Die Kamera ist immer dabei

Seine Fotografien sollen nicht im Computer schlummern, sagte sich Klaus Stadler aus St. Georgen. Seit 2011 schickt er sie daher regelmässig ans St. Galler Tagblatt – und freut sich jedesmal, wenn eines der bunten Bilder veröffentlicht wird.

Anina Rütsche
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Im Grünen daheim: Auch der eigene Garten im St. Georgen-Quartier ist für Klaus Stadler ein Fotomotiv. (Bild: Luca Linder)

Im Grünen daheim: Auch der eigene Garten im St. Georgen-Quartier ist für Klaus Stadler ein Fotomotiv. (Bild: Luca Linder)

Wenn Klaus Stadler unterwegs ist, und das ist er oft, hat er stets einen Rucksack bei sich. Darin befindet sich seine Spiegelreflexkamera, mit der er besondere Augenblicke in und um St. Gallen einfängt – viele davon haben als Leserbilder den Weg ins Tagblatt gefunden. «Ich entdecke überall ein Motiv, das mich packt», sagt der 58-Jährige. Insbesondere kleine Gewässer wie der Wenigerweier haben es ihm angetan: «Diese Orte strahlen eine Ruhe aus, die man woanders nicht findet.» Klaus Stadler ist jedoch nicht gelernter Fotograf, sondern Physiotherapeut mit eigener Praxis. Als «Fotomacher», wie er sich selbst bezeichnet, betätigt er sich in der Freizeit. Unter anderem auf dem «schönsten Arbeitsweg der Schweiz», der ihn frühmorgens und am Abend an den Drei Weieren vorbei führt – zu Fuss oder per Velo.

Das Bad als Dunkelkammer

Klaus Stadler fotografiert seit den frühen 70er-Jahren. «Ich wollte Schönes nicht bloss erleben, sondern auch festhalten», erklärt er. «Die Kamera ermöglicht mir das.» Früher habe er jeweils das heimische Badezimmer zur Dunkelkammer umfunktioniert, um seine Filme zu entwickeln. Das sei sehr umständlich gewesen. «Ich musste das Fenster vollständig abdecken und das Schlüsselloch überkleben», erinnert er sich und lacht. Seit knapp zehn Jahren setzt Klaus Stadler bei seinem Hobby auf die digitale Technologie. Sein Archiv umfasst mittlerweile einige tausend Bilder. Sie zeigen mehrheitlich Szenen aus der Natur oder der St. Galler Altstadt, allesamt in kräftigen Farben.

Einsendung auf gut Glück

Anfang 2011 beschloss Stadler, dass seine Fotografien «nicht auf ewig im Computer schlummern sollen». Kurz zuvor hatte er bei einer Winterwanderung ein Foto geschossen, das zwei einsame verschneite Tannen zeigt, hinter denen weisse Berggipfel aus dem Nebel ragen. «Mir lag viel daran, diesen faszinierenden Augenblick mit anderen zu teilen», sagt Stadler rückblickend. Also fasste er sich ein Herz und schickte das Bild an die Stadtredaktion des Tagblatts. Er staunte nicht schlecht, als seine Tannen und Berge auf Anhieb abgedruckt wurden. «Das motivierte mich, weitere Bilder einzusenden», sagt Stadler. Diese Entscheidung bereut er nicht: Bis heute sind 65 seiner Fotografien in der Zeitung erschienen. «Und ich mache weiter», sagt er. Ende Juli findet die Vernissage seiner ersten Ausstellung statt.

Fotografieren mit der Seele

Von Freunden und Nachbarn, aber auch von Fremden hat der «Fotomacher» seit seiner ersten Veröffentlichung positive Rückmeldungen erhalten. «Herr Stadler, Sie fotografieren nicht nur mit dem Auge, sondern auch mit der Seele», schrieb zum Beispiel eine Tagblatt-Leserin in einem persönlichen Brief.

Solche Reaktionen freuen den Physiotherapeuten, der mit seiner Frau in einem stilvoll eingerichteten Einfamilienhaus in St. Georgen wohnt. Die beiden Kinder, mittlerweile erwachsen, sind ausgeflogen. Zusammen mit seiner Familie ist Klaus Stadler vor 30 Jahren in die Gallusstadt gezogen. Ihm, dem gebürtigen Bregenzer, sei damals eine vielversprechende Stelle am St. Galler Kantonsspital angeboten worden. Noch immer ist in Stadlers Schweizerdeutsch eine vorarlbergische Färbung auszumachen. «Ich fühle mich aber als St. Galler», sagt er, und seine Augen leuchten. «Diese Stadt ist so prächtig und vielfältig – das ist der Himmel auf Erden.»

www.stgallerbild.ch