Die gebogenen Brücken von St. Gallen

Die Schweiz ist ein Land der Brücken. Und ein Bahnland. Mehrere tausend Brücken dienen allein dazu, den Eisenbahnverkehr über dem Boden abzuwickeln. Viele davon sind Pionierprojekte, ja Denkmäler des technischen und baulichen Fortschritts.

David Gadze
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Die Eisenbahnbrücken führen in elegantem Bogen über die Sitter. (Bild: Google Maps)

Die Eisenbahnbrücken führen in elegantem Bogen über die Sitter. (Bild: Google Maps)

Die Schweiz ist ein Land der Brücken. Und ein Bahnland. Mehrere tausend Brücken dienen allein dazu, den Eisenbahnverkehr über dem Boden abzuwickeln. Viele davon sind Pionierprojekte, ja Denkmäler des technischen und baulichen Fortschritts. Einige dieser Meisterleistungen finden sich auch in der Stadt St. Gallen: Die Sitterviadukte gehören zu den bemerkenswertesten Bauten ihrer Art. Schon die erste SBB-Brücke, zwischen 1853 und 1856 erbaut und in den 1920er-Jahren durch die heutige Brücke ersetzt, setzte neue Massstäbe: Sie war die erste gusseiserne Eisenbahnbrücke auf dem europäischen Kontinent. Und das im frühen 20. Jahrhundert erbaute SOB-Viadukt ist mit seinen 99 Metern bis heute die höchste Eisenbahnbrücke der Schweiz.

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Dass die Sitterviadukte auch in anderer Hinsicht Meisterleistungen sein dürften, zeigt ein virtueller Blick aus der Luft. Fliegt man in der 45-Grad-Ansicht von Google Maps über das Sittertobel, tut sich eine weitere Besonderheit hervor: Sowohl die SBB- als auch die SOB-Brücke überqueren die Sitter nicht etwa auf geradem Weg, sondern machen einen eleganten Bogen – quasi einen Brückenbogen – über den Brückenbögen. Zugreisenden eröffnet sich dadurch ein schönes Panorama.

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Eine gebogene Brücke ist an sich noch keine Meisterleistung. Aber sehr wohl dann, wenn sie erst nach dem Bau verbogen wurde. Denn es ist klar, dass die St. Galler Brücken ursprünglich gerade waren und demzufolge jemand ein krummes Ding gedreht haben muss – beziehungsweise ein gerades gekrümmt. Lohnen könnte sich das allemal. Schliesslich könnten so die Touristenscharen, die wegen des Landwasser-Viadukts nach Graubünden pilgern, in die Gallusstadt gelockt werden. Oder handelt es sich etwa um einen Schaden vom Sturm am Osterwochenende? Hat das durch die Geothermie-Bohrungen ausgelöste Erdbeben den Viadukten zugesetzt? Oder hat die Stadt St. Gallen versucht, den Stadt-Land-Graben zu schliessen?

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Die Lösung liegt vermutlich irgendwo in den Schluchten des Internets. So bleibt die Gewissheit, dass die optische Wahrheit nicht unverrückbar ist. Und die Erkenntnis, dass man nicht alles glauben sollte, was Google einem vorgaukelt.

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