Die Karten sind verteilt

ST.GALLEN. Zehn Tage vor den Wahlen steht fest, welcher St.Galler Ständeratskandidat welche Unterstützung erfährt. Am meisten Organisationen kann Paul Rechsteiner hinter sich versammeln.

Regula Weik
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Allein nach der Wählerstärke beurteilt, müsste der zweite St. Galler Ständerat Toni Brunner heissen. 31,5 Prozent Stimmenanteil hat seine Partei, die SVP, in den Nationalratswahlen Ende Oktober erzielt; sie ist damit nach wie vor stärkste Partei im Kanton. Die CVP, die seit Jahrzehnten einen der beiden Ständeratssitze «abonniert» hatte, holte 20,3 Prozent der Wählerstimmen. Die Partei wechselte nach dem ersten Wahlgang den Kandidaten aus. Neu in die Hosen gestiegen ist Michael Hüppi. Schliesslich die SP. Sie tritt auch im zweiten Wahlgang mit Paul Rechsteiner an; er hatte im ersten Wahlgang rund 12 000 Stimmen weniger als Toni Brunner erzielt. Der Wähleranteil seiner Partei: 16,7 Prozent.

Rein rechnerisch betrachtet hat Toni Brunner also einen komfortablen Vorsprung auf seine beiden Konkurrenten. Und gegenüber Michael Hüppi zusätzlich den Vorteil der Bekanntheit. Dies allerdings kann auch Paul Rechsteiner für sich beanspruchen.

Unterstützung von Verbänden

Klar ist: Alle drei wollen in zehn Tagen gewählt werden – entsprechend intensiv haben sie sich in den vergangenen Wochen um Unterstützung bemüht. Rein quantitativ betrachtet schwingt Paul Rechsteiner hier obenaus.

Der Gewerkschaftspräsident und SP-Nationalrat kann auf die Grünen und die Grünliberalen zählen. Und er wird von zahlreichen Umweltverbänden unterstützt, so etwa von Pro Natura und WWF. Auch der Verkehrsclub steht hinter dem SP-Mann. Wie auch die Gewerkschaft Syna und der Kaufmännische Verein Ost. Schliesslich hat sich ein Frauenkomitee für Rechsteiner gebildet sowie ein Komitee «Junge für Paul». Initianten sind die Juso, die Jungen Grünen und die Unia Jugend. Rechsteiner ist mit Jahrgang 1952 der älteste der drei Kandidaten – und auch der amtsälteste Nationalrat überhaupt. Er vertritt den Kanton seit 1986 in Bern.

CSPler gegen Hüppi?

Der Stadtsanktgaller Rechtsanwalt Michael Hüppi kann auf die Unterstützung der Freisinnigen zählen. Auch die BDP empfiehlt ihn zur Wahl. Und die Christlichsozialen? Sie haben sich am Wochenende ebenfalls hinter Hüppi gestellt – auch wenn einige CSPler mit der Nomination Hüppis unzufrieden sind. Einer von ihnen, alt Kantonsrat Léon Strässle, hat sich bereits geoutet: Er gibt seine Stimme Toni Brunner, als Mitglied eines unabhängigen Komitees «Toni Brunner für St. Gallen in den Ständerat». Heute inserieren zudem «unabhängige Bürger aus der Mitte» – darunter CSPler –, die Paul Rechsteiner unterstützen.

Hinter Hüppi stellt sich dagegen die Industrie- und Handelskammer St. Gallen-Appenzell. Ebenso die regionale Wirtschaft (Wirtschaft Region St. Gallen, Gewerbe Stadt St. Gallen, Industrievereinigung Winkeln und Wirtschaft St. Gallen Ost).

Kein Profil von Brunner

Toni Brunner kann bislang auf seine eigene Partei und die EDU zählen – und auf den kantonalen Gewerbeverband.

Der Toggenburger Brunner hat als einziger der drei Kandidaten den Smartvote-Fragebogen nicht ausgefüllt. Die Internet-Wahlhilfe Smartvote hatte die Kandidaten zu acht Themenbereichen befragt und aufgrund ihrer Antworten ein politisches Profil erstellt. Die Profile von Hüppi und Rechsteiner zeigen, dass der SP-Nationalrat eine offene Aussenpolitik, den Ausbau des Sozialstaates und des Umweltschutzes weit höher gewichtet als der CVP-Mann. Dafür sind Hüppi eine restriktive Finanzpolitik, eine liberale Wirtschaftspolitik sowie Recht und Ordnung wichtiger als Rechsteiner.

Bild: REGULA WEIK

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