Die Kür der Kuriere in St.Gallen

ST.GALLEN. Schnell, professionell und charmant – so ist der perfekte Velokurier. Nächstes Jahr kommt die Crème de la Crème dieses Berufsstandes erstmals nach St.Gallen, um sich an der schweizerischen und deutschen Meisterschaft zu messen.

Kathrin Reimann
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Der St. Galler Kurier Silvio Schefer (rechts) an der Europameisterschaft 2013 in Bern. (Bild: pd)

Der St. Galler Kurier Silvio Schefer (rechts) an der Europameisterschaft 2013 in Bern. (Bild: pd)

Egal, ob ihnen die Sonne auf den Nacken brennt, der Wind um ihre Ohren bläst oder die Strasse voller Schnee, Laub oder Wasserpfützen ist – Velokuriere wickeln ihre Aufträge immer schnell, freundlich und professionell ab. Wenn sie auf ihren Velos, in bunter Montur und mit grosser Tasche, durch die Strassen flitzen, verleihen sie jeder Stadt gleich einen coolen Touch. Auch St.Gallen, hier sind die 20 Teilzeit-Kuriere vom Kurierdienst «Die Fliege» Tag für Tag im Einsatz.

Fahrt ums Kloster herum

Nächstes Jahr im September wird mit ihnen dann die Crème de la Crème der Schweizer und deutschen Velokuriere durch die Innenstadt brausen. Dann findet zum allerersten Mal die Meisterschaft der Velokuriere aus der Schweiz und Deutschland in St.Gallen statt. Organisiert wird sie vom Verein Sgcmc'15 St.Gallen (steht für Swiss & German Cycle Messenger Championship). Hinter dem Verein stecken velokurierangefressene Personen, die meisten sind selbst als Kuriere tätig. Wie etwa Sebastian Schefer. «Ich freue mich unheimlich, dass dieser Anlass endlich nach St.Gallen kommt.» Am Sonntag, 6. September, soll das Hauptrennen im und ums Klosterviertel stattfinden, wo die Kuriere in einem für Verkehr und Fussgänger abgesperrten Rundkurs fahren, Fracht aufnehmen und abgeben. «Eine spektakuläre Kulisse für Zuschauer wie Kuriere», sagt Schefer. Er erwartet, dass sich 100 bis 150 Velokuriere aus der Schweiz und aus Deutschland zum Qualifikationsrennen anmelden. Anmelden kann man sich in den Kategorien Mann und Frau, und auch Nichtkuriere dürfen mitfahren. Nach der einstündigen Qualifikation dürfen dann etwa 50 ins Main Race einziehen. «Dieses Rennen dauert drei bis vier Stunden, und die Kuriere müssen dabei zwischen 50 und 70 Aufträge abwickeln.» Das Rennen soll ungefähr einem normalen Arbeitstag eines Velokuriers entsprechen. Deshalb gehören auch komplexe Elemente wie Kreuzungen, steile Anstiege, Pflastersteine, Teerstrassen, schmale Gässchen und Kunden, die Lieferungen entgegennehmen, zum Rennen. «Die Kuriere werden auch auf ihre Freundlichkeit und auf ihren Charme bewertet», so Schefer. Das gehöre genauso zur sauberen Kurierarbeit. «Ansonsten müssen sie schnell sein, einen Plan im Kopf haben und professionell handeln. Während des Rennens dürfen sie keinen ihrer Checkpoints auslassen und nichts verlieren, sonst werden sie disqualifiziert.

Gefürchtete Kuriere aus Bern

Dem Gewinner winkt Ruhm und Ehre. «Je nach Sponsor gibt es auch Preise wie etwa einen Velorahmen.» Zudem wird dem Gewinner meist auch das Ticket an die Europameisterschaft bezahlt. Und die Schweizer Velokuriere sind gefürchtete Leute an internationalen Meisterschaften. So fährt der amtierende Weltmeister der Velokuriere aktuell in Bern. «Generell sind die Berner gefürchtete Gegner», erklärt Schefer. Gegner nicht menschlicher Natur sind derweil geplatzte Pneus, gerissene Ketten oder der Kontrollverlust über das Velo. Spezielle Trainingseinheiten brauchen die Kuriere allerdings nicht: «Unser Alltag ist das beste Training.»

Mehr als eine Meisterschaft

Die Meisterschaft in St.Gallen soll aber nicht einfach ein Wettbewerb sein, vielmehr ist sie auch ein Szenetreff und ein Anlass für die Vollblut-Kuriere, um sich auszutauschen und gemeinsam zu feiern. «Wir erwarten Kuriere aus Paris, Mailand, und es würde mich nicht wundern, wenn plötzlich ein australischer Kurier in St.Gallen steht.» Bis die Velokurier-Sause steigen kann, muss der Verein allerdings noch einiges organisieren: «Die Bewilligung steht, mit der Polizei und dem Kloster sind wir im Gespräch, das Datum ist gesetzt – nun suchen wir nach Helfern und Sponsoren, damit St.Gallen am 5. und 6. September zur Stadt der Velokuriere werden kann.»

Sebastian Schefer Mitorganisator Velokurier- Meisterschaft und Velokurier (Bild: pd)

Sebastian Schefer Mitorganisator Velokurier- Meisterschaft und Velokurier (Bild: pd)

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