Die HSG rückt in die Stadt vor

An der Universität St. Gallen startet mit dem Herbstsemester auch wieder das öffentliche Programm. Dessen Bezug zu St. Gallen und zur Region wird immer stärker. Mittlerweile wird fast ein Drittel der Vorlesungen in der Stadt durchgeführt.

Lea Müller
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Öffentliche Vorlesungen finden erstmals auch in den neuen Hörsälen der HSG an der Tellstrasse 2 statt. (Bild: Coralie Wenger)

Öffentliche Vorlesungen finden erstmals auch in den neuen Hörsälen der HSG an der Tellstrasse 2 statt. (Bild: Coralie Wenger)

Am 16. September beginnt für Studenten und Dozierende an der Universität St. Gallen das Herbstsemester. Doch nicht nur für sie. Auch Interessierte aus der Bevölkerung haben wieder Zugang zu den Hörsälen an der HSG: Für 20 Franken pro Semester können sie 38 öffentliche Vorlesungen besuchen. «Das Angebot wird erfahrungsgemäss gut genutzt», sagt Programmleiterin Yvette Sánchez. Durchschnittlich 57 Hörerinnen und Hörer werden pro Vorlesung gezählt. Viele von ihnen sind Stammgäste, die mehrere Vorlesungen besuchen. In der Broschüre zum aktuellen Vorlesungsverzeichnis sind Fotos von einigen dieser fleissigen «Studenten» abgebildet. «Als Dankeschön für ihre Treue», sagt Yvette Sánchez, die zum letzten Mal für das Programm verantwortlich zeichnet. Im nächsten Frühjahrssemester übergibt sie diese Aufgabe an ihren Nachfolger Caspar Hirschi.

Digital und handschriftlich

Viele der Vorlesungen im aktuellen Herbstprogramm stellen wiederum einen Bezug zur Stadt St. Gallen und zur Region her. «Spannend» dürfte laut Yvette Sánchez die Vorlesung «Ostschweizer Medienlandschaft – digitalisiert» werden. Die HSG lädt im Oktober und November Ostschweizer Chefredaktoren ein, über den digitalen Umbruch in der Medienbranche und die Auswirkungen auf gedruckte und audiovisuelle Medien zu referieren. Dabei gibt es aber kein Podiumsgespräch, sondern sechs Einzelauftritte. Den Auftakt zur Vorlesungsreihe macht am 21. Oktober Philipp Landmark, Chefredaktor des St. Galler Tagblatts. Zu Gast in der Reihe sind unter anderen auch Urs Ellenberger, Redaktionsleiter «20 Minuten» in St. Gallen, und David Sieber, Chefredaktor der «Südostschweiz».

Während die Ostschweizer Chefredaktoren einen «Blick nach vorne» werfen, schaut die Stiftsbibliothek mit einer öffentlichen Vorlesung auf die Stadtgeschichte zurück. Franziska Schnoor, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Stiftsbibliothek St. Gallen, führt die Hörerinnen und Hörer in die Geheimnisse mittelalterlicher Handschriften ein. An vier Abenden im November und Dezember werden Handschriften aus dem Kloster St. Gallen studiert.

Kino, Oper und Theater

Unter den Dozenten mit Bezug zu St. Gallen ist auch Stadtbaumeister Erol Doguoglu. Er lädt zu einer architekturgeschichtlichen Reise durch das Medium Kino. Quer durch alle Genres und Formate wird «Architektur im Film» besprochen. Lebensstil-Forscherin und Soziologin Monika Kritzmöller konzentriert sich in ihrer Vorlesung auf St. Gallen «im Sonneschij», die florierende Zeit der Stadtgeschichte um 1900.

Auch die städtische Kultur kommt im öffentlichen Vorlesungsverzeichnis nicht zu kurz. So lässt der St. Galler Operndirektor Peter Heilker die historische Entwicklung klassischer Gesangsstile über mehrere Jahrhunderte Revue passieren. Ein Blick hinter die Kulissen ermöglicht die Vorlesung von Nina Stazol, leitende Schauspieldramaturgin am Theater St. Gallen. Das Publikum kann die Inszenierung von Schillers «Kabale und Liebe» begleiten, das ab nächstem Januar aufgeführt wird.

Universität mitten in der Stadt

Die Zusammenarbeit mit verschiedenen Institutionen wie der Stiftsbibliothek und dem Theater St. Gallen sei in den letzten Jahren verstärkt worden, sagt Yvette Sánchez. Was mittlerweile dazu geführt habe, dass ein Drittel der öffentlichen Vorlesungen nicht mehr auf dem Rosenberg stattfindet, sondern mitten in der Stadt. Etwa in der Hauptpost, im Festsaal zu St. Katharinen oder im Restaurant Gentile.

In diesem Herbstsemester werden zudem erstmals Vorlesungen in den neuen HSG-Hörsälen an der Tellstrasse 2 durchgeführt. Die Nähe zum Stadtzentrum und zum Bahnhof sei ein grosser Pluspunkt, hält die Programmleiterin fest. «Je zentraler die Veranstaltungsorte liegen, umso besser sind die Vorlesungen besucht.»

www.unisg.ch