Die HSG und das Platzproblem

ST.GALLEN. Die Universität St.Gallen (HSG) will 2025 am Platztor einen zweiten Campus beziehen. Kritische Stimmen dazu blieben auch am SP-Stadtspaziergang zur HSG nicht aus. Die Alternativen scheinen aber wenig praktikabel.

Luca Ghiselli
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Die HSG will ausbauen: Sowohl auf dem Rosenberg als auch auf dem Platztor-Areal soll Neues entstehen. (Bild: Ralph Ribi)

Die HSG will ausbauen: Sowohl auf dem Rosenberg als auch auf dem Platztor-Areal soll Neues entstehen. (Bild: Ralph Ribi)

Es war eine Nachricht, die hohe Wellen schlug: Anfang November gaben Vertreter von Kanton, Stadt und Universität bekannt, am Platztor einen zweiten Campus zu planen. Zwei Wochen später segnete das Stadtparlament dann den Verkauf des Areals ab. Mit dem zweiten Standort, der Platz für rund 3000 Studierende bieten wird, soll das stetige Wachstum der HSG aufgefangen werden. Dieser Erweiterung sowie der Beziehung zwischen Stadt und Universität war der SP-Stadtspaziergang vom Donnerstagabend gewidmet.

Vom Platztor die Böcklinstrasse hinauf via Kollertreppe und Müller-Friedberg-Strasse führte Hans Jörg Baumann, Leiter Infrastruktur der HSG, die rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer vom neuen Campus der Zukunft zum alten oben auf dem Rosenberg.

Die HSG greifbarer machen

Hans Jörg Baumann betonte während der Führung die Notwendigkeit des Ausbaus. «Die Zahl der Studierenden wird sich voraussichtlich bei 9000 bis 10 000 einpendeln.» Mit dem Platztor-Areal habe man «eines der letzten grossen Areale» gefunden, das den Ansprüchen der Universität gerecht wird. 15 Minuten Gehdistanz zum Campus auf dem Rosenberg, Anbindung an den öffentlichen Verkehr und Nähe zur Innenstadt.

Das Vorhaben lasse ausserdem Stadt und Universität zusammenrücken: «Wir wollen die HSG greifbarer machen.» Auch Ideen für eine Drittnutzung der Räumlichkeiten hat Baumann parat. Eine Pizzeria, Papeterie oder Bank seien zum Beispiel denkbar.

Vorwurf der Verdrängung

Für Diskussionsstoff sorgte während des von SP-Nationalratskandidat Samuel Brülisauer organisierten Spaziergangs die geplante Erweiterung der HSG-Bibliothek. Diese sei, so Baumann, heute für 3500 Studierende ausgelegt. Ein Ausbau im nördlichen Bereich (Girtannersberg) würde Platz für bis zu 9000 Studierende schaffen. Dies würde aber bedeuten, dass die dort ansässigen Familiengärten weichen müssten. «Wir wollen eine integrative Lösung», sagt eine Teilnehmerin am Spaziergang, deren Familie seit 72 Jahren im Besitz einer Parzelle ist. Sie wollte von Hans Jörg Baumann wissen, ob nicht eine kreativere Lösung möglich sei. Ein anderer Teilnehmer hielt fest, dass der HSG nicht nur Familiengärten weichen müssten, sondern auch die Offene Kirche. Als Stadtbewohner könne man diese Entwicklung nicht ohne Wenn und Aber gutheissen. «Was sagen Sie zum Vorwurf der Verdrängung?» Baumann argumentierte, der Plan B würde das Rotmonten-Quartier noch stärker belasten.

Provisorien oder Schichtbetrieb

Die einzige Option im Falle eines Scheitern des Projekts sei es, nach weiteren Provisorien zu suchen und allenfalls sogar einen Drei-Schicht-Betrieb einzuführen. Dies würde zu Lärmemissionen zu später Stunde führen, die nicht im Interesse der Quartierbewohner liegen könnten, so Baumann.

Samuel Brülisauer, der sich selbst als «einer der wenigen Stadtsanktgaller, die auch an der HSG studieren» bezeichnete, bestätigte aus erster Hand die Platzprobleme der Uni. Auf Frage aus dem Publikum, ob man den Studierenden neben der zu kleinen Bibliothek nicht auch andere Räume zur Verfügung stellen könne, antwortete der Student: «Das ist bereits heute so, Studierende können Räume buchen. Auch die Cafeteria und Arbeitsplätze auf dem Gang sind oft belegt.» Ihm gehe es um Generationengerechtigkeit und verantwortungsvolles, umsichtiges Bauen.

Weltbeste müssen weltoffen sein

Auf Hans Jörg Baumanns Ausführungen folgte ein Referat von Christoph Frei, Professor für Politikwissenschaft an der HSG. Er hielt fest, dass der Anspruch der Universität, zu den Besten weltweit zu gehören, auch eine Weltoffenheit voraussetze. Dies vor dem Hintergrund, dass ein Viertel aller HSG-Studierenden aus dem Ausland kommen. Es gebe also nur wenige Alternativen, sofern man zu den besten Universitäten gehören wolle.

Derzeit befindet sich das Projekt der HSG-Erweiterung in der Masterplanung. 2017 sollen die parlamentarischen Verfahren durchgeführt werden, im Herbst gleichen Jahres ist eine Volksabstimmung vorgesehen. Danach findet ein Wettbewerb statt, Baustart ist gemäss Plan Ende 2022.

Weitere Infos: www.zukunfthsg.ch