Die jüngste Stadtpartei wird langsam erwachsen

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Flegeljahre Die Grünliberalen sind heute die jüngste Partei im Stadtparlament. Seit Anfang Jahr haben sie dort fünf Sitze und damit eine eigene Fraktion. Vorher politisierten sie mehr als ein Jahrzehnt im Verbund mit den Grünen, von denen sie sich vor 13 Jahren in einem ziemlich langen und schmerzhaften Prozess lösten. Der öffentliche Dauerstreit, der während der Wahlen 2003/04 mit dem Ablösungsprozess einherging, wirkt bei einzelnen grünliberalen und grünen Akteuren auf städtischer Ebene nach. Sie sind sich bis heute «gar nicht grün», um den Spruch eines Beobachters der städtischen Politszene zu zitieren.

Auf Anhieb vier Sitze im Stadtparlament erobert

Nach Krach bei den eidgenössischen Wahlen 2003 sowie den Kantonsratswahlen 2004 traten die Grünliberalen im Herbst 2004 erstmals mit einer eigenen Liste zu den Stadtparlamentswahlen an. Sie errangen dabei, in Listenverbindung mit den Grünen, auf Anhieb vier Sitze. Das für einen Newcomer ausgezeichnete Resultat verdankten sie einzelnen Wahllokomotiven, die von den Grünen zu ihnen übergetreten waren. Darunter waren Panaschierkönig Albert Nufer und die langjährige Stadtparlamentarierin Angela Tsering. Beide sind heute politisch nicht mehr aktiv.

2008 gelang es den Grünliberalen ihre vier Mandate im Stadtparlament über die Runden zu bringen. Dies trotz schwieriger Ausgangslage ohne Listenverbindung mit den Grünen und ohne Albert Nufer, der in den Kantonsrat gewechselt war. Das grünliberale Ziel, den fünften Sitz und die Fraktionsstärke, wurde bei den Stadtparlamentswahlen 2012 zwar nicht erreicht, doch die vier bisherigen Mandate brachte die Partei problemlos ins Trockene.

Und jetzt kommt die jüngste Stadtpartei langsam aus ihren Flegeljahren heraus. Bei den Parlamentswahlen 2016 reichte es – dank eines SVP-Überläufers – zum fünften Sitz und zur Fraktion. Der erste Startversuch mit einem Kandidaten für die Stadtratswahlen war im ­vergangenen Herbst noch ein Flop: Der Quereinsteiger Veit Rausch warf nach knapp drei Wochen Wahlkampf vorzeitig das Handtuch. Das, so versprach gestern Sonja Lüthi als Kandidatin für die Stadtratswahlen vom 24. September, werde diesmal nicht geschehen. (vre)