Die Kurve bleibt vorerst

Die Appenzeller Bahnen würden die Schlaufe rund ums Güterbahnhofareal gerne durch eine gerade Linienführung ersetzen. Um das Projekt Durchmesserlinie nicht zu blockieren, wird vorläufig aber an der heutigen Strecke festgehalten.

Tobias Hänni
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Unnötige Kurve: Statt parallel zu den SBB-Gleisen geradeaus, müssen die Züge der Appenzeller Bahnen beim Güterbahnhof eine Schlaufe fahren. (Bild: Coralie Wenger)

Unnötige Kurve: Statt parallel zu den SBB-Gleisen geradeaus, müssen die Züge der Appenzeller Bahnen beim Güterbahnhof eine Schlaufe fahren. (Bild: Coralie Wenger)

Die Linienführung der Appenzeller Bahnen (AB) beim Güterbahnhof St. Gallen ist aus historischen Gründen ein wenig umständlich: Vom Bahnhof her kommend biegen die Züge der AB nach der St. Leonhardsbrücke nach links ab und umfahren das Areal in einer Schlaufe. Eine der wichtigsten zentralen Baulandreserven der Stadt liegt dadurch eingeklemmt zwischen den Gleisen der SBB und der Linie der AB. Im Zusammenhang mit der künftigen Entwicklung des Areals, das seit September 2011 zu Teilen dem Kanton gehört, stellt sich die Frage: Weshalb wird das Gleis der AB nicht auf die nördliche Seite des Güterbahnhofareals verschoben? Eine gerade Verbindung parallel zu den dortigen SBB-Gleisen würde die Streckenführung vereinfachen und das Areal aufwerten.

«Die Ideallinie»

Es ist eine Frage, die man sich bei den AB auch schon gestellt hat: «Eigentlich würden wir die Strecke gerne nach Norden verschieben», sagt Mediensprecher Alexander Liniger. «Es wäre die Ideallinie.» Eine gerade Strecke im Bereich des Güterbahnhofs wäre primär wegen der kürzeren Fahrzeit ein Vorteil, so Liniger. «Auch wenn wir hier bloss von Sekunden reden.» Trotzdem: Die Idee ist vorerst auf Eis gelegt. Grund dafür ist das laufende Plangenehmigungsverfahren des Bundesamts für Verkehr für die Durchmesserlinie (DML) der AB zwischen Appenzell, St. Gallen und Trogen. Im Rahmen der DML sind auch Anpassungen der AB-Strecke im Güterbahnhofareal vorgesehen. So soll mit einem zweiten Gleis das Kreuzen von Zügen ermöglicht werden, um die Fahrplanstabilität zu erhöhen und Verspätungen abzufangen, heisst es in einer Info-Broschüre zur DML.

Durchmesserlinie geht vor

«Aufgrund der Unwägbarkeiten bezüglich der künftigen Entwicklung des Areals haben wir uns entschieden, bei den Anpassungen an der heutigen Linienführung festzuhalten», sagt Liniger. Eine dieser Unwägbarkeiten sei die vom Bund für die Entlastung der Stadtautobahn favorisierte Autobahnausfahrt auf dem Areal. «Wir möchten nun primär das Projekt DML vorantreiben und die Bewilligungen dafür erhalten.» Das Plangenehmigungsverfahren solle nicht durch einen Teilaspekt, bei dem die Planungssicherheit fehle, blockiert werden. «Zumal das Verfahren schon vor einem Jahr eröffnet worden ist», sagt Liniger. «Mitten im Verfahren die Linienführung zu ändern, könnte in Bern nicht so gut ankommen.»

Gerade Strecke bleibt Option

Mittelfristig bleibt die gerade Linienführung bei den AB aber eine Option. «Wir bleiben in dieser Hinsicht flexibel», sagt Liniger. Solange der Kanton auf dem Areal nichts Konkretes plane, sei man nicht unter Druck und könne auf die Idee in ein paar Jahren zurückkommen. Beim Kanton würden den AB in dieser Hinsicht keine Steine in den Weg gelegt. «Das Areal könnte mit der neuen Linienführung besser überbaut werden» sagt Kantonsingenieur Urs Kost. Man habe die Option mit den AB besprochen, sich aber vorerst bewusst dagegen und für die heutige Linie entschieden, um das Projekt DML nicht zu gefährden. «Mittelfristig, also in etwa fünf Jahren, können wir die Option nochmals prüfen», sagt Kost. Bis dahin sollte beim Kanton auch geklärt sein, was mit dem Güterbahnhofareal geschehen soll. Denn für die Realisierung eines geraden Gleises müsste laut Kost ein Stumpengleis nördlich der Güterbahnhofgebäude abgebrochen werden. «Sowohl das Gleis als auch das Gebäude wird zurzeit noch von Mietern mit langjährigen Verträgen genutzt.»

Wie sich die Verschiebung der AB-Gleise Richtung Norden auf die Planung des Autobahnprojekts Teilspange auswirken könnte, lässt sich heute noch nicht abschätzen: «Die Projekte werden aktuell unabhängig voneinander bearbeitet», sagt Kost.

SBB würden Anfrage prüfen

Klar ist hingegen, dass zur Linienführung nördlich des Güterbahnhofareals auch die SBB Hand bieten müssten. Diese sind im Besitz des westlichen Teils des Güterbahnhofareals und der angrenzenden Gleise. «Selbstverständlich würden wir eine Anfrage der Appenzeller Bahnen prüfen», sagt SBB-Mediensprecher Reto Schärli. Untersucht werden müsse, ob der Wunsch der AB mit den eigenen Immobilienplänen auf dem Areal vereinbar sei.