Die Frau für alles Politische

Für Maria Huber enden in einer Woche die Zeit als Kantonsrätin und ihre politische Laufbahn bei Stadt und Kanton durch fast drei Jahrzehnte. Politik bleibt jedoch ein Schwerpunkt ihrer Tätigkeit: Im Beruf als Gewerkschaftssekretärin.

Fritz Bichsel
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Maria Huber verlässt den Kantonsrat nach sieben Jahren. (Bild: Fritz Bichsel)

Maria Huber verlässt den Kantonsrat nach sieben Jahren. (Bild: Fritz Bichsel)

RORSCHACH. Der Rat und die Fraktion haben Maria Huber nach ihrer letzten Kantonsratssession verabschiedet. Bis Ende der Amtsdauer am 31. Mai bleibt sie aber noch Mitglied der Rechtspflegekommission. Zuletzt leitete sie die Kommission zur neuen Rechnungslegung der St. Galler Gemeinden. Als letzten ihrer Vorstösse beantwortete die Regierung die Interpellation zum Geldstreit zwischen Bergbahnen im Toggenburg.

Das sind Beispiele für die breitgefächerte Tätigkeit dieser SP-Politikerin. Typischer für sie war jedoch ihr letzter Vorstoss im Kantonsrat: gegen Privatisierung von Volksschulen – was Steinach erwogen hatte – trotz Nein des Volkes zu Privatschulen. Maria Huber setzt sich besonders für die Gleichstellung der Frau, die Arbeitnehmenden, den Service public und die Bildung ein.

Politisch interessierte Eltern

«Politik war für mich bereits im Elternhaus ein Thema; mein Vater wirkte bei den Christlichsozialen in der CVP», erläutert Maria Huber zum Ursprung. Sie engagierte sich bereits in jungen Jahren für die Gleichstellung der Frauen, zuerst in der politischen Frauengruppe. Weil es diese in unserer Region nicht gibt, führte ihr Weg in die SP: «Für mich kam hier nur diese Partei in Frage.»

Als Lehrerin arbeitete Maria Huber in Rorschacherberg. 1983 zog sie nach Rorschach um, wo sie bis heute wohnt. Ende der 1980er-Jahre begann ihre jetzt endende Laufbahn in politischen Ämtern im Rorschacher Parlament. Dieses verliess sie nach gut zehn Jahren, damit sie Zeit hatte für wine weitere Ausbildung zur Erwachsenenbildnerin. Drei Jahre später stellte sie sich wieder zur Wahl, neu als Stadträtin. Dieses Teilamt erfüllte sie acht Jahre – bis die bürgerliche Allianz die SP 2008 aus der Rorschacher Stadtregierung verdrängte. Nur eineinhalb Jahre später ging es für Maria Huber trotzdem weiter: Sie rückte in den Kantonsrat nach. Diesen verlässt sie nun nach sieben Jahren, am Ende ihrer zweiten Amtsdauer.

Einsatz für Gerechtigkeit

Als «Ende eines Lebensabschnittes» empfindet sie das. «Aber ohne Wehmut.» Denn Maria Huber hat diesen Abgang selber beschlossen und bleibt politisch aktiv, obwohl sie keine öffentliche Funktion mehr übernehmen will. In ihrer heutigen Berufsarbeit als Gewerkschaftssekretärin beim VPOD Ostschweiz (für Personal öffentlicher Dienste) und Präsidentin der Konferenz der Personalverbände der Kantonsangestellten ist Politik der Schwerpunkt.

Als Kantonsrätin hinterlässt Maria Huber besonders in drei Bereichen Spuren: gerechtere Besteuerung von Einelternfamilien, Gleichstellung der Handarbeitslehrerinnen und Reduktion der hohen Provisionen für die Verwaltung der Pensionskasse. In allen diesen Fällen musste der Kanton Geld zurück- oder nachzahlen. Ebenso intensiv bekämpfte sie Lohnkürzungen und weitere Sparmassnahmen.

«Viel gelernt in der Politik»

«Als spannende Zeit, in der ich viel lernte», habe sie die fast dreissig Jahre in politischen Ämtern erlebt, zieht die abtretende Rorschacher Kantonsrätin Bilanz. «Als linke und feministische Politikerin musste ich viel einstecken, auch etliche Niederlagen. Aber ich liess mich nie abbringen.» Wertvolle Kontakte mit vielen Menschen nimmt sie als weiteren Gewinn mit.

Zu Veränderungen der Arbeit im Kantonsrat bedauert sie: «Das Verhältnis zwischen Parlament und Regierung wurde schlechter bis gehässig.» Als Negativbeispiel erwähnt sie SVP-Vertreter Karl Güntzel. Und wegen des Erstarken der Rechten sei es schwieriger und viel aufwendiger, Konsens zu erreichen. «Zum Beispiel diskutierten wir während zweier Jahre über mehr ständige Kommissionen, aber ohne Ergebnis.» Ebenfalls unerfüllt blieb Maria Hubers Ziel, die Dauer und den Rhythmus der Sessionen verlässlicher festzulegen. «Der Betrieb ist leider zu wenig abgestimmt auf Milizleute.»

Dem Stamm bleibt sie treu

Das müssen nun andere weiterverfolgen – unter ihnen der Rorschacher Schulpräsident Guido Etterlin als Nachfolger von der SP im Kantonsrat. Etwas aber führt Maria Huber weiter: Wie seit vielen Jahren beteiligt sie sich in Rorschach am Samstagvormittag am Stamm zur Diskussion politischer Fragen, derzeit im «Englers am See».