Die Hochzeitsreise hat begonnen

UNTEREGGEN. In den nächsten Wochen haben Frösche, Kröten und Molche nur noch eines im Kopf: Die Reise zu ihren Laichgewässern. Damit sie nicht Autos zum Opfer fallen, ist ein Helferteam im Einsatz.

Lea Müller
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Der grüne Plastikzaun schützt wandernde Amphibien vor der Strasse. In den Eimern werden sie sicher zum Möttelischlossweiher transportiert. (Bild: Lea Müller)

Der grüne Plastikzaun schützt wandernde Amphibien vor der Strasse. In den Eimern werden sie sicher zum Möttelischlossweiher transportiert. (Bild: Lea Müller)

Langsam erwachen die Amphibien im Raum Rorschach aus ihrer Winterstarre. Die Laichwanderung zum Möttelischlossweiher in Untereggen hat begonnen. Das zehnköpfige Helferteam rund um Josef Zoller, Kuno Feurer und Joe Bischof hat alle Hände voll zu tun: Seit dem ersten März sammeln sie wieder jeden Morgen Frösche, Kröten und Molche ein, um sie sicher über die gefährliche Strasse zum Weiher zu bringen.

Unterstützung von Schulklassen

Seit Ende Februar sind die grünen Sperren aufgebaut: 800 Meter entlang der Untereggerstrasse und 100 Meter beim Mühleberg in Goldach. Die Amphibien wandern am Plastikzaun entlang, bis sie in die im Boden versenkten Eimer plumpsen. Die Hochzeitsreise der Amphibien hat dieses Jahr leicht verspätet begonnen: «Die Eistage Ende Januar bis Mitte Februar sind schuld», sagt der pensionierte Primarlehrer und Amphibienretter Kuno Feurer. Feuchtes Wetter und etwa sechs Grad über dem Gefrierpunkt seien ideale Bedingungen für die Laichwanderung. Wenn die Temperaturen noch weiter steigen, kommt die Zeit der grossen Zugnächte. Dann sind so viele Grasfrösche, Erdkröten und Molche unterwegs, dass auch Schulklassen bei der Amphibienrettung helfen. Kuno Feurer erwartet, dass sich die Hochzeitsreise inklusive Rückwanderung noch bis Mitte April hinziehen dürfte.

12 000 Tiere gerettet

Kuno Feurer, Josef Zoller und Joe Bischof hoffen, dass sie wieder möglichst vielen Tieren bei ihrer Wanderung helfen können. Im vergangenen Jahr fanden sie in den Eimern etwa 12 000 Amphibien, davon 6000 Grasfrösche, 5000 Erdkröten und etwa 1000 Molche. Bei letzteren handelte es sich vor allem um Bergmolche, aber auch einige wenige der seltenen Faden- und Teichmolche waren dabei.