Die Jungen trauen sich

Kommentar

Daniel Wirth
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Jetzt treten auch noch die Jungsozialisten an bei der Ersatzwahl in den Stadtrat. Die Juso haben gestern völlig überraschend den 20-jährigen Andri Bösch nominiert. Und so begründen die Juso ihre Kandidatur: Die CVP habe es verpasst, für den aus gesundheitlichen Gründen zurücktretenden Nino Cozzio einen würdigen Nachfolger zu nominieren.

CVP-Kandidat Boris Tschirky politisiere derart weit rechts, dass er auch in die SVP passe, lautet die Einschätzung der Juso. Tschirky als Rechtsbürgerlichen zu bezeichnen, ist überspitzt und auch nicht ganz fair von den Juso. Gut: Tschirky ist rechts der politischen Mitte und im rechten Flügel der Christdemokraten anzusiedeln. Rechtsbürgerlich ist er indessen nicht.

Die SP hält derzeit zwei von fünf Sitzen im Stadtrat. Ist es da nicht vermessen, dass die Jungsozialisten antreten? Ganz im Gegenteil! Obschon der eine oder andere erfahrene Genosse das überraschende Vorpreschen der Jungmannschaft für wahlstrategisch ungeschickt halten dürfte - die St. Galler Jungsozialisten sind mutig, wohltuend frech und sie mischen mit der Kandidatur von Andri Bösch das politische Establishment in der Kantonshauptstadt etwas auf.

Die Chancen für Bösch, gewählt zu werden, sind gering. Auch dann, wenn die Juso wie angekündigt einen engagierten Wahlkampf führen werden. Bis jetzt stehen neben Andri Bösch drei Kandidierende von CVP, SVP und Grünen fest; sie sind um die 50 oder älter. Wenn die Jungsozialisten einen Achtungserfolg erzielen wollen, sollten sich nicht Gegenkandidaten in eine Ecke stellen, wo diese nicht hingehören. Sie sollten dafür auf eines setzen: auf ihre Jugendlichkeit. Die Jungen haben heute keine Stimme im Stadtrat.

Daniel Wirth

daniel.wirth@tagblatt.ch