Die GHG wird 200 Jahre alt

Die Gemeinnützige und Hilfs-Gesellschaft unterstützt in der Stadt Kinder, Senioren und Menschen mit Behinderung. Dieses Jahr feiert sie ihr 200-Jahr-Jubiläum. Gegründet wurde sie, weil 1815 in Indonesien ein Vulkan ausbrach.

Katharina Brenner
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Fürs Pflege- und Betagtenheim Josefshaus (Bildmitte) hat die Gemeinnützige und Hilfsgesellschaft (GHG) grosse Ausbaupläne. Im Hintergrund rechts der Strasse das Bundesverwaltungsgericht, gegenüber die «Militärkantine» und das Kaufmännische Aus- und Weiterbildungszentrum. (Bild: Hanspeter Schiess)

Fürs Pflege- und Betagtenheim Josefshaus (Bildmitte) hat die Gemeinnützige und Hilfsgesellschaft (GHG) grosse Ausbaupläne. Im Hintergrund rechts der Strasse das Bundesverwaltungsgericht, gegenüber die «Militärkantine» und das Kaufmännische Aus- und Weiterbildungszentrum. (Bild: Hanspeter Schiess)

Heute ist die Hauptversammlung der Gemeinnützigen und Hilfsgesellschaft der Stadt St. Gallen (GHG). Die Verantwortlichen informieren über das vergangene Vereinsjahr und über das aktuelle. Es ist ein besonderes für die GHG. Sie feiert ihr 200jähriges Bestehen. Mittlerweile umfasst sie acht Einrichtungen (siehe Kasten), zu denen unter anderem ein Kinderheim, zwei Pflege- und Betagtenheime sowie Arbeits- und Wohngruppen für Menschen mit Behinderung und Wahrnehmungsstörungen gehören. Die rund 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der GHG betreuen rund 1000 Personen.

«Für mich ist die GHG ein bedeutsamer sozialpolitischer Partner der Stadt», sagt Heinz Indermaur, Stabschef Direktion Soziales und Sicherheit der Stadt St. Gallen. Die Dienstleistungen der GHG würden jene der Stadt ideal ergänzen. Die Gemeinnützige und Hilfs-Gesellschaft habe die Stadt in den vergangenen 200 Jahren massgeblich unterstützt.

Von Indonesien nach St. Gallen

Ihr Ursprung liegt eigentlich in Indonesien. Dort war im Jahr 1815 ein Vulkan ausgebrochen – eine Naturkatastrophe von globalem Ausmass. Das Klima kühlte sich weltweit ab, was starke Niederschläge und Ernteausfälle zur Folge hatte. Wie in vielen anderen Regionen fiel auch in der Ostschweiz im darauffolgenden Jahr der Sommer aus. Die Hungersnot in der Stadt St. Gallen im Jahr 1816 forderte rund 6000 Tote.

«Einige Menschen in St. Gallen haben die Not gesehen und angefangen, Suppen auszuteilen», sagt Patrik Müller, der seit Februar Geschäftsleiter der GHG ist. Die Mitglieder dieser frühen Hilfsgesellschaft haben anschliessend Gulden gesammelt, um Bedürftige in der Stadt zu unterstützen. 1873 entstand zusätzlich die Gemeinnützige Gesellschaft, ebenfalls mit dem Ziel, das Gemeinwohl zu fördern und vor allem alleinstehende Frauen zu unterstützen. Die beiden Organisationen fusionierten 1971 zur Gemeinnützigen und Hilfs-Gesellschaft der Stadt St. Gallen.

Die Organisation feiert gross

Diesen Namen trägt die Organisation also erst seit 45 Jahren. Und ihre verschiedenen Einrichtungen sind unterschiedlich alt. Die Heilpädagogische Schule etwa gibt es seit 65 Jahren, das Kinderheim Tempelacker bereits seit 141 Jahren. Doch die GHG besinnt sie sich in diesem Jahr ihrer ganz frühen Ursprünge und feiert ihr 200jähriges Bestehen. Und sie feiert gross.

Im Lauf des Jahres gibt es verschiedene interne und öffentliche Anlässe (siehe Zweittext). Bereits Ende April hat die GHG mit rund 70 Gästen den internen Auftakt zum Jubiläumsjahr mit einem Apéro im Josefshaus gefeiert. Der Ort war bewusst gewählt worden. Hier setzt die GHG in den kommenden Jahren das grösste Bauprojekt ihrer Geschichte um: der Umbau des Pflege- und Betagtenheims Josefshaus, der Neubau des Marthaheims und die Versetzung der Villa Jacob. Die Kosten für diese drei Vorhaben belaufen sich auf insgesamt 31 Millionen Franken.

Finanzielle Herausforderungen

Angesprochen auf die Herausforderungen, vor der die GHG in Zukunft steht, nennt Müller diese Bauprojekte und den finanziellen Druck. «Wir spüren, dass der Kanton sparen muss», sagt er. Eine weitere Herausforderung sei es, die hohe Professionalität beizubehalten. «Wir müssen uns fragen, wie wir noch bessere Rahmenbedingungen schaffen können für die Menschen, die wir betreuen.»

Gefragt nach etwaigen Rückschlägen in der 200jährigen Geschichte der GHG muss Müller überlegen. «Nein», sagt er, wahnsinnige Rückschläge habe es nicht gegeben. «Schliesslich sind wir ein Unternehmen und ein Verein, der sich auf schwierige Situationen spezialisiert hat.»

Patrik Müller Geschäftsleiter der GHG (Bild: pd)

Patrik Müller Geschäftsleiter der GHG (Bild: pd)