Die Hotelfronten aufweichen

An einem runden Tisch will der Stadtrat zusammen mit dem Hotelierverein, St. Gallen-Bodensee Tourismus und der Olma-Direktion die künftige touristische Marschrichtung festlegen. An grossen Kongressen soll festgehalten werden.

David Gadze
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Die Wiederbelebung des Hotels Ekkehard ist ebenso gescheitert wie der Bau eines Kongresszentrums mit Hotel auf dem Olma-Areal. (Archivbild: Coralie Wenger)

Die Wiederbelebung des Hotels Ekkehard ist ebenso gescheitert wie der Bau eines Kongresszentrums mit Hotel auf dem Olma-Areal. (Archivbild: Coralie Wenger)

Die Diskussion um die touristische Positionierung der Stadt St. Gallen flammt wieder auf. Grund dafür ist der Verlust des zweiten internationalen Kongresses innerhalb eines Jahres – nach dem Brustkrebskongress wandert auch der Darmkongress aus der Stadt ab (Tagblatt vom 15. März). In die Debatte schaltet sich nun auch der Stadtrat ein: An einem runden Tisch mit dem Hotelierverein St. Gallen-Bodensee, der Olma-Leitung und St. Gallen-Bodensee Tourismus soll «eine Auslegeordnung gemacht werden», sagt Stadtpräsident Thomas Scheitlin. Das erste Treffen findet bereits diesen Freitag statt.

Angebotslücken schliessen

Diese Auslegeordnung besteht im Wesentlichen aus zwei Punkten: «In einem ersten Teil wollen wir die Ausgangslage analysieren und die verschiedenen Ansichten einander gegenüberstellen», sagt Scheitlin. Im zweiten Teil sollen in Workshops «gemeinsame Handlungsfelder» abgesteckt und Massnahmen entwickelt werden, um die Attraktivität der Stadt als Kongressstandort zu sichern. Dazu müssten in erster Linie Angebotslücken geschlossen werden. Deshalb wird seitens der Stadt auch die Standortförderung vertreten sein. Der Stadtpräsident spricht von einem «Prozess, der länger dauern wird».

Das Hauptziel sei, allgemeine Bedürfnisse der Kongressanbieter an einen Standort wie die Stadt St. Gallen zu eruieren. Der Stadtrat wolle jedenfalls weiterhin auf Kongresse setzen, betont Scheitlin. In den acht Handlungsfeldern der Vision 2020 des Stadtrats ist festgehalten, dass «ein aktives Kongresszentrum» für einen «Standort mit Chancen» wichtig sei. Das sei letztlich Teil der Wissensvermittlung und der Bildung.

Freizeittourismus stärken

Neben dem Kongress- sollen aber auch mögliche Massnahmen zur Stärkung des Freizeittourismus eruiert werden. «Die ganze Region hat das Potenzial, sich in diesem Bereich zu steigern», sagt Scheitlin. Es sei jedoch Aufgabe von St. Gallen-Bodensee Tourismus, neue Märkte zu erschliessen. Die Stadt werde sich hier nicht einmischen. «Wir wollen nun herausfinden, wie diese Märkte gestaltet sind und in welchem Segment wir uns positionieren möchten.»

Gerade bei der Frage des richtigen Segments und der Ausrichtung gehen die Meinungen auseinander. Markus Kraus, Präsident des Hoteliervereins St. Gallen-Bodensee und General Manager des St. Galler Kongresshotels Einstein, hatte gegenüber der Ostschweiz am Sonntag betont, die Fokussierung auf grosse Kongresse sei falsch. Statt neuen Hotels, die nur zwei- oder dreimal im Jahr gefüllt wären, müssten die bestehenden besser ausgelastet werden.

Ein strukturelles Problem

Olma-Direktor Nicolo Paganini hingegen kritisiert, die Kongresse würden deshalb in andere Städte ziehen, weil es in St. Gallen und Umgebung zu wenig grosse Zwei- und Drei-Stern-Hotels gebe. Sowohl bei der durchschnittlichen als auch bei der Gesamtzahl der Zimmer in diesen Kategorien hinke St. Gallen anderen Schweizer Städten wie Basel oder Luzern weit hinterher. Klassische Businesshotels mit mehr als 100 Zimmern gebe es gar keine, mindestens zwei seien aber notwendig. Kongressveranstalter und Messeteilnehmer wünschten sich Hotels mit 80 bis 100 Zimmern, um ihre Gäste optimal versorgen zu können.

Es sei auch nicht richtig, dass solche Hotels längst gebaut worden wären, wenn sich der Betrieb lohnen würde, betont Paganini. «Unser eigenes Projekt ist ebenso gescheitert wie der Ausbau des Hotels Ekkehard.» Einen neuen Anlauf mit einem eigenen Hotel in Zuge des Neubaus der Halle 1 wolle die Olma aber nicht nehmen. «Wir wollen künftig in unser Kerngeschäft investieren.»