Die Frau mit der Liebe zu den schwarz-weissen Tasten

GOLDACH. Wenn Ruth Falk von ihrer Leidenschaft, der Musik erzählt, glänzen ihre Augen. Die zierliche Frau sitzt hinter dem Klavier, unscheinbar und bescheiden. Die Musik, die ihre Finger auf den Tasten zaubern, ist Ausdruck genug.

Sandra Grünenfelder
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Ruth Falk war 32 Jahre lang Klavierlehrerin an der Musikschule in Goldach. Nun geht sie in Pension. (Bild: Sandra Grünenfelder)

Ruth Falk war 32 Jahre lang Klavierlehrerin an der Musikschule in Goldach. Nun geht sie in Pension. (Bild: Sandra Grünenfelder)

GOLDACH. Wenn Ruth Falk von ihrer Leidenschaft, der Musik erzählt, glänzen ihre Augen. Die zierliche Frau sitzt hinter dem Klavier, unscheinbar und bescheiden. Die Musik, die ihre Finger auf den Tasten zaubern, ist Ausdruck genug. Ruth Falk trat im April 1984 ihre Stelle als Klavierlehrerin an der damaligen Jugendmusikschule in Goldach an. Diesen Sommer, nach 32 Jahren, tritt sie in den wohlverdienten Ruhestand. Den schwarz-weissen Tasten wird sie aber weiterhin treu bleiben.

Die 65-Jährige war eine echte Institution an der Musikschule Goldach. Ihr Name taucht zu unzähligen Musikveranstaltungen, Theateraufführungen oder kirchlichen Feiern auf. Als Klavierlehrerin unterrichtete sie in der Woche bis zu 100 Schüler. Sie gab Gruppen- und Einzelkurse, vom Kindergarten bis zur dritten Klasse. Über die Jahre gab sie ihr musikalisches Wissen an mehr als drei Generationen weiter. «Das Unterrichten hat mich immer inspiriert», sagt sie. «Es ist ein Job, der einem viel zurückgibt.» Ihre Liebe zur Musik teilte sie nicht nur mit ihren Schülern. Die angehende Pensionärin ist nebenbei auch Organistin, begleitet Chöre, spielt Hauskonzerte oder tritt im Altersheim auf.

Musikalische Familie

«Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht», sagt Falk lächelnd. Schon als Kind habe sie grosse Freude an der Musik gehabt, speziell am Klavier. «In meiner Familie haben wir viel und sehr gerne gesungen.» Die Musik habe sie immer verbunden. Gerade zu der Zeit, als ihre Mutter an Demenz erkrankte, fand sie in der Musik eine Verbindung zu ihr. Ruth Falk ist auf einem Bauernhof in Tübach aufgewachsen. In der Nachbarschaft lebte ein Junge, der Klavier gespielt hat. «Ich bin oft auf dem Gartenzaun gesessen, habe zugehört», erinnert sie sich. Es sei nicht selbstverständlich gewesen, dass die Eltern ihr den Klavierunterricht ermöglichten. Bis heute ist es ihr Lieblingsinstrument geblieben. «Das Klavierspielen ist wichtig für mein seelisches Gleichgewicht», erklärt sie.

Spontanität und Ehrlichkeit

Die scheidende Klavierlehrerin hat in den vergangenen 32 Jahren viel erlebt. «Wenn Kinder aus der Seele singen, das ist berührend», sagt sie. Ihr Beruf sei sehr vielseitig gewesen. «Die Spontanität und Ehrlichkeit meiner Schüler haben mich immer beeindruckt.» Mit den Generationen hat sie sich auch neuen Herausforderungen stellen müssen. «Die Ablenkung ist heute sicherlich grösser.» Musik bleibe eine Knochenarbeit. «Da wird einem nichts geschenkt.»

Ruth Falk ist Frühaufsteherin. Zum Musikunterricht ist sie oft mit dem Fahrrad von Horn über die Feldwege zur Musikschule nach Goldach gefahren. Auf halben Weg hat sie bei einem Café angehalten und dort gefrühstückt. «Jetzt kann ich das öfter machen», freut sie sich. Bei all der Liebe zur Musik ist es nicht verwunderlich, dass die Hornerin ihre neugewonnene Freizeit auch für das Klavierspielen nutzt. «Ich möchte den Jazzunterricht und das Orgelspielen intensivieren.»