Die kleinen Wunder des Fahrplans

Wenn einer eine Reise tut, so sagt man, kann er etwas erleben. In unseren Zeiten muss er nicht weit reisen, um Erstaunliches zu sehen. Ein Ausflug von St. Gallen an den Gübsensee reicht, um sich an Wundern der modernen Eisenbahn zu ergötzen.

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Ernsthaft: Vom Bahnhof St. Gallen ist man mit dem Zug 13.27 Uhr in 14 Minuten am Gübsensee. Mit einmal Umsteigen in Herisau. (Bild: Reto Voneschen)

Ernsthaft: Vom Bahnhof St. Gallen ist man mit dem Zug 13.27 Uhr in 14 Minuten am Gübsensee. Mit einmal Umsteigen in Herisau. (Bild: Reto Voneschen)

Wenn einer eine Reise tut, so sagt man, kann er etwas erleben. In unseren Zeiten muss er nicht weit reisen, um Erstaunliches zu sehen. Ein Ausflug von St. Gallen an den Gübsensee reicht, um sich an Wundern der modernen Eisenbahn zu ergötzen.

Es gibt sie immer noch

Ja, tatsächlich, das wunderbare Naherholungsgebiet am Gübsensee im Westen von St. Gallen ist mit dem Zug erreichbar. Vor etlichen Jahren wurde dort von der Bodensee-Toggenburg-Bahn (BT) eine Haltestelle eröffnet. Damals wurde das als touristische Errungenschaft gefeiert. Man hoffte, viele Spaziergängerinnen, Hündeler, Joggerinnen und Naturbegeisterte als neue Fahrgäste zu gewinnen. Tempi passati. Die BT heisst heute Südostbahn (SOB). Den Eisenbahnen wurde eingeredet, sie seien echte Unternehmen. Und natürlich stehen an ihrer Spitze jetzt Manager und keine eisenbahnverrückten Bähnler mehr.

Was es aber immer noch gibt, auch wenn es die meisten nicht wissen, ist die Haltestelle am Gübsensee. Zwar nicht mehr mit so vielen haltenden Zügen wie auch schon, aber einmal pro Stunde hat man von St. Gallen her sogar so etwas wie einen Viertelstundentakt. Dann wartet man aber wieder eine Stunde. Und der kurze Takt funktioniert auch nur, wenn man den Fahrplan richtig eingehend studiert. Alle potenziellen Reisenden an den Gübsensee seien an dieser Stelle ausdrücklich gewarnt: Ein kurzer Blick reicht wirklich nicht.

Gübsensee einfach – via Herisau

Der Zug zwölf Minuten nach der vollen Stunde fährt direkt zum See. Fahrzeit: fünf Minuten. Jener 27 Minuten nach der vollen Stunden braucht 14 Minuten. Was eigentlich stutzig machen sollte… Wen es das nicht macht, der landet in Herisau. Dort könnte er auf dem gleichen Perron in einen Richtung St. Gallen wartenden Zug umsteigen, der am Gübsensee hält. Nur, wer weiss das, wenn er plötzlich in Herisau ausgesetzt wird? Natürlich jeder, der sich den Fahrplan genau angeschaut hat, Dummchen.

Die anderen – auch der Stadtredaktor – wandern nicht um den lauschigen See, sondern der Kantonsstrasse und dem alten Bahntrassee entlang zurück nach Winkeln. Zwei Dinge lernt man dabei: Schau den Fahrplan immer genau an! Und ja, es gab sogar einmal eine gute uralte Eisenbahnzeit, in der die Urgrossväter der Appenzeller Bahnen (AB) nicht von Gossau, sondern auf einem schon lange abgebrochenen Schienenstrang von Winkeln her via Gübsensee nach Herisau fuhren. (vre)