf abstimmen zu lassen. Im Vorfeld wurden verkaufskritische Bürger informiert. Danach setzten sich diese nicht mehr zur Wehr. An der Kirchbürgerversammlung am vergangenen Montag wurde die Vorlage gutgeheissen. «Oppositionslos», wie Leisebach sagt. Nun scheint das schwierige Kapitel für die Kirchgemeinde doch noch ein gutes Ende zu nehmen, denn es hätten sich bereits Interessenten gemeldet.

Niklaus Leisebach hält fest, dass er als Bewohner eines der Häuser bei allen Abstimmungen in Ausstand getreten war. Dies werde er auch bei allen weiteren Verhandlungen tun.

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