Die hartnäckigen Helferinnen

Armut, mangelnde medizinische Versorgung und Schüsse in der Nacht – das schreckte drei junge Frauen nicht davon ab, sich im Ausland für soziale Projekte zu engagieren. Heute erzählen sie im Kirchgemeindehaus Abtwil von ihren Erlebnissen.

Lea Müller
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Engagieren sich für Kinder in Südafrika: Sarina Fässler (links) und Elena Sarisin wollen in einem Kinderhort ein neues Klassenzimmer bauen. (Bild: Coralie Wenger)

Engagieren sich für Kinder in Südafrika: Sarina Fässler (links) und Elena Sarisin wollen in einem Kinderhort ein neues Klassenzimmer bauen. (Bild: Coralie Wenger)

Abtwil. Sarina Fässler und Elena Sarisin wussten nicht genau, wo sie schlafen, essen und arbeiten würden. Sie wussten nicht, was in Kapstadt – einer Stadt mit hoher Kriminalitätsrate – auf sie zukommen würde. Trotzdem packten sie ihre Koffer und reisten nach Südafrika. «Das brauchte schon etwas Mut», gestehen sie. «Aber der Wunsch, kranken und bedürftigen Kindern zu helfen, war stark genug.» Drei Monate lang wohnten die Abtwilerin und die St. Gallerin bei einer Gastfamilie in einem der ärmsten Quartiere der Vorstadt und arbeiteten tagsüber in einem Kinderhort.

Einsatz auf unbestimmte Zeit

Auch für die 22jährige Studentin Livia Stettler aus Abtwil war der soziale Gedanke der Beweggrund für ihre Reise nach Südamerika. In San Lorenzo, einer Stadt in Paraguay, arbeitete sie in einem Spital (siehe Kasten). Land und Leute haben sie seither nicht mehr losgelassen. Immer wieder reist sie dorthin zurück – wenn auch nur für zwei Wochen Ferien.

Sarina Fässler und Elena Sarisin hat die Faszination ebenfalls gepackt. So fest, dass sie im Herbst wieder nach Südafrika fliegen. Diesmal bleiben sie aber auf unbestimmte Zeit. Die beiden ausgebildeten Fachangestellten Gesundheit haben nämlich ein eigenes Projekt ins Leben gerufen: Sie sammeln Spenden für ein Klassenzimmer. Ein zu kleiner Raum, keine Stühle und Tische – die Bedingungen im Kinderhort seien miserabel, erzählen die beiden. Sie planen deshalb, einen Raum von Grund auf neu bauen zu lassen. «Wir werden so lange da bleiben, bis das Zimmer steht», betonen sie. Auch wenn das unter Umständen lange gehen könne.

Auf eigene Faust

Im Herbst soll es losgehen. Die zwei Frauen, 18 und 20 Jahre alt, sind fest entschlossen, ihr Projekt umzusetzen. Auch wenn sich Verwandte und Bekannte Sorgen machen. Denn diesmal reisen sie nicht mehr in der Obhut einer Organisation, sondern auf eigene Faust nach Südafrika. «Mit der Chefin des Kinderhorts haben wir einen guten Kontakt», sagt Sarina Fässler. «Sie wird uns immer unterstützen.» Die beiden haben keine Angst vor dem Alltag in Kapstadt. In den drei Monaten hätten sie das Land gut kennengelernt und Freunde gefunden. Es habe aber auch Momente der Angst gegeben: «Nachts lagen wir im Bett und hörten draussen Schüsse», erinnert sich Elena Sarisin. Zuerst seien sie erschrocken, aber irgendwann «gehörte es einfach dazu». Mit der Zeit lernten sie, auch mit Armut, Krankheit und Leid umzugehen. «Wir mussten akzeptieren, dass wir nicht allen Menschen helfen können.»

Mit Händen und Füssen

Die beiden haben in Südafrika auch lustige Momente erlebt. «Als wir den Kindern ein deutsches Lied beibrachten zum Beispiel», erzählen sie lachend. Sprachliche Schwierigkeiten hatten sie kaum: «Wenn unser Englisch nicht ausreichte, verständigten wir uns mit Händen und Füssen», sagt Sarina Fässler. Sie will auch in Zukunft mit Kindern arbeiten. Elena Sarisin will die Berufsmatura nachholen und das Studium zur Hebamme aufnehmen. Aber momentan steht bei den jungen Frauen das eigene Projekt in Südafrika zuoberst auf der Liste.

«Glaubwürdig!» – junge Frauen im Einsatz für andere, heute, 19.30 Uhr, Kirchgemeindehaus Abtwil