«Die Grösse ist nicht entscheidend»

Die Fusion von Wil und Bronschhofen stösst Gossau vom Podest der drei grössten Städte des Kantons. Grund genug für die Einwohner, sich abgehängt zu fühlen und selbst Fusionsgedanken zu hegen, sogar mit St. Gallen?

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Andrea Müller, 32,

Hausfrau und Mutter, Gossau

Mir spielt das keine Rolle, ob fusioniert wird oder nicht. Gossau ist optimal so, wie es ist. Wenn wir mit St. Gallen fusionieren würden, gingen nur die Steuern hoch.

Marko Dunjic, 20, Betriebsmechaniker, Gossau

Ich habe keine Ahnung, ob die Fusion von Wil und Bronschhofen Auswirkungen auf Gossau haben wird. Aber ich finde, für Gossau selbst sind Fusionen nicht so gut, weil es dann immer weiter und weiter geht. Auch gegenüber St. Gallen sollten wir unabhängig bleiben.

Barbara Sutter, 66,

Hausfrau, Niederwil

Wir Niederwiler haben uns bereits mit Oberbüren zusammengeschlossen. Ich glaube, unsere Gemeinde wird sich auf die Länge behaupten können. Gossau ist für uns zu weit weg, zumal Oberbüren jetzt eine eigene Sekundarschule hat und die Kinder nicht mehr nach Gossau in die Oberstufe gehen. Doch wer weiss, was die Zukunft bringt. Gossau und St. Gallen werden aber wohl nie fusionieren. Von der Mentalität her passen die nicht zusammen.

Dani Strotz, 50,

Goldschmied, Gossau

In Wil und Bronschhofen ging es vor allem um wirtschaftliche Interessen. Ein solches Rennen um Vorteile innerhalb des gleichen Kantons finde ich blöd, zumal mehr Faktoren als nur die Einwohnerzahl und die Fläche über die Attraktivität eines Wirtschaftsstandorts entscheiden. Man kann zwar sparen durch Fusionen, doch wo tut man die Leute hin, die dadurch ihren Job verlieren?

Sina Schmitz, 20,

Coiffeuse, Oberbüren

Was ist denn überhaupt der Vorteil von grösseren Städten? Das führt doch nur zu Abhängigkeit. Ich finde, dass selbständige Gemeinden wie Gossau allein bleiben sollten. Für kleinere Gemeinden wie Oberbüren kann es aber schon Vorteile haben, wenn sie sich zusammenschliessen.

Hans Wespi, 85,

pensioniert, Gossau

Wegen dessen, was da in Wil passiert, soll ich mir Sorgen machen? Das ändert jetzt auch nichts. Schlimmer ist, dass man sowieso zu wenig Geld hat und die Stadt sich zu Tode spart. Und in Gossau sterben dann die Geschäfte, weil alle nach St. Gallen einkaufen gehen. Die Nähe zur Stadt ist für uns ein Nachteil.

Heidi Weber-Forster, 67, pensionierte Pflegefachfrau, Gossau

Gossau soll selbständig bleiben. Als alte Gossauerin finde ich, dass wir nicht zu St. Gallen gehören. Eine Fusion mit Andwil könnte ich mir eher vorstellen – wenn es die Andwiler dann auch wollen. Dringend nötig ist es allerdings auch nach der Fusion von Wil und Bronschhofen nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese direkte Nachteile für Gossau haben wird.

Alwin Mettler, 72,

pensioniert, Gossau

Die Gemeindegrösse ist nicht entscheidend; viel wichtiger ist, dass man da zusammenspannt, wo es Sinn macht. So war es im Falle von Wil und Bronschhofen, wo sich die Unterschiede in Sachen Steuern bestimmt noch ausgleichen werden. Dasselbe gilt für den Sicherheitsverbund der Region Gossau. Man muss sich allerdings immer aller Konsequenzen bewusst sein. Wenn man die Oberstufe von zwei Gemeinden zusammenlegt, um zu sparen, haben die Kinder dafür einen weiteren Schulweg. Und vielleicht kommen sogar Mehrausgaben für einen Schulbus dazu.

Gertrud Bärtschi, 45, Pflegefachfrau, Gossau

Ich finde das Thema nicht so wichtig. Die Tendenz zu grösseren Einheiten besteht doch in allen Lebensbereichen. Die Schweizer sollten einfach nicht so extrem eng denken. Seit ich im Ausland gelebt habe, kommt mir das sehr bünzlig vor. Wir haben doch dringendere Probleme als die Gemeindezugehörigkeit. Im Alltag ändert sich sowieso nichts; das Leben geht gleich weiter wie zuvor.

Josef Allenspach, 85, pensionierter Landwirt, Waldkirch

Meine Gemeinde sollte selbständig bleiben, da sie gross genug ist und man mitbestimmen kann. Auch der Weg ins Zentrum oder zur Post wird zu weit, wenn nun alle fusionieren. Es schüfe zwar wirtschaftliche Vorteile, aber anderes ist wichtiger. Allerdings muss man die Chance packen, wenn sie da ist. So wie ich, als ich meinen Hof an die Migros verpachtet habe. In solchen Momenten darf man nicht stur sein.

Lara Stefanits, 20, Serviceangestellte, Gossau

Gossau soll ja nicht mit St. Gallen fusionieren. In meinem Beruf merkt man, dass St. Gallen sehr städtisch ist. Da passt Gossau nicht dazu. Dann schon eher Andwil. Dort ist man uns vom Charakter her ähnlicher. Aber eigentlich ist Gossau gross genug, so wie es ist.

Text: Raffael Hirt

Bilder: Rafael Rohner