Die Geschichte beleuchten

Der Verein Ferienpass Am Alten Rhein bietet Schulkindern der Gemeinden Rheineck, St. Margrethen und Thal ein vielfältiges Ferienprogramm. Von Luftpistolenschiessen bis Aerobic. Oder eine Besichtigung der Festung Wacht.

Sebastian Keller
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Steile Treppen und lange Gänge: Kinder besichtigen mit dem Ferienpass Am Alten Rhein die Festung Wacht. (Bild: Sebastian Keller)

Steile Treppen und lange Gänge: Kinder besichtigen mit dem Ferienpass Am Alten Rhein die Festung Wacht. (Bild: Sebastian Keller)

Thal. Der Nachmittag beginnt mit einer Überraschung. Vom Treffpunkt auf dem Parkplatz des Restaurants Steiniger Tisch geht es nicht zu Fuss zur Festung Wacht, sondern mit einem Oldtimer. Einem Oldtimer-Traktor – um genau zu sein. Die sieben Kinder und die zwei Begleitpersonen sitzen auf dem Anhänger. Fredy Frischknecht, Leiter Werkhof Thal, fährt das Cabriolet mit landwirtschaftlichem Charme. Er führt nachher auch durch die Festung Wacht.

Vierfach gesichert

Die Kinder machen am Tageslicht noch einen Test. Klick, klick. Die Taschenlampen funktionieren. Fredy Frischknecht beginnt zu erzählen. Die Kinder scharen sich um ihn wie um ein Lagerfeuer. «Die Festung wurde zwischen 1938 und 1940 erbaut», weiss Frischknecht. Seit 25 Jahren gehöre sie der Gemeinde Thal. Das Militär habe sich vollständig zurückgezogen, sogar die Türen im Innern sind weg. Alles. Und tatsächlich: Drinnen sieht es aus, wie nach dem Sommerschlussverkauf.

«Die Festung ist mit vier Schlössern gesichert.» Die Kinder staunen, Frischknecht hat die Schlüssel und öffnet die Festung. Klick. Die Kinder schalten die Taschenlampen an; Fredy Frischknecht die Beleuchtung. «Kann man sich verirren?», fragt ein Knabe… 200 Meter lang sei die Festung, so Frischknecht. Die Gruppe spaziert in die Festung hinein, die Kindern brauchen sich nicht zu bücken, die Begleiterinnen auch nicht: Der Gang ist hoch und schier kinderwagengängig. In der Aktivzeit waren aber keine Kinderwagen hier, sondern 70 Männer im Dienst.

Nie ein Schuss abgegeben

Nach einigen Metern unter Tage ist rechts eine Öffnung zu sehen, von wo eine Treppe hochführt. Steil ist sie, und viele Stufen hat sie. In einem Einkaufszentrum würden die Menschen den Lift nehmen. «Die Festung hat fünf Türme», sagt Frischknecht. Die Kinder haben die Treppe rasch überwunden; die Neugier, was oben ist, treibt sie an. Oben ist eine Schiessscharte für Maschinengewehre. Die Kinder schauen durch die Löcher, wo einst der Gewehrlauf den Feind im Visier hatte.

«Ein Schuss wurde von dieser Festung nie abgegeben», sagt Frischknecht, «aber man war bereit.» Heute versuche der Naturschutzverein Fledermäuse in den Schiessscharten anzusiedeln. Bislang erfolglos.

Festung für fünf Franken?

Das Militär war gründlich, als es auszog. Die Leere der Festung schreit nach Ideen: «Als Weinkeller wäre es ideal, es herrscht das ganze Jahr praktisch dieselbe Temperatur», sagt Frischknecht und lacht. Viel Wein hätte Platz und der Rebberg ist quasi die Aussenwand der Festung.

In der heutigen Zeit übt die Feuerwehr in der Festung. Die Kinder gehen dem Tageslicht entgegen. Klick. Taschenlampen aus. Frischknecht schliesst die vier Schlösser und zeigt noch, wie dick die Mauern sind. Sie sind so dick, wie die Kinder lang. Ja, es habe ihnen gefallen, sagen die Kinder. Jetzt will ein Bub noch die Festung kaufen. Er hat einen Fünfliber dabei.