Die Kirche ist ihr schweres Erbe los

Die Kirchgemeinde Mörschwil hat ihr ungeliebtes «Bienenheim» verkauft. Befürchtungen, die Liegenschaft komme in die Hände von Spekulanten, konnten zerstreut werden. Die Mieter jedenfalls dürfen bleiben.

Sebastian Schneider
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Die Kirchgemeinde Mörschwil konnte das «Bienenheim» im Weiler Beggetwil verkaufen. Die Mieter dürfen vorderhand in ihren Wohnungen bleiben. (Archivbild: Coralie Wenger)

Die Kirchgemeinde Mörschwil konnte das «Bienenheim» im Weiler Beggetwil verkaufen. Die Mieter dürfen vorderhand in ihren Wohnungen bleiben. (Archivbild: Coralie Wenger)

MÖRSCHWIL. «Ich bin froh, ist die ganze Sache vorüber», sagt Stefano Valentini, Kassier des Kirchenverwaltungsrates Mörschwil. Er war damit beauftragt, das «Bienenheim» im Weiler Beggetwil zu verkaufen. Nun ist es geschafft: «Seit Jahresbeginn haben wir nichts mehr mit den Liegenschaften zu tun», sagt Valentini. Warum er so erleichtert ist, liegt an der Vorgeschichte des Verkaufs. Die Kirchgemeinde war in eine verzwickte Situation geraten, aus der es nur einen Weg gab, der heftig umstritten war.

«Unchristliches» Vorgehen

Die Liegenschaften, zwei Wohnhäuser mit Nebengebäuden, gehörten einst dem verwitweten und kinderlosen Landwirt Alfons Bolt. Der 1971 verstorbene Katholik vermachte die Liegenschaften samt umliegender Fläche und angrenzendem Waldstück der Katholischen Kirchgemeinde Mörschwil. Sein Wille war, dass ein katholischer Landwirt den Hof bei der Kirchgemeinde pachtet und dass der Erlös für verschiedene Zwecke, unter anderem für die Pflege seines Grabes, verwendet wird. Doch es kam anders: An den Gebäuden entstand über die Jahre grosser Renovationsbedarf. Die Wohnungen konnten zwar vermietet werden, doch der Erlös, den die Stiftung Bienenheim abwarf, reichte nicht einmal für den Unterhalt. «In manchen Jahren war das <Bienenheim> ein Minusgeschäft.» Die Kirchgemeinde beschloss 2013, das Haus entgegen der Absicht von Alfons Bolt zu verkaufen. Um seinem Willen doch irgendwie gerecht zu werden, setzte die Kirchgemeinde voraus, dass nur ein Mörschwiler Katholik die Liegenschaft kaufen darf. So weit, so gut. Doch dass das Haus an den Meistbietenden gehen soll, wie in den Inseraten im Mörschwiler Gemeindeblatt im vergangenen Sommer stand, stiess einigen sauer auf. Das Vorgehen sei «unchristlich», hiess es etwa. Es wurde befürchtet, dass das Haus Spekulanten verkauft würde und die Mieter ihr Zuhause verlören. «Der Boden in Mörschwil ist begehrt», räumt Valentini ein. Die Befürchtungen seien ein Stück weit nachvollziehbar gewesen. Doch kürzlich konnte er im Mörschwiler Gemeindeblatt Skeptikern den Wind aus den Segeln nehmen. Die Kirchgemeinde teilte nämlich mit, dass der Käufer alle bestehenden Mietverhältnisse übernehmen und die Liegenschaft nicht selber bewohnen werde. Die im Spätsommer freigewordene Wohnung wird neu vermietet.

Der Käufer schweigt

Beim Verkauf seien die Kriterien eingehalten worden. Über ein halbes Dutzend Angebote sind laut Valentini eingegangen. Den Kriterien standgehalten und am meisten geboten hatte Rolf Stiegeler. Über die Gründe für den Kauf und weitere Pläne schweigt sich der Immobilienhändler und Steuerberater aus. Bei Mietern ist aber zu erfahren, dass Verträge abgeschlossen wurden und eine schriftliche Zusicherung für ein langjähriges Mietverhältnis vorliegt.

Der Verkaufspreis wird nicht genannt. Ersichtlich werde dieser erst im Amtsbericht sein, sagt Valentini. Dafür könne er sagen, dass die Kosten, die mit der Verwaltung des «Bienenheims» angefallen seien, gedeckt werden könnten. Zudem bleibe ein Betrag übrig, der laut Valentini den Kirchbürgern zugute kommen soll. In welcher Form, sei noch nicht entschieden. Als eine Idee nennt er eine Senkung der Kirchensteuer.

Das Grab bleibt

Das ganze Erbe von Alfons Bolt hat die Kirchgemeinde Mörschwil mit dem Verkauf indes nicht abgetreten. Die angrenzende Fläche werde verpachtet, und Waldbesitzerin sei die Gemeinde weiterhin. Auch das Grab des ehemaligen Eigentümers wird, wie er es verlangte, weiterhin gepflegt.