Die Glöckner machen Winterpause

Peter Fuchs ist einer dieser Individualisten, die einen alten Rorschacher Brauch am Leben erhalten: das Läuten der Glocke beim Jakobsbrunnen. Er macht dies zusammen mit weiteren Frauen und Männern, die sich alle das selbe Ziel gesetzt haben.

Res Lerch
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Peter Fuchs gehört zu den 14 Glöcknern von Rorschach. Am Montag läuten sie die letzte Stunde vor der Winterpause ein. (Bild: Res Lerch)

Peter Fuchs gehört zu den 14 Glöcknern von Rorschach. Am Montag läuten sie die letzte Stunde vor der Winterpause ein. (Bild: Res Lerch)

Peter Fuchs ist einer dieser Individualisten, die einen alten Rorschacher Brauch am Leben erhalten: das Läuten der Glocke beim Jakobsbrunnen. Er macht dies zusammen mit weiteren Frauen und Männern, die sich alle das selbe Ziel gesetzt haben. Am kommenden Montag läuten sie die Glocke um 18 Uhr das letzte Mal in diesem Jahr. Dann ist Winterpause. Nicht aber für das Glöcklein. Das Ave-Glöckchen wird ab dem 1. November wieder punkt 11 und 18 Uhr automatisch erklingen. Die Glöcknerinnen und Glöckner sind dann ab dem 31. März 2017 wieder am Zuge.

Die Idee stammt aus dem Projekt «Stadt der Sinne», das durch Selina Ingold und Mark Riklin zusammen mit der Fachhochschule für Soziale Arbeit St. Gallen lanciert wurde. Seit sieben Jahren hat sich eine Gruppe von Leuten aus Rorschach und Umgebung, zum Ziel gesetzt, mit der Wiederinbetriebnahme des manuellen Glockengeläutes ein Stück Rorschacher Geschichte wieder zu beleben. «Ich bin seit Beginn weg dabei, weil mir die ganze Idee imponiert hat und ich auch nicht wollte, dass der Brauch versandet», sagt Peter Fuchs, der als einer von insgesamt 14 Glöcknerinnen und Glöcknern durchschnittlich viermal im Monat für das Glockengeläut um Punkt 11 und 18 Uhr verantwortlich ist.

Der Rorschacher Jakobsbrunnen hat eine lange Geschichte und ist Teil des legendären Jakobsweges, der heute noch viele Menschen anlockt. «Ich selber meine aber, dass die Frequenz der Jakobsweg-Wanderer in den vergangenen zwei Jahren hier um den Rorschacher Jakobsbrunnen deutlich abgenommen hat», resümiert Peter Fuchs. «Aber als Begegnungsplatz in Rorschach ist er nach wie vor beliebt, denn es vergeht kein Läuten ohne Publikum.» Besonders freut ihn, wenn Mütter mit ihren Kindern vorbeikommen und die Kleinen selber am Läutestrick ziehen dürfen. «Das kommt bei den Kindern ganz gut an», schmunzelt er. «Und einmal habe ich sogar ein Trinkgeld erhalten.»

Der Jakobsweg hat nichts von seiner Faszination eingebüsst. Das Ziel ist für alle das gleiche: Santiago de Compostela in Galizien, Spanien. Spannend ist aber nicht das Ziel, sondern der Weg dorthin mit all seinen vielen Geschichten, die sich ergeben. Peter Fuchs freut sich, dass die Stadt Rorschach Teil dieses Weges ist. Ihn selber fasziniert aber der Klang der Glocke beim Jakobsbrunnen. «Die kleine Glocke ist Teil dieses wunderbaren Rorschacher Klanggebildes, wenn alle Glocken läuten. Das bleibt einem für immer in Erinnerung», sagt Peter Fuchs.

In der Winterpause können es die Glöckner von Rorschach ein wenig geruhsamer angehen lassen. Sie wollen die Zeit aber auch nutzen, um zwei bis drei neue Personen für den Dienst gewinnen zu können. Interessierte dürfen sich direkt mit «Oberglöckner» Alois Ambauen in Verbindung setzen.

Dies kann telefonisch über 079 688 77 59 oder per Mail an alois.ambauen@bluewin.ch erfolgen.